Oh, William!

Oh, William!

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Alle Captains im Beammodus

Wer ist William Shatner? William hat im originalen Raumschiff Enterprise den originalen Captain Kirk gespielt. Er war zwar nie so beliebt bei den Fans wie der Nerd-Liebling Mr. Spock und hatte nie einen schrullig-originellen Charakter wie Chekov, Pille oder Scotty, aber er war einfach der Captain. Reicht ja auch. Nach der originalen Serie, die nur drei Staffeln lang lief von 1966 bis 69, folgten dann noch Kinofilme bis hin zu Star Trek Generations aus dem Jahr 1994. „Gerettet“ wurde Star Trek dann auch wesentlich durch Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert aus den frühen 90er Jahren. Die neue Serie machte auch die alte wieder populärer – obwohl sie das auch von selbst noch war. Es gab einen „Vereinigungsfilm“ mit beiden Besatzungen zusammen. Mittlerweile ist Star Trek eine moderne Franchise, der dritte Reboot-Kinofilm kommt diese Woche ins Kino und an Popularität wird sie vielleicht von Harry Potter und der anderen Weltraum-Saga mit „Star“ im Titel übertroffen, aber nicht von vielen anderen Franchises!

Und was hat William noch gemacht? Boston Legal, das ich nie gesehen habe. Ich vermute aber stark, dass das leicht überdurchschnittliche Fernseh-Standardware ist. Also mit anderen Worten: nicht gut. Trotzdem ist William ein gemachter Mann. Ich meine, der Typ ist Captain Kirk und wird es immer bleiben. (Sorry, Chris Pine!) Damit steht er zwar nicht auf einer Stufe mit Leuten wie Elvis, aber doch irgendwo auf der selben Treppe. Der Mann hat die Welt mitgeprägt, in der wir leben. Unser wunderbares Alles-geht-Jetzt.

Achso, und was hat William noch gemacht?

Leider auch The Captains, einen Dokumentar- und Interview-Film, der erforschen möchte, was die Schauspieler, die die Captains des Raumschiffs Enterprise gespielt haben, zu Captains, zu „Captain-Material“ gemacht hat. Ich gebe in Rezensionen wirklich gerne allem eine Chance. Aber hier hört‘s irgendwie doch auf. Dieser „Film“ ist nämlich eher ein Hobby- oder Rentner-Projekt eines leicht schrulligen und etwas durchgeknallten älteren Mannes. (Hoffentlich wird SLEAZE jetzt nicht verklagt, ich mag dich trotzdem, Captain Kirk!) Kleine Beispiele gefällig, um meine Meinung zu untermauern? Ganz am Anfang des Films redet William mit dem Chef von Bombardier, einem großen Luftfahrtunternehmen. Der erklärt William, dass er nur wegen seinem Captain Kirk in das Luftfahrt-Business eingestiegen wäre. Später im Film hat William dann eine Schirmmütze von dieser Firma auf. So was nennt sich Sponsoring und kommt auf die Art mal wirklich billig.

Was, noch nicht überzeugt? Es wird noch besser: William erzählt auch, dass er früher, vor Raumschiff Enterprise, am Broadway Theater gespielt hat. Eines Tages entdeckte er, dass er aus seiner Umkleide runterschmulen konnte in die Umkleide einiger Tänzerinnen, die nebenan ein Musical aufführten. Dann erklärt er: „Ich habe danach viel Zeit in meiner Umkleide verbracht…“ Und dann lächelt er vielsagend in die Kamera. Ja, alles klar, Mann: Du hast gespannt: Nennen wir das Kind doch mal beim Namen! Als ob das noch nicht reichen würde, lässt dann Kate Mulgrew, die einzige Frau, die je einen Enterprise-Captain gespielt hat, durchblicken, dass William in seiner langen Hollywood- und TV-Karriere nie etwas hat anbrennen lassen und ein richtiger Schwerenöter war (lässt sich im Bonusmaterial finden). Da ich immer noch nicht verklagt werden möchte, überlasse ich es dir, dir das bildlich und inhaltlich auszumalen. Ich sag nur junge Starlets und andere leicht zu beeindruckende jüngere Frauen! Aber hey: Ich bin mir absolut sicher, dass immer alles komplett einvernehmlich war (das ist ausnahmsweise mal völlig ernst gemeint!). Es gibt noch etliche Beispiele mehr in dem Film: William ruft einer halbnackten Cosplayerinnen-Amazone auf einer Convention hinterher? Klar doch! Auf Conventions lachen sie eh über jeden seiner Witze und finden alles ganz toll, was er macht. Vielleicht auch verständlich, dass man auf die Art über Jahrzehnte langsam, aber schleichend den Kontakt zur Realität verliert (ohoh, die Klage wird kommen).

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William beim Freestylen mit Avery Brooks

Und der Film selber? Der soll ein Interview-Film sein, aber die Interviews sind einfach nur schlecht. Die haben keine Struktur, keine Spannung, wirken überhaupt nicht editiert, ja eher so, als hätte William bessere Teile aus dem Film rausgenommen. Seine „Fragen“ sind auch ein Graus und manchmal hält er einfach minutenlange Monologe und seine bedauernswerten Interviewpartner müssen einfach nur zuhören. Der Film soll eigentlich auch alle Schauspieler beleuchten, die mal die Captains in den diversern Enterprise-Formen gespielt haben. Aber, große Überraschung, am Ende geht‘s meistens um William Shatner. Klar, er hat den Film ja auch gemacht.

Ich versuche wirklich immer wohlmeinend zu sein. Von daher: Wenn man wohlmeinend wäre, könnte man sagen, der Film ist ein einziger Freestyle. Herumwabernde Interviews, keine Struktur, die Ausgangsfrage wird nie beantwortet – ein wenig wie ein (schlechtes) Jazz-Konzert, alles dudelt so vor sich hin. Eine einzige Selbstbeweihräucherung, ein Film von William Shatner über William Shatner. Am Ende des Films wird übrigens noch minutenlang über den Tod geredet. Aber jetzt genug wohlgemeint. Ich fragte mich beim Schauen wirklich, warum William denn keine Hilfe angenommen hat? Das hätte ein interessanter Film werden können, wenn er sich ein paar fähige Leute gesucht hätte, die im Hintergrund arbeiten. Er hätte ja trotzdem noch den Ruhm einstreichen können!

Hat der Streifen irgendeinen interessanten Mehrwert, außer, dass er uns demonstriert hat, dass William Shatner ein ziemlich schrulliger Typ ist und das Hollywoodstar-System womöglich einzelnen Stars zu große Möglichkeiten einräumt? Schwer zu finden! Bei mir ist vor allem hängengeblieben, dass William damals, bevor Star Trek los ging, ziemlich sexy war. Er erzählt z.B., wie er in einer Art Softporno-Broadway-Theaterstück mitspielte, das in der damaligen prüden Zeit ziemlich gut lief. Das ist also sein Verdienst an Star Trek: Er machte die Serie möglich durch seinen Sex Appeal. Außerdem bleibt von dem Film noch zurück, dass Patrick Stewart, der auch interviewt wird, eine ziemlich coole Sau ist. Er ist ja auch der einzige, der nach einer Enterprise-Serie noch wirklich Karriere gemacht hat (X-Men, Blunt Talk).

Timothy Leary, der durchgeknallte Psychiater der 60er Jahre, hob ungefähr zur gleichen Zeit wie die originale Enterprise ab und prägte die damalige „Space Age“-Zeit mit. Und Timothy sagte mal, dass das „Endziel“ unserer menschlichen Spezies wäre, das Weltall zu besiedeln – die letzte Entwicklungsstufe der Menschheit. Ich weiß nicht, ob Timothy hiermit nicht eher LSD und seinen letzten Trip gemeint hat. Wie dem auch sei, das alles sollte man wirklich nicht so ernst nehmen. The Captains ist Super-Trash. Schau’s dir an, aber du wurdest gewarnt!

Robert

Titel: The Captains
Regie: William Shatner
Laufzeit: 97 Min.
VÖ: 18.7.2016 (DVD, Blu-Ray)
Verleih: KSM

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