Naughty Dog Part I: Die Kehrseite der Medaille

Naughty Dog Part I: Die Kehrseite der Medaille

Der folgende Text ist komplett spoilerfrei.

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„Wenn es im ersten Spiel wirklich um die Liebe zwischen diesen beiden Figuren ging, ist diese Geschichte der Gegenpol dazu. In dieser Geschichte geht es um Hass.“

Mit diesen Worten hat Creative Director Neil Druckmann noch vor vier Jahren die Handlung von The Last of Us Part II beschrieben. Heute klingen diese Worte jedoch wie ein Spiegelbild der Realität. Denn die Liebesflamme zwischen Naughty Dog und seinen Fans erlischt. Von wütenden Mitarbeitern und miesen Arbeitsbedingungen bis hin zu enttäuschten Spielern und fiesen Spoilern. Eine Geschichte, wie aus Liebe Hass wurde.

SLEAZE + Naughty Dog

Vorab sei erwähnt: Ich bin ein großer Fan der Spiele aus dem Hause Naughty Dog. Mit jungen Jahren habe ich die Crash-Spiele bis zum Erbrechen weggedaddelt. Und diese Spiele waren verdammt schonungslos zu einem Grundschuljungen.

Ich bin mit den Spielen des Studios groß geworden und wie ich wurden auch die Spiele selbst erwachsener. In der Uncharted-Reihe bekam man wie in den Jak und Daxter-Spielen Waffen in die Hand gedrückt, doch diesmal hat man auf Menschen geschossen. Das Abenteuer war aber so geschickt mit sympathischen Figuren und gutem Humor verpackt, dass die Leichenhügel, die man hinterließ, schnell in Vergessenheit gerieten und man eigentlich nur Augen für das Action-Epos und die witzigen Sprüche hatte.

Alles also seichte Themen. Und dann kam die brutale Botschaft, auf die niemand so richtig gefasst war: The Last of Us und seine bitterböse Welt voller Verzweiflung bot eine emotional mitreißende Handlung, die sich heute noch in Top-10-Listen wiederfindet. Ich habe die ersten Minuten dieses Spiels heute noch exakt vor Augen, denn sie rührten mich zu Tränen. Mich, einen männlichen Mann. Naughty Dog hat sich über die Jahre kontinuierlich verbessert und lieferte eine spannende Story nach der nächsten. Doch nichts hält ewig.

SLEAZE + Naughty Dog

Crunch-Culture: Wo alles begann …

The Last of Us 2 wird im Netz zerrissen, ohne die Möglichkeit zu bekommen, sich zunächst zu beweisen. An dieser Stelle sei erneut erwähnt: Der Text ist komplett spoilerfrei und ich kenne das geleakte Material nicht, nur die negative Resonanz. Und Junge, Junge, Fans sind sichtlich stinksauer.

Die Baustelle The Last of Us 2 hatte bereits vor Monaten ein großes Problem: Wie Jason Schreier – vermeintlich allwissender Gaming-Gott – bereits für das Spiele-Magazin Kotaku berichtet hat, plagen die Mitarbeiter von Naughty Dog extreme Crunch-Zeiten, also übermäßige Überstunden. Das ist in der Gaming-Branche nichts Neues, aber auch nicht etwas, wo man so einfach weggucken sollte. Vor allem im Fall Naughty Dog: Wir sprechen von Arbeitszeiten, die sich von morgens Früh bis Mitternacht und darüber hinaus strecken. Hierbei muss aber auch erwähnt werden, dass niemand wirklich gezwungen wird, solange zu arbeiten. Es existiert kein Überstunden-Zwang und sie werden auch bezahlt.

Trotzdem herrscht eine Stimmung im Team, sodass niemand derjenige sein möchte, der punktgenau seinen Arbeitsplatz verlässt. Vor allem da alle voneinander abhängig sind. Und hängt ein Mitarbeiter zurück, müssen die anderen warten und andersherum.

SLEAZE + Naughty Dog

Um jeden Preis!

Diese vorherrschende Mentalität bei Naughty Dog ist, wie ein Mitarbeiter erklärt: „Erledige den Job, koste es, was es wolle!“ Die kaum vorhandenen Hierarchien und das Fehlen einer Ordnung, eines Produzenten, einer Person, die klipp und klar sagt, was zu tun ist und alles koordiniert, führte bereits nach Uncharted 4 dazu, dass ganze 70% des Design-Teams den unartigen Hund verließen.

Naughty Dog musste sogar letzten Endes Animation Artists aus der Filmwelt anheuern. Wer weiß? Vielleicht sehen wir in The Last of Us 2 die Minions vorbeilaufen, während wir Infizierten die Rübe einschlagen … ‘Tschuldigung, das waren wohl unterdrückte Fantasien von mir.

Doch zu welchem Preis nun das alles? Am Ende wartet ein überragendes Produkt an der Ladentheke auf uns, aber die Menschen dahinter fallen in einen tiefen Abgrund. Keine leichte Erschöpfung, wie wenn du oder ich am Vorabend unseren Ein-Monats-Sport gemacht haben. Nein, sondern Burnout und ähnlich schlimme Folgen.

Wenn Scheitern der einzige Ausweg ist

Über die Jahre hat sich leider die Situation scheinbar kein bisschen gewandelt. Ein ehemaliger Mitarbeiter hat über Twitter ebenfalls über die Crunch-Zeiten und weitere Missstände im Studio aufgeklärt und hinzugefügt, dass das es sogar noch üblere Geschichten gibt.

Andere Ex- und aktive Mitarbeiter wünschen sich, dass The Last of Us 2 scheitert, damit sich etwas an den dubiosen Praktiken des Studios ändere. Ich denke, dass das wiederum nicht fair gegenüber allen Personen wäre, die so hart geschuftet haben für dieses Produkt. Aber es gibt keine Zweifel, dass das Studio eine Generalüberholung bräuchte.

Okay, wir wissen jetzt, dass nicht wenige Mitarbeiter ein Problem mit der Arbeitspolitik bei Naughty Dog haben. Aber wie kam es nun zu den massiven Spoilern? Diese Geschichte erfährst du im zweiten Teil meines ewig langen Monologs.

San L

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