Ordnung muss sein!

Ordnung muss sein!

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SLEAZE + Warentrenner
Seien Sie vorbildlich! Sparen Sie Zeit und trennen Sie.

Einkaufen. Mancher hasst es, mancher liebt es. Natürlich ist es auch immer abhängig davon, wie voll der Geldbeutel ist und um welchen Einkauf es sich handelt. Klamotten oder Technik kaufen macht oft mehr Spaß als Reinigungsmittel – also, für den durchschnittlichen Haushaltsführer. Es gibt natürlich auch die, die den Kauf von Reinigungsmitteln lieben. Weil man damit putzen kann. Und alles ordentlich machen. Denn: Ordnung muss sein!

Diese Ordnung bezieht sich gerade in Deutschland – und, wie ich gerade auch wieder merke, noch mehr in der Schweiz – auf das gesamte Leben: Drei Minuten Bahn-Verspätung? Eine Frechheit! Da fährt jemand mit seinem Fahrrad unerlaubt durch den leeren Park? Na warte!! Du gehst bei strömenden Regen über eine rote Ampel? Gesetzesbruch!!!

Deshalb wurde in Deutschland vor einigen Jahren das Ordnungsamt ins Leben gerufen. Das Arbeitsamt heißt inzwischen ganz trendy Jobcenter, aber bei Ordnung bleibt Deutschland klassisch. Da muss es amtlich ordentlich zugehen. Meiner Meinung nach brauchen wir ja eher ein SadA- ( = Stock aus dem Arsch) oder sogar ein Spaßamt, da ich dort eindeutig mehr Defizite sehe, aber – die deutsche Prioritäten liegen halt woanders.

Bitte bewahren Sie Ruhe…

…und Ordnung auch im Kassenbereich. Denn wenn man häufig einkaufen geht, muss es ebenfalls geregelt zugehen. Und gerade an der Kasse vergisst sich der Hochdeutsche hin und wieder. Öffnet z.B. eine neue Kasse, wird ähnlich wie mit dem Auto im Straßenverkehr Gas gegeben und zur – wahrscheinlich – bald öffenden Kasse gehetzt. Damit hat man dann die an der „alten“ Kasse anstehenden ausgetrickst. Ha, wieder Zeit eingespart! (Eventuell sogar die drei Minuten, die einem die Bahn weggenommen hat.)

Das klingt unhöflich und egoistisch gegenüber den anderen? Ach iwooooo!!! Aber nun kommen wir zum eigentlichen Tatort. Haben wir es nun endlich an die Kasse geschafft und die eigenen Waren auf dem Transportband platziert, müssen wir wirklich noch mal in uns gehen. Wir dürfen auf GAR KEINEN FALL die Kontrolle verlieren. Und darum gibt es zum Glück Warentrenner.

SLEAZE + Warentrenner
Seien Sie vorbildlich! Sparen Sie Zeit und trennen Sie.

Hä, was? Warentrenner. Dinge, die Dinge von Dingen trennen. So sollen diese Teile heißen, mit denen man die eigenen Waren von den Waren anderer Käufer trennt. Tja, wieder was gelernt, ne?
Warentrenner sollte man nicht unterschätzen, denn Warentrenner sind wichtig. Sie entscheiden oft über Chaos und Ordnung, Anarchie oder Kontrolle, Fluss oder Stillstand. Darum ist es verständlich, dass die Käufer und Angestellten vor allem im Lebensmitteleinzelhandel (die Szene sagt dazu LEH) ihren Fokus komplett auf Warentrenner legen.

In einem Neuköllner Lidl arbeitet ein Mensch, der schon mal droht, einen nicht zu bedienen, wenn man keinen Warentrenner nutzt. Gut, der Herr wirkt so, als hätte er einige neurotische Störungen, daher sei ihm das verziehen. Aber auch viele andere scheinen eine besondere Beziehung zu Warentrennern zu haben.

So drängte sich letztens eine 150-Kilo-Frau an meinen Hinterkörper. Mich erfasste kurz Freude aufgrund dieses Körperkontaktes, bis ich merkte, dass er nicht mir galt, sondern dem Warentrenner, den sie leider mit ihren T-Rex-Armen noch nicht erreichte und darum diesen Bodycheck machen musste. Das Band war noch entspannte 200 Meter lang, der Trenner nur weniger Zentimeter entfernt, aber: Warentrenner first!

Das frischte mein Interesse auf, welches allerdings schon viel früher begann. Ich muss aber zugeben, dass ich kein großer Nutzer dieser Trenner bin. Sie sind oft unnötig, wirken irgendwie sehr nach Kontrollzwang und generell – wir haben schon zu viele trennende Sachen in unseren „zivilisierten“ Leben. 😉 Und für die Gesundheitsparanoitiker: Denk mal an die vielen Bakterien und Viren, die sich auf so einem Teil tummeln…

Die meisten ficht das nicht. Auch wenn ihre Produkte die einzigen auf dem Band sind: Warentrenner vorn und hinten sind Pflicht! Und wenn man diese obligatorische Regel bricht, gibt es mitunter empörtes Schnaufen vom Spießer hinter dir. Oder auch mahnende Worte von dem Menschen hinter der Kasse, der sich netterweise zur Pflicht macht, seine Kunden zu maßregeln und zu erziehen (auch wenn selbst ich nach dem zweiten Tag an einer Kasse in 99% weiß, welche Produkte zusammen gehören und welche nicht).

Warum machen die Leute das?

Nun kommt der Hobbypsychologe in mir mal wieder durch. Ich vermute zum einen, dass es so vorgeschrieben ist, also macht der Durchschnittslemming das halt so. Die Deutschen sind ja schon länger leicht obrigkeitshörig und Gruppendruck-sensitiv.

Dann denkt darüber natürlich keiner mehr nach. Hinterfragen, was man da eigentlich so den ganzen Tag macht, ist ja eh nicht so die Stärke in unserer Zivilisation. Funktionieren im Mainstream ist das Motto. Und gerade bei solchen Kleinigkeiten natürlich auch verständlich. Nur – warum empören sich dann diese Leute so, wenn man es nicht wie der Mainstream macht? Ist doch nur eine Kleinigkeit!

Wie du siehst, benötigt dieses Thema eindeutig mehr Forschung. Wir werden den Warentrenner also weiterhin im Auge behalten.

In diesem Sinne: Entspanntes Einkaufen!

danilo

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