Onkel Pablo lädt ein

Onkel Pablo lädt ein

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Ok, junger Mann verliebt sich in die Nichte eines einflussreichen Mannes. Hat man schon so oft gesehen und das Ende kann man sich schnell denken. Doch wer glaubt, dass dies ein romantischer und kuscheliger Liebesfilm wird, hat wohl noch nie von Pablo Escobar gehört. Dieser Mann galt seiner Zeit als der gefährlichste und zu gleich beliebteste Mann der Welt. Mord, Gewalt und Kokain pflastern seinen Weg. Nach einigen kleinen kriminellen Delikten, stieg Escobar in den 70er Jahren in das große Drogengeschäft Kolumbiens ein und mit ihm zog die Gewalt und das Geld ins Land. Neben seinen brutalen Terrorkampagnen setzte er sich aber auch für soziale Projekte ein. Selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, teilte er seinen Reichtum und wurde so von einer großen Mehrheit der Bevölkerung verehrt und gefeiert.

In „Pablo-Paradise LostSLEAZE-Film Escobar3“ zeigt der Regisseur Andrea di Stefano die Welt des superreichen und supergefährlichen kolumbianischen Drogenboss und seine Machenschaften. Eingehüllt in die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Kanadier Nick und Escobars Nichte Maria, vermischt der Film reale und fiktive Ereignisse.

Gemeinsam mit seinem Bruder macht sich Nick auf nach Kolumbien um dort eine Surfschule zu eröffnen. Ganz autark wohnen die Brüder gemeinsam mit Freuden im vermeintlichen Paradies. Dann lernt Nick die schöne Maria kennen, deren berühmter Onkel die beiden Turteltauben schnell unter seine Fittiche nimmt. Geblendet von Ruhm und Reichtum steckt Nickt irgendwann knietief in der Scheiße. Schnell muss er feststellen, dass Onkel Pablo keinen Unterschied zwischen Freunden und Feinden macht.

Der Film nimmt eine tragische Wendung und Pablo Escobar macht seinem Namen alle Ehre. So muss es ja dann auch kommen, denn die Mafia erzählte schon immer die besten Geschichten.

Mit Benicio del Toro hat der Film einen großartigen Schauspieler mit ins Boot geholt und kein anderer hätte die Rolle des Pablo Escobars so glaubwürdig und beängstigend gut gespielt. Benicio ist Pablo, und das mit jeder Faser seines Körpers. Er hat eine unglaubliche Präsenz, die auch in Abwesenheit von Benicio zu spüren ist. Der Film lebt von Benicios Darbietung.

Anstatt den Fokus ganz plump nur auf die Gewalt zu legen, schaut Andrea auch hinter die Fassade und sieht, wie und wer der Mensch Pablo Escobar war. Deshalb zeigt der Film sowohl den Mörder und Drogenboss Escobar, als auch den liebevollen Vater und Onkel. Denn trotz seiner monströsen Mordserie war Escobar auch in seiner Familie ein Held und Samariter. Eben noch plantscht er mit seinen Kindern im Pool und im nächsten Moment gibt er den Auftrag eine Familie samt Baby eiskalt auszurotten.SLEAZE-Film Escobar8

Und genau in der Darstellung dieses Wiederspruchs zeigt sich Benicios schauspielerisches Talent. Gekonnt schafft Benicio den Drahtseilakt zwischen Monster und kuscheligem Schmusebär. Doch hat nicht nur Escboar den schwarzen Peter gezogen, denn hier hat jede Figur irgendwo Dreck am Stecken. Auch der vermeintlich harmlose Sonnyboy Nick, gespielt von „Hunger Games“ Star Josh Hutscherson kann sich nicht lange hinter seiner „Hang-Loose-Attitude“ verstecken. Schnell wird klar, dass seine Naivität nur noch als Schutz dient, sich vor den wahren Machenschaften von Onkel Pablo zu verstecken. Und früher oder später hat auch seine weiße Weste Flecken.

Der Film ist spannend und aufwühlend und muss sich keineswegs hinter dem alten Paten verstecken. Andrea ist sein Regiedebüt mehr als gelungen und lässt die Legende des „El Patrón“ neu aufleben. Und wofür der Film sorgt, schaffen die einst von Pablo eingeflogenen Nilpferde in seiner kolumbianischen Heimat. Denn die Happy Hippos belagern jetzt dort die Flüsse und Seen und machen Kolumbien zum einzigen Land außerhalb Afrikas, das Nilpferde in freier Wildbahn beherbergt.

Mareike

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