Patient tot: xXx 3

Patient tot: xXx 3

Leiche, männlich, 49 Jahre, eingeliefert D.O.A. Wiederbelebungsversuche werden unternommen, im Folgenden aufgelistet. So oder so ähnlich lassen sich die Produktionsbemühungen zu xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage beschreiben.

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Wie immer hart in Action: Vin Diesel

Aber mal der Reihe nach, um nichts zu beschönigen und auch wirklich das ganze Ausmaß dieses Fiaskos abzubilden: Wir haben – natürlich! – eine Fortsetzung. Den dritten Teil oder eigentlich zweiten Teil von Triple X, dem sympathischen und gelungenen Action-Hit von 2002. Der machte den frechen Vin Diesel damals zu einem ähnlich großen Actionstar wie Jason Statham, Dwayne Johnson, oder, greift man weiter zurück in die Vergangenheit, allen alten Haudegen aus The Expendables. Der originale Triple X kam gut: Nicht nur war Vinnie frisch und unverbraucht, auch die Grundidee eines Extremsportlers als Geheimagent, der beispielsweise auf Snow- oder Skateboards den bösen Jungs entkommt und nicht etwa in einem Auto (langweilig!), war richtig cool. Xander aka Vinnie war der Outlaw, der plötzlich auf der ‚guten’ Seite der U.S.-Regierung stand – Suicide Squad lässt grüßen. Vin verlor erfreulicherweise nie seine Bad-Boy-Attitüde, obwohl er den Job schon erledigte, und trumpfte mit extrem lustigen, lockeren Sprüchen auf. Auch in anderen Details war Triple X gut, z.B. im Einbau der Musik sowie sogar einer Performance von Rammstein. Das passte und war aus einem Guss, Action-Edeltrash vom Feinsten.

Die schöne Deepika kann Vinnie das Wasser reichen.

Haben wir es jetzt aber mit Teil 2 oder 3 von Triple X zu tun? Nun, offiziell mit dem dritten Teil, doch der zweite mit N.W.A-Gründungsmitglied Ice Cube (Barbershop – Ein haarscharfes Viertel) in der Hauptrolle war dermaßen unter aller Sau, dass er eigentlich gar nicht gezählt werden sollte. Aber mal zur ‚Story’ von xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage: Ein total farbloser Böser lässt Satelliten gezielt auf die Erde abstürzen, wodurch diese zur tödlichen und unaufhaltsamen Waffe werden.
Schaut man den Film, kann man jedoch leicht verpassen, wer dieser Bösewicht eigentlich ist. Er hat kaum Screen-Time und noch weniger Eigenschaften. Eigentlich geht es mehr um ein Team von Superkämpfern, das eigentlich nicht so richtig böse ist, jedoch zunächst mal die Satelliten-Kontrollbox klaut, mit der man so viel Schaden anrichten kann. Später arbeitet Xander dann jedoch mit denen zusammen und die Teams vereinigen sich. Und das Team der guten Seite ist riesig, besteht unter anderem aus dem brasilianischen Fußballspieler Neymar(!), Ice Cube, der schrecklicherweise auch in diesem Film kurz vorkommt, und dann noch einer ganzen Reihe Actionstars (Donnie Yen und Tony Jaa überzeugen besonders). Und dann noch einer schier endlosen Reihe sehr, sehr hübscher Frauen. Ein Haufen Partys und ein noch größerer Haufen Kämpfe folgen, dann ist der Film irgendwann vorbei. Die Sache mit den hübschen jungen Dingern war im Original übrigens nicht anders, allerdings weit weniger peinlich. xXx 3 gleicht in seiner Fleischbeschau eher einem Hip-Hop-Video von Anfang der 2000er Jahre. Vielleicht erinnern sich einige noch, zumindest auf MTV und ähnlichen Kanälen (d.h., damalige Chartsmukke) war in diesen Jahren das Video zu jedem, wirklich jedem Hip-Hop-Hit eine Poolparty mit Babes, Babes, Babes in Bikinis. So läuft das xXx 3 auch ab. Actionfilm-Fans haben dagegen sicherlich nichts einzuwenden. Doch einige Zuschauer werden garantiert schmunzeln, denn wiederholt ist beispielsweise eine Einstellung zu sehen, in der eins der Babes – im Bikini – vom Bauchnabel bis zu den Knien abgebildet wird. Stell dir das mal bildlich vor! Feministinnen würden hier ganz klar sagen: Alles Wichtige zu sehen. 😉

Hip-Hop-isierung und Hipster-isierung

Hipster-Nerd-Agentin-Vin-Anhimmlerin Nina

Natürlich lädt man einen Film mit noch mehr Gaststars, Stars und Sex auf, wenn man weiß, dass er eigentlich Schrott ist. Das gehört zur versuchten erwähnten Wiederbelebung. Doch in Triple X III werden noch andere Teile verbaut: So lässt sich auch eine Hipster-isierung der Welt von Xander Cage feststellen. Im Jahr 2002 war der Typ ja so was wie der originale YouTuber. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viele Abonnenten sein Kanal hätte. Das braucht inzwischen, im Jahr 2017, dann doch ein Update, daher hat das produzierende Studio beispielsweise Nina Dobrev (The Vampire Diaries) ins Komp(l)ott geschmissen: Sie trägt eine Nerdbrille, ist Technik-Geek und total vernarrt in Xander. Obwohl super hübsch, ist sie auch super unsicher, kann einfach nicht aufhören zu plappern und macht aus ihrer Zuneigung Vinnie gegenüber keinen Hehl. Schade zu sehen, wenn eine Rolle dermaßen Marketing-gerecht angepasst wird. Das ist allerdings nun wahrlich keine Ausnahme in heutigen Blockbustern. Musikalisch versucht der Film ähnliches.

Wie schon erwähnt, klappt keiner dieser Wiederbelebungsversuche so richtig. Und auch Vin Diesel selbst sieht manchmal – abgesehen von seinen Mukkis! – richtig alt aus. Kein Wunder, er wird dieses Jahr 50. Ihm ist zu raten, eher in Richtung andere Rollen wie beispielsweise in dem kommenden Kriegsfilm Die irre Heldentour des Billy Lynn zu gehen, in dem er ganz formidabel ist. Aber wer weiß, womöglich wollte er nur noch mal richtig abkassieren, was ja jedem zu gönnen ist. In den 2000er Jahren hatte Vin ja auf eine Fortsetzung verzichtet, weshalb dann eben Ice Cube einspringen und alles vermasseln konnte…

Patient tot, Wiederbelebungsversuche werden eingestellt. Aber keine Sorge, von The Fast and the Furious, Vinnies anderer großer Franchise, sind noch drei weitere Teile bis hin zu Nummer 10 geplant! 🙂

Robert

Titel: xXx 3: Die Rückkehr des Xander Cage
Regie: D.J. Caruso
Laufzeit: 107 Min.
VÖ: 19.1.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: Paramount Pictures Germany

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