Ohne Moos nix los

Ohne Moos nix los

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Wer uns regelmäßig liest – und jeder täte gut daran, das zu tun – erinnert sich mit Sicherheit noch an die Teilnehmer der „Supporter of the Independent„-Aktion von Jack Daniel’s. Da diese immer noch läuft, kommen auch immer noch spannende Projekte und Menschen dazu. Mit Senor Schnu wollen wir euch heute einen Künstler vorstellen, der das größte Moosgraffiti der Welt gestaltete.

Wieso verwendest du ausgerechnet Moos?
Ich habe vor ein paar Jahren das erste Mal Moos verwendet, da ich gegen ein Bauvorhaben der Stadt Aachen war. Ich war für einen Park oder Ähnliches und habe zusammen mit Freunden den Schriftzug „Grünerleben bzw. Grün erleben“ an einen Holzbauzaun geklebt. Damals war es genau die richtige Materialwahl, da so die Aussage viel stärker rüberkam. Auch wenn die Stadt trotzdem die teure Idee umgesetzt hat, ein weiteres Einkaufszentrum dorthin zu bauen, habe ich viel Zuspruch für diese Aktion bekommen , ganz besonders wegen des interessanten Materials. Denn ein herkömmliches Grafitti kennt jeder, Kunst aus Moos jedoch nicht. So kam es dazu, dass ich ab und zu Bilder aus Moos gemacht habe. Erst habe ich das Thema Rudolph Mooshammer umgesetzt, dann Kate Moss, später habe ich dann meinen Character Senor Schnu verwendet. Da dies auf einer 5×3 Meter großen Fläche auf einer meiner Ausstellungen war, bekam ich noch größeren Zuspruch. Besonders gefallen hat mir, dass auch sehr viele ältere Besucher Interesse gezeigt haben. Menschen mit einer anderen Art von Graffiti zu begeistern hat mich dann dazu gebracht, in Zusammenarbeit mit Jack Daniel’s das größte Moosgraffiti der Welt zu machen.

Hattest du schon immer eine Vorliebe für ausgefallenes Material?SLEAZE.Grafittimalnaders.2
Früher habe ich herkömmliche Graffiti gemacht. Jedoch eher schlecht als recht. Da ich mehrmals das Pech hatte, bei der „Arbeit“ der Polizei zu begegnen, habe ich mir Arten überlegt, mich in den Straßen zu zeigen, ohne eine Straftat zu begehen. Ordnungswidrigkeiten sind schon besser zu handeln. Deshalb habe ich angefangen, Aufkleber zu machen. Anfangs wollte ich zwei verschiedene Materialien verwenden, da ich dieses bei Stickern noch nicht gesehen hatte. Ich machte Aufkleber, die aussahen wie ein Eis am Stiel mit fröhlichem Gesicht. Dazu habe ich so viele Eis gegessen wie es mir möglich war und klebte die Stiele an die Folie. Jedoch musste ich feststellen, dass das nicht allzu lange hält, da die Stiele nach einiger Zeit abfielen. Schließlich habe ich Holzfolie verwendet, was besser funktioniert hat. Ich mache alle Eissticker per Hand. Da wird nichts gedruckt oder geplottet. Seit 2-3 Jahren verwende ich auch immer häufiger Papier (Paste-ups).

Auf welchen Plattformen warst du bisher vertreten?
Erstmal wurde natürlich auf Facebook viel gepostet und verbreitet, was mich sehr freut. Außerdem war ich im Kölner Stadtanzeiger, den Aachener Nachrichten, bei Center TV und in der im Aachener Raum verbreiteten Klenkes NEO.
Ich find es auch cool, als Werbung bei Youtube zu sehen zu sein.
Ich hatte noch viel mehr Zeitungen und Zeitschriften angeschrieben, aber von den meisten gab es keine Antwort. Die Bildzeitung und der Kölner Express hatten mit mir schon Interviews gemacht, jedoch hat es die Story am Ende nicht in die Zeitung geschafft.
Und jetzt bin ich noch hier zu lesen. Je mehr, desto besser, also wenn das hier jemand liest und ein Interview machen möchte, dann meldet euch gerne bei mir.

Wie bist du zu Jack Daniel‘s gekommen?
Das war ein Mix aus Glück , Hartnäckigkeit und Großdenkerei. Ein Skatekollege postete auf Facebook die Kampagne eines Spirituosenherstellers, wo Leute gesucht werden, die interessante Dinge machen…Events planen, Street Art, Abenteurer, Handwerker etc. Diese Leute bekommen dann Geld, um ein Projekt zu verwirklichen, und würden dabei von einer Kamera begleitet werden. Die Protagonisten sollten auch schon einmal etwas ganz anderes gemacht haben, also möglichst Brüche in ihrer Biografie haben, sprich: Erst Psychologie studiert, aber jetzt doch lieber Tätowierer.
Da dies auf mich zutraf, dachte ich mir: Schlägst du mal einfach vor, das weltgrößte Moosgraffiti zu machen. Nicht kleckern, sondern klotzen oder auch Think Big! Ich hatte keine Ahnung, ob ich das gut realisieren könnte oder nicht – ich wusste nur, dass ich das auf jeden Fall machen will, da ich schon immer von einem solchen Großprojekt geträumt hatte
Zum Glück hat die Idee Anklang bei Jack Daniel’s gefunden, und daraufhin habe ich die Grafik entwickelt, die auf der Wand ist. Zuerst hatte ich zu dem Projekt meinen Street-Art-Kollegen und Freund Käpten Nobbi dazu geholt, da ich dachte, das es zu zweit bestimmt besser wäre und ihm die Referenz auch gut tun würde. Leider war er im Uni-Abgabe-Stress und konnte nicht mehr mitmachen. Das hat mich aber, wie man gesehen hat, nicht aufgehalten, dieses Projekt durchzuziehen, auch wenn ich nebenbei noch mein Fachabitur nachhol(t)e.

Was sind deine nächsten Projekte und Ideen?
Mein nächstes großes Projekt ist die Verwirklichung eines lang geträumten Traumes. Denn da ich schon knapp 16 Jahre Skateboard fahre und nebenbei immer kreativ unterwegs war, hatte ich schon immer gehofft in der Szene kreativ tätig zu sein. Diese Möglichkeit hat mir Donald Campbell, der Besitzer von Peek und Pavel Skateboards, nun gegeben. Zusammen mit meinem überaus motivierten Freund Conrad Weise (CNRD) werde ich in Zukunft Art Director bei Peek sein.
Zudem habe ich interessante Angebote von größeren und kleineren Unternehmen, die unter anderem mit Moos werben wollen.
Nebenbei bleibe ich der Street Art treu und mache hier und da Ausstellungen oder Ähnliches.
Mein Fachabitur läuft bis Mai auch noch nebenbei, doch ich habe mich schon für ein Kommunikationsdesign-Studium in Berlin, Düsseldorf und Aachen beworben.
Alles nach dem Motto: Wo ein Wille, da auch ein Weg. Und: Think Big.

Simon

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