Nazi-Geschichtsunterricht dank Kiffercomic

Nazi-Geschichtsunterricht dank Kiffercomic

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SLEAZE.jahdolf-autorenDas Buch ist schon eine Weile draußen, aber für alle, denen es entgangen ist – hier noch mal als Empfehlung:
Als bekannt wurde, dass der weltweite „Marihuana-Tag“ in diesem Frühjahr auf den 20. April und somit auf Hitlers Geburtstag fiel, war klar, dass es nicht lange gehen würde, bis jemand diese zwei an sich grundverschiedenen Themen unter einen Hut bringen würde. Manuel Grebing und Stephan Scheler warteten nur auf diesen kalendarischen Zufall, um ihren neuen Comic zu veröffentlichen, welcher genau dies tut.

Nach ihren irrwitzigen Bestsellern „Cumshots – Höhepunkte der deutschen Pornofilme“ und ihrem Folgebuch „Lolst du noch oder roflst du schon?“, welches sich mit dem Niedergang der deutschen Rechtschreibung befasste, wagen sich das Autorenduo nun an die Mutter aller sensiblem Themen. Aber ja, was heisst sensibel, Hitler wäre heuer 125 Jahre alt geworden und wir reden immer noch darüber.

Sieht man sich den Comic an, fällt direkt die altbekannte, rotweiße Armbinde auf, die es umspannt. Nur anstatt des Hakenkreuzes ist hier ein Hanfblatt abgebildet. Der Comic ist voll solcher sarkastischer Provokationen und verbindet die Fakten der NS-Zeit mit der Fiktion des Comics, der von Nikolai Becker gezeichnet wurde.

„Jahdolf und das Grosskaribische Reich“ ist die Story eines typischen Jamaikaners namens Jamie, welcher sich mit dem Verkauf von Postkarten an Touristen und Weed an seine Freunde durchs Leben schlägt. Zu dieser Zeit war der zweite Weltkrieg gerade zu Ende und die letzten Schurken kamen aus Europa über den Atlantik und mussten ihre gesamte braune Fracht im Meer entladen. Diese Fracht, die mit der Nazi-Ideologie verseucht war, schwappte durch die Gezeiten allmählich bis hin zu Jamaika und alles was damit in Kontakt kam, veränderte sich schlagartig.

SLEAZE.jahdolf-nazi-tribeSo auch Jamie’s Hanfpflanzen. Nachdem er sich wie jeden Morgen genüsslich seinen Joint ansteckte, merkte er schon, dass etwas anders war. Als aber irgendein dicker Snob am selben Tag auch noch sein Land und Häuschen wegnehmen wollte und sich Jamie nur durch einen Monsterjoint wieder zu beruhigen traute, nahmen die Dinge ihren Lauf. Nach einer Nacht voller qualvollen Visionen aus der NS-Zeit,die vom Flash des verseuchten Dopes herrührten, war aus Jamie Jahdolf geworden. Am nächsten Morgen verbrannte er seinen Postkartenstand und nahm seine zwei Gehilfen (Herman the German und Albert Spear) und mobilisierte mit ihnen in jedem anliegenden Kaff mehr und mehr Leute und machte sie mit seinen Hakenkreuz-Joints gefügig. Als er auch die Gangs von Kingston unter Kontrolle hatte, weitete sich alles zu einem handfesten Krieg in der ganzen Karibik aus. Die Weisen der Rastafari-Religionen gründeten den Widerstand „Schwarze Rose“ und schafften es schlussendlich, so viel von dem verseuchten Gras zu verbrennen, dass niemand mehr – aufgrund ihrer Nüchternheit – Lust hatte, Jahdolf zu folgen. Aus „Mein Hanf“ wurde kein Hanf, aus der „totalen Dröhnung“ wurde die totale Vernichtung. Nach und nach legte sich der Flash des Teufelsgras‘ und alle, die noch auf Jahdolfs Seite waren, wurden konsequent ausgemerzt. Kingston und die ganze Region lagen schließlich in Trümmern, waren aber wieder zurückerobert.

Im Comic mussten gezwungenermaßen sehr viele Parallelen zu wahren Geschichte gezogen werden. Zusätzlich flossen viele wissenswerte Details und Hintergründe zur Kultur und der Geschichte der Rastas ein. Ebenso sind immer wieder sehr amüsante Wortspiele wie „Sieg High“ oder „Propaganja“ zu lesen.

Bei manchen Passagen bewegen sich die Autoren auf dünnem Eis und manchem Leser könnte dabei vielleicht das Lachen im Halse stecken bleiben. So wenn zum Beispiel die Geschwister Shell den Widerstand der „Schwarzen Rose“ anführen. Diese haben in der wahren Geschichte ihr Leben dafür gelassen. Ebenso kann es vorkommen, dass man sich über seine Lacher an manchen Stellen schämt. Dem Autorenteam ist dies bewusst und verweist darauf, dass man nur mit einem breiten Hintergrundwissen den Comic im Ganzen verstehen kann. Dieses Spielen mit Tabuthemen fasziniert die zwei und amüsiert uns umso mehr!

Jonathan

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