O.C. California in Dänemark

O.C. California in Dänemark

TEILEN

Ach so, und mit Zombies, das habe ich im Titel vergessen zu erwähnen. So ist nämlich der neue Horrorfilm What We Become des dänischen Regisseurs Bo Mikkelsen. Das Werk lief bereits auf den Fantasy Filmfest Nights 2016. Wenn etwas auf den FFF Nights läuft, ist das eigentlich eine ähnliche Garantie für Schräges, als wenn es in SLEAZE erscheint. Eigentlich…

sleaze-what-we-become1
O.C. Zombie: Gustav und Sonja

In What We Become, im Original Sorgenfri, bricht das Grauen in einen kleinen Vorort aus: Ein Virus geht um. Natürlich ist es ein Zombie-Virus, aber das weiß noch niemand. Erstmal sieht man, wie ein gut organisierter Staat wie der dänische auf so einen Vorfall reagiert: Eindämmen! Die Menschen werden gezwungen, in ihren Häusern zu bleiben. Sie kriegen Essen und Trinken von Soldaten mit Gasmasken geliefert, die auch schon mal jemanden abknallen, wenn der aus dem Vorort flüchten will. Schlecht für die Bewohner, gut für den Rest von Dänemark! Eine Mauer wird außerdem noch um Sorgenfri gebaut (der Name des Vororts). So ganz bricht innerhalb von What We Become also nie das völlige Grauen aus im Sinne von „das Leben, wie wir es kennen, gibt es nicht mehr“. Das kommt eventuell nach der Handlung des Films. Wir haben es hier also eher mit Fear the Walking Dead zu tun als mit The Walking Dead!

Regisseur Bo erklärt dann auch im Pressetext, dass er die Apokalypse am Ende so lange wie möglich aufhalten wollte, um sich erstmal auf den Einbruch des Grauens in die Normalität zu konzentrieren. Das heißt in diesem Fall: Das Grauen bricht in eine typische dänische Familie ein. Die besteht aus Papa, Mama und kleiner Tochter, außerdem noch aus dem coolen, schon fast erwachsenen Gustav. Der bandelt im Verlauf der Handlung mit der Nachbarstochter an. Ähm, außerdem hat der Vater ein paar Mann-Probleme, ist vielleicht zu weich. Ja, und das war‘s auch schon. Irgendwie soll man sich das wohl anschauen und spannend finden.

sleaze-what-we-become2
Oma will dich essen!

Die Familiengeschichte erinnert eben an O.C. California oder ähnlichen Fernsehtrash. Und die von Bo (zur Rettung seines Werks?) in den Pressetext gestellte Formulierung, er wolle das Spannende so lange wie möglich zurückhalten, funktioniert überhaupt nicht. Normalerweise besteht ein solcher Spielfilm aus: dem Anfang, an dem noch alles normal ist, doch voller Andeutungen und Zeichen. Dann kommt der mittlere Teil, in dem das Grauen losgeht, gefolgt von der Apokalypse. Bo hat‘s jetzt geschafft, den Anfang 2/3 des Films einnehmen zu lassen. Das resultiert in einem unglaublich langweiligen mittleren Teil – welch Überraschung! Es ist gar nichts dagegen einzuwenden, „mit der Formel zu brechen“, aber dann bitte als Verbesserung der Formel, nicht als Verschlechterung. Auf die Art von Bo Mikkelsen funzt das nicht.

So richtig geht der Film eben erst nach einer Stunde los (und endet dann ganz schnell). sleaze-what-we-become3Bis dahin hat man mal ein paar Zombies im Halbdunkel in der Distanz rumstolpern gesehen, kriegt eine Leiche zu Gesicht, der ein Bein fehlt (krass!), und hat ein paar Gedärme auf einer Windschutzscheibe gesehen. Vielleicht bin ich auch schon völlig abgestumpft, doch das ist mir zu wenig. Es darf mehr Splatter sein!

Robert

Titel: What We Become
Regie: Bo Mikkelsen
Laufzeit: 77 Min.
VÖ: 18.11.2016 (Blu-ray, DVD)
Verleih: Capelight Pictures

 

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen