Nihilistische Hochspannung in Rom: Suburra

Nihilistische Hochspannung in Rom: Suburra

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Ein Next-Generation-Mafia-Film gefällig? Eine Mischung aus The Sopranos und The Wire, aber im Original-Mafia-Land Italien spielend? Dir kann geholfen werden! Denn hier kommt Suburra, eine Netflix-Koproduktion, die lose Gomorrha, den modernen Mafiafilm-Klassiker von 2008, fortsetzt und diese Woche im Kino startet.

Wenn ich sage, lose fortsetzen, heißt das nicht, dass Suburra der zweite Teil von Gomorrha ist. Und doch besteht ein Zusammenhang: Aus dem Kinofilm Gomorrha wurde Gomorrha, die Serie. Bei der führte Stefano Sollima Regie, der nun auch für Suburra verantwortlich ist. Capiche? 🙂 Und die Serie sowie die beiden Filme haben gemeinsam: Auf äußerst realistische Weise werden die mafiösen Strukturen in Italien beleuchtet, die die gesamte Gesellschaft durchziehen. In Suburra gibt es beispielsweise Malgradi (Pierfrancesco Favino). Er ist Politiker mit gewissen privaten Vorlieben, trifft sich abends immer mit der Prostituierten Sabrina (Giulia Gorietti). Aber nicht nur mit ihr: Jede Nacht muss die schöne Sabrina ihm noch eine zweite, jeweils neue Gespielin besorgen. Dann folgt: Ein Dreier in einem Hotelzimmer und schön basen. Doch irgendwann geht mal etwas schief und so wird der arme Malgradi erpressbar. Korrupt ist er sowieso, doch je abhängiger oder hilfloser Leute werden, desto mehr presst die Mafia aus ihnen heraus!

Der schmierige Politiker Malgradi, Vertreter des Volkes.

Daraus entsteht ein sehr spannender Krimi bzw. Thriller, wie eigentlich in jedem guten Mafiafilm. Es gibt, neben Politiker Malgradi, noch ein paar andere Charaktere, die in die Fänge verschiedener Mafiosi geraten. Natürlich kommt auch eine Pate-mäßige Figur vor, die ist jedoch ganz anders, als die Zuschauer vielleicht erwarten würden. Eher so der Typ CEO denn heißblütiger Mafiosi: Ruhe ist gut für’s Geschäft, Gewalt nur, wenn absolut notwendig – fast ein langweiliger Pate. Sehr viel heißblütiger dagegen ist der junge „Nummer 8“ (Ja, so heißt der wirklich!), gespielt von Alessandro Borghi. Mit einer Junkie-Freundin, für die er sogar, untypisch in der Welt von Suburra, echte Gefühle hat. Und sonst ist dieser junge Pate mit der Nummer, wenn er nicht in seiner coolen Villa am Meer abhängt oder in seinem coolen Club, immer kurz davor zu explodieren. Nicht ungefährlich, jedoch auch praktisch, wenn man beruflich im Einschüchterungsbusiness zu tun hat.

Mit der schon erwähnten klassischen HBO-Serie The Wire hat Suburra das Netzwerk-artige gemeinsam: Von oben nach unten und von rechts nach links wird die italienische Gesellschaft nach Kriminalität und mafiösen Strukturen durchleuchtet. Ergebnis: Alles ist kriminell, nicht nur die Welt der Strip Clubs und Spielotheken, auch im Parlament und sogar im Vatikan sitzen die Kontaktmänner der Cosa Nostra. Diese verflochtenen und verzweigten Geschichten sind aber äußerst reizvoll, denn dadurch präsentiert Suburra eine große Bandbreite an Charakteren – eben alle, die irgendwie mit der Mafia zu tun haben.

Next-Generation-Pate „Nummer 8“: Tony Montana lässt grüßen

Besonders wichtig ist hier allerdings dann der Politiker Malgradi. Denn darum geht’s der Mafia vor allem: Kleinkriminalität haben sie eh drauf: Korruption, Einschüchterung, Erpressung. Das große Spiel aber ist die Politik, an die ganz wichtigen Leute ranzukommen. Ziel ist hier, Gesetzgebung und die Verteilung von öffentlichen Geldern zu beeinflussen. So lässt sich Zukunft „gestalten“.

Doch trockene politische Theorie ist Suburra nicht, sondern oft auch einfach ganz klassischer Mafiafilm: viele Drogen, viel Gewalt. Sehr zentral sind auch einige super gemachte Actionszenen: Schießereien, Prügeleien, Auftragsmorde. Die ähneln auch immer wieder auf angenehme Art aktuellen guten Serien: Sie sind hochspannend und sehr realistisch in Szene gesetzt, beispielsweise eine lange Schießerei in einem Einkaufszentrum. Und, z.B. wie bei Game of Thrones, entwickeln sich die Actionszenen stets äußerst unvorhersehbar: Noch denkst du, gleich ist der Eine sicher tot, doch plötzlich wendet sich das Blatt! So macht das Spaß und das kriegt Suburra exzellent hin.

Ganz besonders konnte mich auch die Filmmusik von M83 begeistern, dem französischen Ambient-Elektronik-Produzenten. Dieser schwebende Sound lässt jede Szene augenblicklich verträumt und entrückt erscheinen und kommt richtig gut in den verdrogtesten Sequenzen. Du merkst schon: Diesem Zuschauer gefiel Suburra und daher ist der Film auch ein ganz klarer Tipp!

Robert

Titel: Suburra
Regie: Stefano Sollima
Laufzeit: 135 Min.
VÖ: 26.1.2017 (dt. Kinostart)
Verleih: Koch Films

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