Partycheck: Die Sage-Saga am Donnerstagabend

Partycheck: Die Sage-Saga am Donnerstagabend

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Take me out tonight where there’s music and there’s people and they’re young and alive. So feierte Morrissey in einem Smiths-Klassiker das Aufflammen eines nimmer endenden Lichtes, ein Licht der ewigen Jugend, Rebellion und des Nonkonformismus im gewöhnlichen, arbeitsamen Alltag der britischen Arbeitergesellschaft der 80er Jahre.

SLEAZE + Sage Club
Wartet auf Tanz-Futter: der Drachen des Dragon Floor.

Abgesehen vom Brexit oder der Überhand des Wutbürgertums in der gegenwärtigen Gesellschaft ist das Schwarzlicht dazugekommen und am Donnerstagabend im Berliner Sage Club erstrahlt es im hedonistisch fluoreszierenden Dekor des KitKatClubs.

Das Sage wird erwachsen.

Der Sage Club ist eine ehrwürdige Partyinstitution. Seit 21 Jahren – was bei der heutigen Schnelllebigkeit der Clubszene in Berlin eine Ewigkeit ist und daher eigentlich in Hundejahren gezählt werden müsste – rockt der Laden, wie es sich für einen Berliner Club gehört.

Und das wird gefeiert. Am 22.11.2018 feiert das Sage sein Erwachsen geworden sein – vielleicht. Jedenfalls wartet ein buntes Bouquet aus Rock, Metal, Indie, Hardcore, Pop, Alternative, Trap, Hip Hop, Punk und Trash und lädt die Feierwütigen auf eine lange Nacht ein. Die Veranstaltungen im Sage laufen immer nach erprobter Prozession und trotzdem geht man überrascht nach Hause.

Poolparty am Donnerstag gefällig? Klar, gönn dir.

Am Donnerstag und nur am Donnerstag um 21 Uhr öffnen sich die Pforten, der Eintritt ist bis 22.00 Uhr kostenfrei, voll super! Danach vier Euro, geht auch klar, und ab 0.00 Uhr sind es ganze acht Euro. Die Tür ist nicht besonders hart im Vergleich zu anderen Clubs in Berlin, jedoch sollten potenzielle Besucher logischerweise nicht mit dem Vorglühen übertreiben.

Zuerst spielen Bands, anschließend gehen Discjockeys zur Party über. Auf drei liebevoll dekorierten Dancefloors steppt nicht nur der Berliner Bär und am Pool werden in gemütlichen Lounge-Sesseln Longdrinks und Bier gekippt, neue Freundschaften erschlossen, alte gefestigt.

Oben speit der Drache unten dreht sich der Tisch mit dir mittendrin.

Die Nostalgiker leben die guten glorreichen Zeiten auf, die Tänzer schwingen mal mehr und mal weniger rhythmisch ihre Hüften unter den erotisch psychedelischen Bildern des Träumers und die Headbanger frönen den feuerspuckenden Drachen auf dem Dragonfloor.

SLEAZE + Sage Club
Nach der Drachenhitze am Pool abkühlen.

Ins Sage gehen heißt auch die Familie zu lieben. Alle Besucher kommen gern und supporten das Team mit Laune und Rücksicht. Mein Lieblingsort ist das Separee, dieses kleine Paradies liegt im Keller und ist über eine kleine Treppe zu erreichen. Leider ist dieser Bereich nicht barrierefrei, ein Rollstuhlfahrer kann hier nur bedingt Hip Hop oder außergewöhnlichen Trash genießen.

Der Ort hieß früher mal Escobar, als der Laden noch das halblegale Boogaloo war. Doch eigentlich geht die Party-Historie des Ortes noch weiter. Denn vor dem Boogaloo, welches ein außergewöhnlich guter Hip-Hop-Club war mit – damals noch jungen – Veteranen wie Jah Fish, Jeff oder auch Alex, begann hier alles mit der legendären Techno-Tempel Walfisch nach dem Mauerfall.

Tanzen mit Itchy, feiern mit Freddy.

Ich war am 1.11 zum FTSGT Vol. 18 mit Dancefloor Cleaning System aka Itchy. Die Veranstaltung war entsprechend gut besucht. Auch die Willkommenskultur von Seiten der Sage-Crew war an diesem Abend unschlagbar. DJ Joosen legte im Garten auf und an diesem Tag stand alles im Zeichen von Queen. Das muss man mögen, klar!

Aber ich fühlte mich zwanglos, frei und war durch die sympathischen Menschen elektrisiert Sage hat nicht nur den Spaßfaktor, sondern auch einen pädagogischen Musikauftrag. In der Mainhall übernahm prominenter Besuch das Steuer, die Jungs von Itchy.

Von Madonna bis KIZ und andere wegputzende Evergreens, es war ihnen egal. Hauptsache Spaß, Hauptsache Stimmung. Das Mitsingen in einem Berliner Club ist nie so leicht wie dort (außer vielleicht in der Hafenbar). Die Bühne auf dem Mainfloor wurde zum Hort der Selbstdarsteller. Die Zwischenetagen und Sofas luden zum chilligen Wurzelschlagen ein.

Der Club der unergründlichen Wege.

Irgendwann nach der einen oder anderen Rum-Cola-Mische lag eine bekömmliche Flirtstimmung (der KitKat-Effekt?) in der Luft und die verbotenen Früchte rankten um den Pool. Ich habe mich auf allen Floors wohlgefühlt, ein besonderer Aspekt ist der Wechsel. Falls ich keinen Elan für Boybands hatte, wechselte ich woandershin und genoss Rammstein auf dem Dragonfloor oder Oldschool-Hip-Hop im Separee. Ich nahm um 5.32 die U-Bahn und kann auf einen rund um schönen Abend zurückblicken.

Specials und Extras.

Der Sage Club überzeugt durch mannigfaltige Vielfalt von Musik und Publikum, Location und Lage, Türpolitik und dem adäquaten Preisleistungsverhältnis. Eine andere Besonderheit ist die saubere und vollausgestattete Unisex-Toilette. Wo Licht ist, da muss auch Schatten sein. Die Barrierefreiheit lässt zu wünschen übrig, mit bestimmten körperlichen Einschränkungen wird es schwer sein, im Sage ordentlich feiern zu gehen. Apropos Feiern: Wer Durst hat und dabei was sparen möchte, dem sei die Happy Hour empfohlen (21-22 Uhr). Wenn dein Geburtstag in der Woche ist, dann bekommen du und eine Begleitperson den freien Eintritt.

SLEAZE + Sage Club
Kurz an die Bar, Geburtstag feiern.

Komm herbei, das Wochenende naht.

Ich würde Sage all den empfehlen, die der Techno-Szene entkommen möchten und bei rockiger Musik sich bis zur Umnachtung entfalten wollen, die unverkrampft alte Indiehits im Freundeskreis herausgrölen, um der ewigen Jugend ein Tribut zu zöllen. There is a light that never goes out!

PS: Du hast ein heißes Geburtstagsdate am 22.11. 2018. Das Sage feiert 21jähriges Bestehen. Wir sehen uns auf der Tanzfläche.

Roman

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