Outfit gegen Festivalstimmung

Outfit gegen Festivalstimmung

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Musik, Kunst, Glitzer und Einhörner. Das war, zusammengefasst, unser Wochenende auf dem MS Dockville.SLEAZE.Dockville.Hafen.MaLi

Das SLEAZE-Festival-Team MaLi war mal wieder unterwegs. Kaum vom Serengeti Festival wieder in Berlin zurück, ging es auch schon wieder los nach Hamburg zum MS Dockville. Kaum angekommen, wurde schnell deutlich, dass die Festivalgemeinde auf dem Dockville eine ganz andere Größenordnung hat als die auf dem Serengeti Festival.

Der Glitzer des Nordens

Während Glitzerbemalungen und goldene Abziehtattoos beim Serengeti Festival nur zur absoluten Ausnahme gehörten, waren sie beim Dockville schon fast ein Pflichtaccessoire.

SLEAZE.Dockville.Burg.MaLiWir haben das Festival-Gelände am Freitagnachmittag erreicht und suchten uns auf dem doch bereits gut besuchten Campingplatz ein Plätzchen. Nach einer längeren Suche fanden wir eine kleine Lücke, die wir schnell zu unserer machten. Fix wollten wir unser Zelt aufbauen. Was letztes Wochenende noch ratzfatz erledigt war, erschien dieses Wochenende als schier unmöglich. Nicht genug, dass der Boden den Anschein machte, nur aus Kieselsteinen und undurchdringbarer Masse zu bestehen, riss auch noch das Gummiband der einen Zeltstange. Also hieß es erst einmal Panzertape und Hammer auftreiben und am besten noch einen netten, starken Herren, der uns hilft.

Das All-Inklusive-Paket fanden wir bei unserem Fastnachbarn Eddi. Hier nochmal ganz offiziell: Dankeschön, wir hoffen das Belohungsbier hat geschmeckt. Wir freuen uns, von dir zu hören (Lisa@sleazemag.de).

Auf dem Festival-Gelände waren zwar verschiedene Kunstprojekte verteilt, jedoch hätten wir mit mehr gerechnet. Verschiedene Bauten aus Holz boten Platz, um sich gemütlich hinzusetzen und zu unterhalten, den Lesungen und Interviews zu lauschen oder sich einfach mal ein wenig zurückzuziehen. Die insgesamt sieben Bühnen waren zwar auf dem weitläufigen Gelände verteilt, doch wenn man nicht direkt vor einer Bühne stand, schlich sich der Musikklang der benachbarten Bühnen immer wieder ins Ohr.

Grüner Rauch im EinhornwaldSLEAZE.Dockville.Findus.MaLi

Musiktechnisch stiegen wir am Freitagabend mit Findus ins Dockville ein. Die Jungs aus Hamburg versuchten für Stimmung zu sorgen. In der Mitte der Show wurde auch ein grünes Rauchfeuer zwischen all den Einhornluftballons und Seifenblasen gezündet, was aber so gar nicht zu der Stimmung vor der Bühne passen wollte. Die Ansagen des Sängers waren mit einem leicht genervten Unterton versehen. Es machte den Anschein, dass seine Einstellung zu einem Festivalauftritt nicht zu der des Publikums kompatibel war.

Der Auftritt von Son Lux lockte das Publikum leider erst zum letzten Lied aus der Reserve. Vorher war die Festivalgemeinde sehr verhalten, als ob sie noch nicht bereit sind sich fallen zu lassen und das Festival endlich zu genießen.

SLEAZE.Dockville.Son.Lux.MaLiZum späten Freitagabend lieferten sich Interpol und AnnenMayKanntereit ein Battle um die Anzahl ihrer Zuhörerschar. Interpol als Mit-Headliner des Dockvilles und AnnenMayKanntereit als aktueller Shootingstars der Musikszene.

Hier trennten sich die Wege von Ma und Li. Mareike blieb bei Interpol, während es mich zu Beginn der Show von AMK zur Vorschot-Bühne zog. Bevor wir uns danach mehr oder weniger enttäuscht wieder vereinigten.

 

Das Interpol Disaster

Mareikes Sicht der Dinge:
Interpol war einer der Acts, auf die ich mich sehr gefreut habe und die ich endlich mal live sehen wollte. Hätte ich das bloß nicht, denn dann wäre meine Einstellung der Band gegenüber noch immer positiv und das Hören ihrer Musik wäre noch immer ein Genuss. Nein, die Jungs aus New York haben mich schwer enttäuscht und das muss ich hier so offen und knallhart loswerden. Hinter ihnen eine aufwändige Lichtshow, die die Fans in die richtige Stimmung bringen sollte, aber der Funke sprang einfach nicht über. Und das lag keineswegs an den Technikern, sondern ganz allein an Interpol. Stocksteif und mundfaul leierten sie ihre Songs einem nach dem anderen herunter. Nach einer mehr oder weniger erzwungenen Zugabe konnten die Jungs von Interpol die Bühne dann endlich verlassen. Das Publikum blieb fraglos zurück und so zogen die Einhörner mit gesenkten Köpfen weiter.
In dem Battle gegen AnnenMayKanntereit müssen sich Interpol wohl oder übel geschlagen geben.

SLEAZE.Dockville.Einhorn.MaLiWährend dessen bei mir (Lisa):
Da ich AMK bereits zu Sommerbeginn gesehen hatte und sie in die Schublade „Schülerband“ mit grandios guten Texten steckte, war ich gespannt, ob und wie die Jungs sich während ihrer Festivalsaison verändert haben. Und – ich war absolut angetan. Hennig May ist aus den Fußstapfen der „Schülerband“ getreten und zog das Publikum mit seiner einzigartigen Art in den Bann.
AnnenMayKantereit stand in Großbuchstaben vor dem roten Vorhang zu lesen und die fünf überdimensionalen Schreibtischlampen sorgten für eine cleane sowie warme Stimmung. Henning ist kein Man der vielen Worte, sondern führt mit kurzen und knappen Ansagen wie „Wir spielen jetzt ein Lied, das spielen wir immer“ durch das Programm. Für „Ein böses Liebeslied“ kam Trompeter Ferdinand Schwarz auf die Bühne. Während des langen Festivalsommers muss den Jungs von AMK essenstechnisch so allerlei aufgetischt worden sein was bestimmt fernab vom Food Porn lag, denn für das Essen beim Dockville ging ein exklusiver Dank an die Leute hinter den Kulissen. Auch die Interaktion mit dem Publikum kam nicht zu kurz. Hennig sang „Wohin du gehst“ vor und die Menge sang lautstark nach. Auch durfte das wohl bekannteste Lied „Oft gefragt“ nicht fehlen. Als Zugabe schenkten sie uns „Barfuß am Klavier“. Hier warfen gefühlt alle Jungs um mich herum ihre Herzallerliebste auf die Schultern und tanzten gemeinsam, obwohl das Lied ja an sich das Ende einer Beziehung beschreibt.

SLEAZE.Dockville.Prinz.Pi.MaLiDer Samstag stand für mich trotz des Elektro-reichen Lineups und der Masse an melancholisch angehauchten Bands (meiner Meinung nach, Mareike vertritt dies bestimmt nicht zu 100% 😉 ) im Zeichen des Hip Hops. Angefangen mit Zugezogen Maskulin über die Antilopen Gang bis hin zu Prinz Pi. Alle gesehen, alle mehr als gut befunden. Zugezogen Maskulin haben sich mit jedem Auftritt einen größeren Platz in meinem Herzen gesichert. Gerade da sie nicht müde werden, zur aktuellen mehr wie beschissenen Lage in Deutschland Stellung zu beziehen.

In Gedenken an Penny Lane

Prinz Pi widmete sein Auftritt seinem Hund Penny Lane, der genau beim Dockville vor zwei Jahren das erste Mal mit bei einem Konzert dabei war und leider am Freitag gestorben ist. Neben neueren hatte er auch alt bewährte Songs wie „Gib dem Affen Zucker“ dabei und sorgte so zusammen mit E-Rich für absolute Tanz- und Sprungstimmung im Publikum.

Da sich auch hier die Wege von MaLi trennten, hier die Sicht der Dinge von Mareike:
Ich (Mareike) lauschte währenddessen den Klängen von Django Django. Auch eine Band, auf die ich mich beim Dockville sehr freute. Nach dem Interpol-Desaster pflegte ich einen vorsichtigen Umgang mit meiner Vorfreude. Doch zum Glück schlüpften die Jungs aus London nicht in die Fußstapfen von Interpol und kamen nach dem zweiten Lied so richtig in Fahrt. Auch das Publikum konnte sich die Sorgen der letzten Tage von der Seele tanzen. Die liebevoll mit Glitzer beschmierten Körper kamen ins Schwitzen und auch die Blumenkränze rutschten hin und her. Django Django machten dank ihrer guten Laune und Lust am Spielen deutlich, wie Festival-tauglich manch ein Besucher wirklich gekleidet war. Mich haben die Briten nicht enttäuscht und so bin ich doch immer wieder dankbar für den musikalischen Wind von der ISLEAZE.Dockville.Antilopen.Gang.MaLinsel.

Der Sonntag war für MaLi ein Tag zum Entspannen. Gemütlich in der Sonne/ dem Schatten sitzen und das laue Hamburger Lüftchen genießen. Bevor es für uns am Abend wieder ab in vier feste Wände und einem richtigen Dach über den Kopf ging.

Insgesamt fanden wir es schade, dass der Großteil des Publikums eher den Anschein machte, mehr Wert auf ihr perfektes Outfit zu legen anstatt die Musik zu genießen. Unser Tipp an die Jugend von heute: Leute habt doch einfach Spaß. Dafür sind Festivals doch schließlich da. Und wenn das perfekte Outfit mal verrutscht – auch egal. Egal, welche Figur ihr auf den Fotos abgebt, eine Abspackpose ist so viel schöner als ein gestelltes Bild. Verpasst nicht all die Bands und zieht vor allem nicht gleich mit der Generation, die Konzerte nur noch vor der Bühne stehend über ihren Handybildschirm sieht.

MaLi

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