Oliver Rath

Oliver Rath

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Das erste Mal begegnen mir Oliver Raths Fotografien in der Galerie des Nhow Hotels. Für die hat er eigens die Hotelleitung mit wirkungsvollen Porträts in Szene gesetzt.

Im Zuge der SLEAZE-Geburtstagparty musste nun alles raus aus besagter Galerie … damit unsere schweinischen Gäste nix kaputt machen. Also steh ich vor den großen bunten Bildern und überlege, meinem kleptomanischen Impuls nachzugeben und einfach eins einzustecken und mitzunehmen. Aber letzten Endes ist eh nicht genug Platz in meiner Handtasche und gleich in der ersten Arbeitswoche wegen Diebstahls gefeuert zu werden … neeee.

Stattdessen  habe ich seine neue Ausstellung in der Vicious Gallery zum Anlass genommen, um mir den „jungen Lässigen“ mal zur Brust zu nehmen und auszuquetschen.

SLEAZE: Du hast ja lange Zeit vor der Fotografie Musik gemacht …und das gar nicht mal erfolglos … mit vielen Drogen, Groupies und Nutten, wenn man dem Internet glauben darf. Graffitis hast du auch gesprüht … kreatives Wunderkind oder Rampensau?

Oliver Rath: Ich bin der Dorf-Nerd, die Großstadt-Schwuchtel, der immer Abhängige, der Traumtänzer, der Misstrauische, der Selbstverliebte, der schlechte Charmeur und der Frauenversteher.

SLEAZE: Machst du noch Musik? Und vermisst du dein Rockstar-Leben mit all den guten Aufputschmitteln und den wilden Orgien nicht ein winziges bisschen?

Oliver Rath: Meine E Gitarre hängt obligatorisch über meinem Bett. Ich kann 3 Akkorde. Mittlerweile beschäftige ich mich intensiv mit Bikram Yoga.

SLEAZE: Du stehst also auf schwitzen mit fremden Menschen und dicken Adern auf den Armen wie Madonna?

Oliver Rath: Madonna ist mir zu alt.

SLEAZE: Wie lebst du heute? Mit viel Obst, Wasser und ausreichend Schlaf? Oder wie darf ich mir dein Privatleben vorstellen?

Oliver Rath: Obst mag ich nicht so, ich will meinen Körper nicht komplett zerstören.

SLEAZE: Weise Entscheidung.

Oliver Rath: Ich habe Haarausfall, Neurodermitis und einen nervösen Magen. Aber sonst geht’s mir gut. Schlafen ist schön, aber ich lebe in der Stadt, die niemals schläft. Also habe ich mich den Lebensbedingungen hier in Berlin angepasst und schlafe nur noch ab und zu.

SLEAZE: Aufgewachsen in Freiburg, Wahlheimat Berlin. Was liebst und was hasst du an diesen zwei doch sehr unterschiedlichen Orten?

Oliver Rath: In Freiburg liebe ich die Landschaft, die gute Luft, das Wetter und s’Bächle. Das mit dem hassen hab ich noch nicht so drauf.

SLEAZE: Und an Berlin?

Oliver Rath: Weiß ich noch nicht.

SLEAZE: Für Groupies und Stalker: Wo trifft man dich in Berlin? Gibt es Orte, an denen man dir mit großer Wahrscheinlichkeit begegnet?

Oliver Rath:Amano Bar, nhow, Picknick, 1000, Horst, bei keinemusik und im Alexxa beim Shoppen.

SLEAZE: Residierst du im nhow Hotel im Udo-Lindenberg-Stil oder spielst du da bloß den Tresen-Blues?

Oliver Rath: Ich habe neben der Präsidenten-Suite eine Abstellkammer bekommen.

SLEAZE: Uns ist aufgefallen, dass du einen großen Teil der „Rockstar-Models“ abgelichtest hast. Welche Verbindung hast du zu Rockstar-Models?

Oliver Rath: Bei Rockstar Models gibt es immer Bier im Kühlschrank. Wenn ich eine Modelagentur hätte, würde ich meine Models nicht zu Oliver Rath schicken.

SLEAZE:Weil du ihr Selbstbewußtsein brichst oder allesamt flach legst?

Oliver Rath: Jegliche Antwort hier wäre verRath.

SLEAZE: Wie findest du sonst deine Modelle und was ist dir bei ihnen wichtig? (Und ich will nix über Persönlichkeit und Ausstrahlung hören …)

Oliver Rath: Neulich war ich im Berghain. Da saß so ein verdrogter, tätowierter und wie John Lennon aussehender Typ mit Nickelbrille.

Ich legte meine Hand auf seine Schulter und fragte, ob ich ihn irgendwann mal fotografieren darf.

Er stand auf und sagte: Keine Chance.

SLEAZE: Männer mit Tattoos finden wir sexy. Erzähl uns was Aufregendes über deine! Was hat es mit dem Grillclub auf sich? Und planst du, dich noch weiter tätowieren zu lassen?

Oliver Rath: Beim Grillclub trage ich drei Sterne auf meiner Schürze. 2007 bestand ich den Master Kurs bei Hans Joachim Fuchs. In meinem „Grillwahn“ lief ich eines Morgens bei meinem Tätowierer T.C. Ein. Mit der grandiosen Idee, mir „Grillclub“ auf meinen Unterarm stechen zu lassen. Hier in Berlin entscheidet jetzt Liz Vegas über meine freien Stellen.

SLEAZE: (hustet) Schon mal dran gedacht, dich von jemandem tätowieren zu lassen, der das schon machte, als es noch keine Tattoo-TV-Shows gab?

Oliver Rath: Als ich sie im Fernsehen sah, war mir gleich klar, die muss gut sein.

SLEAZE: Nun aber mal zu den wichtigen Fragen … Du hast nie eine fotografische Ausbildung genossen, ist das korrekt? Warum nicht? Und glaubst du, deine Arbeitsweise unterscheidet sich deshalb von anderen Fotografen?

Oliver Rath: Immer wenn meine Mutter auf meinen Blog geht, ermahnt sie mich, dass ich jetzt doch endlich mal eine fotografische Ausbildung machen soll.

SLEAZE: Wie süß … Wie beruhigst du sie dann?

Oliver Rath: Ich versprech ihr, mir in Zukunft mehr Mühe zu geben.

SLEAZE: Du erwähntest mal, bei dir müsse alles sofort passieren und dass du lieber in einem kleinen Team arbeitest? Bedienst du also das Klischee des cholerischen, ungeduldigen Fotografen, „der SO nicht arbeiten kann“?

Oliver Rath: Ja.

SLEAZE: Wie darf ich mir so einen Ausraster vorstellen?

Oliver Rath: Manchmal rutscht auch meine Hand aus.

SLEAZE: Du hast ja bereits für Kunden wie das Nhow Hotel, der Zeit und die ARD gearbeitet. Trotzdem lässt sich eigentlich immer deine persönliche Note erkennen. Wie weit lässt du dir bei solchen Projekten in deine eigenen Ideen reinreden?

Oliver Rath: Bisher hatte ich das Glück, dass von mir das verlangt wurde, was ich sowieso schon mache.

SLEAZE: Im April präsentiert die Vicious Gallery in Hamburg deine Arbeiten in einer Einzelausstellung. Wie kam es dazu, wer hat den Kontakt zu wem gesucht? Und warum ist für dich ausgerechnet die Vicious Gallery ein geeigneter Ort, um deine Fotos zu zeigen?

Oliver Rath: Ich habe mich wochenlang vorbereitet, weil ich wusste, dass ich mich mit den Bossen der Vicious Gallery treffe. Ich machte Sport, legte eine Drogenpause ein und ging ins Solarium. Die Aufnahmebedingungen in Hamburg waren hart.

SLEAZE: Dann stimmt das Gerücht, du hättest mit zehn anderen Fotografen in einem Blockhaus in der Pampa unter ständiger Kameraüberwachung um den begehrten Platz kämpfen müssen. Du bist siegreich hervorgegangen. Wie haben die Tierhoden geschmeckt? Und was hast du deinen anderen Mitstreitern noch zu sagen?

Oliver Rath: Ich bin mir sicher, dass zwei von denen ein reines Show-Verhältnis hatten.

SLEAZE: Was werden wir in Hamburg zu sehen bekommen?

Oliver Rath: Ich muss jetzt erstmal aussortieren.

SLEAZE: Was zu intellektuell für den durchschnittlichen Vicious Gallery-Besucher ist?

Oliver Rath: Genau.

SLEAZE: Dein Internetauftritt ist sehr präsent. Es vergeht fast kein Tag, an dem du kein Foto auf deiner Website veröffentlichst. Worin siehst du die Vorteile des „Web 2.0“? Und hast du keine Angst, dass du dich nicht rar genug machst, um Kultstatus zu erlangen?

Oliver Rath: Mein Blog ist für mich wie eine virtuelle Straße, ich bombe Bilder.

SLEAZE: Willst du mich nicht mal zu Hause besuchen und Bilder bomben?

Oliver Rath: Da bomb ich was anderes … Und rar mach ich mich dann mit 80.

SLEAZE: Da werden die meisten Fotografen ja erst richtig bekannt.

Oliver Rath: Schade eigentlich.

SLEAZE: Ich persönlich finde ja, deine Bilder haben eine offensichtlichen Liebe für das Detail und das perfekte Arrangement … Was inspiriert dich? Bei wem schaust du ab?

Oliver Rath: Wenn ich einen Rath zum Thema Inspiration suche, bediene ich mich an folgenden Künstlern:

Helmut Newton: Sein SUMO Buch steht neben meinem Bett.

Terry Richardson: Er zeigt der Fotografie den Mittelfinger.

Stefan Strumbel: Heimat, Workaholic und Business Genie.

iGNANT: Mein Lieblingsblog.

Banksy’s Exit Through The Gift Shop: Was für ein ehrlicher Film.

Henning Schulz: Seine Morgenlatte ekelt mich an.

SLEAZE: Wir sind ein Low-Bugdet-Magazin, das immer auf der Suche nach netten Fotografen ist, die mit uns Fotostrecken mache … hast du nächste Woche nicht Zeit und Lust?!?

Oliver Rath: Ich brauch Bier und Kippen, aber zack zack.

SLEAZE: Gebongt, ich bräuchte dich nächste Woche Freitag und Sonntag … bist du dabei?

Oliver Rath: Da bin ich schon auf einer anderen Beerdigung.

SLEAZE: Was ein Jammer … Trotzdem wünsche ich dir und deinen Bildern viel Spaß in der Vicious Gallery, ich hoffe es kommt jemand.

Anna Motz

 

http://www.oliver-rath.com/

09.April 2011 bis 07.05.2011 in der Vicious Gallery zu sehen

http://www.viciousgallery.com/

 

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