No One Ever Really Dies

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Was für weite Kreise eine Krebsdiagnose ziehen kann, hat sich spätestens seit „Breaking Bad“ rumgesprochen. Doch natürlich wird nicht jeder Krebspatient danach zum Meth Cook. Außer dem gleichen Krankheitsbild haben Walter White und der 16jährige Mike Tyson auch nicht wirklich viel gemeinsam. Während Walter nach der erschütternden Diagnose den Entschluss fasst ins Drogengeschäft einzusteigen, erfüllt der Tumor Mike einen langersehnten Wunsch. Beide Reaktionen erscheinen bei gesundem Menschenverstand zunächst völlig wirr und extrem. Doch ähnlich wie Walter hat auch Mike seine Gründe für diesen ungewöhnlichen Umgang mit der Krankheit. Er lebt allein mit seiner Mutter in einem kleinen Kaff in Kanada. Seinen deutschen Vater hat er nie kennengelernt und in der Schule ist er dank seines Nachnamens tagtäglich Spott und Häme ausgesetzt. Mike heißt nämlich nicht einfach Müller oder Schneider, sondern Tyson mit Nachnahmen. Und als Mike Tyson führt man eben nicht die Beliebtheitsskala der Schule an. Wie jeder weiß: Kinder können ja so grausam sein. Von den ständigen Hänseleien und den ständigen Auseinandersetzungen mit seiner Mutter hat Mike dann einfach genug. Also beschließt er, sich umzubringen und wählt dafür die Kopfschussmethode. Die geht aber wortwörtlich daneben und so kommt ihm der Gehirntumor ganz gelegen.

SLEAZE.CoconutHero.3Der Tod ist kein Thema, das bei Familienfeiern oder in Gesprächsrunden allgemein gerne zur Sprache kommt. Da Menschen über einen angeborenen Lebenserhaltungsdrang verfügen, scheint Mikes Freude über den Tumor doch sehr ungewöhnlich. Während für manch einen die Krebsdiagnose das Ende bedeutet, macht sich bei Mike ein großes Lächeln breit. Das kann durchaus zu Verwunderung führen und dementsprechend kann „Coconut Hero“ zunächst etwas absurd wirken. Denn der Film spielt mit dem Thema Tod wie mit einem Flummi, der fröhlich und munter durch die Handlung hüpft. So baut Mike seinen Sarg mit einer Gelassenheit und Sorgfalt, die dessen Sinn und Zweck völlig vergessen lässt.

Natürlich beginnt Mike irgendwann doch an seinem Todeswunsch zu zweifeln und da schafft der Film eine Wendung, die alle lebensbejahenden Menschen erleichtert aufatmen lässt. So ganz ohne Liebe und den altbekannten Vater-Sohn-Konflikt kommt der Film dann doch nicht aus. Trotzdem verfällt er nicht in typische Erzählstrukturen, die wir schon in so manchen Filmen gesehen haben. Der plötzliche Sinneswandel von Mike vollzieht sich eben nicht ganz so einfach und auch die Liebe zeigt sich auf ungewöhnliche Weise. Selbst die aufkeimende Beziehung zum Vater endet nicht in einem sentimentalen Feuerwerk. Dank überraschenden Ereignissen stapft „Coconut Hero“ nicht in die Fußstapfen der klassischen Anti-Heldenerzählung. Es bleibt also spannend für den Zuschauer.

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Filme wie „Halt auf freier Strecke“ von Andreas Dresen oder Michael Hanekes „Liebe“ verarbeiten das Thema Tod mit viel Melancholie und Trauer. Im Gegensatz dazu nähert sich der Regisseur Florian Cossen dem vermeintlichen Tabuthema ohne Scheu und mit viel Zynismus. Dadurch nimmt er dem Sterben die Schwere und das Düstere. Florian entfernt sich von der stereotypischen Darstellung von Tod, ohne dabei in die Verherrlichung abzurutschen. Der Film ist also weder Werbung für Suizid noch kommen Waffennarren auf ihre Kosten.

Mit Sebastian Schipper in der Rolle des Vaters werden auf jeden Fall die deutschen Zuschauer mit einem vertrauten Gesicht konfrontiert. Die Rolle ist jedoch recht unspektakulär und löst keine Berg- und Talfahrt an Emotionen aus, wie sie ihm als Regisseur bei seinem Film „Victoria“ gelungen ist.

Wer also Lust hat, den Tod mit anderen Augen zu sehen, kann sich „Coconut Hero“ ab 13. August in den deutschen Kinos ansehen.

Mareike

Titel: „Coconut Hero“
Regie: Florian Cossen
VÖ: 13.08. 2015
Dauer:  97 Minuten
Verleih: Majestic Filmverleih

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