Nachwuchstalent aus dem Land von Feuer und Eis

Nachwuchstalent aus dem Land von Feuer und Eis

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Mani Orrason_07_web Mit schüchternem Blick kommt uns ein schlaksiger Junge in der Berliner Griessmühle entgegen. In der rechten Hand hält er seinen Gitarrenkoffer und stellt ihn vorsichtig neben sich ab, bevor er sich zu uns aufs Sofa setzt. Mani Orrason ist zwar erst siebzehn Jahre alt, aber darf als aufstrebender Singer / Songwriter bereits als kleiner Geheimtipp gelten. Mit seiner ersten Single landete er in seiner Heimat Island direkt auf Platz 1 und am 11. September erschien sein Track „Fed All My Days“ auch bei uns in Deutschland. In der letzten Woche durfte er im Rahmen der Konzertreihe von ACROSS BERLIN schon sein Können unter Beweis stellen. Wir haben ihn für dich für ein kurzes Interview in der Griessmühle abgefangen.

Du bist erst siebzehn Jahre alt und schon hier auf kleiner Deutschlandtour unterwegs, wie fühlst du dich?
Wirklich super, ich bin dankbar, dass ich die Chance habe, hier in Berlin zu spielen.

Bist du ganz alleine mit deinem Manager unterwegs oder hast du deine Familie im Schlepptau?
Ich bin im Moment noch alleine, meine Eltern kommen aber, um meinen letzten Gig zu sehen. Ich glaube, ich bin eine gute Ausrede für sie geworden, um zu reisen und Orte zu besuchen, die sie sehen wollen. (lacht)

Vermisst du sie?
Nicht wirklich. Nein, das will ich nicht sagen. (lacht) Aber ich finde, es macht Spaß, allein unterwegs zu sein. Das gehört auch zum Erwachsenwerden dazu, denke ich. Zuhause sind wir ziemlich viele Leute, weil ich neun Geschwister habe. Das sind zu viele. Zu viele Namen! Und zu viele Lebenswege, deren Anschluss man nicht verlieren darf. Nein, Spaß, es ist toll. (lacht)

Du wurdest in Island geboren, aber bist dann nach Spanien gezogen. Wie ist dein Verhältnis zu den beiden Ländern, wo fühlst du dich Zuhause?
Ich weiß es nicht, das ist die Sache. Ich bin nach Spanien gezogen, als ich drei Jahre alt war, aber mit neun ging es zurück nach Island und schließlich wieder zurück nach Spanien. Ich kann mich mit beiden Ländern identifizieren. Aber in Spanien trete ich nicht so viel auf. Der Ort, wo wir leben, ist kein besonders kultureller Ort. Da gehen alte Leute Golf spielen.

Was für Musik hörst du selbst?
Ich mag die Sachen von Agent Fresco, Of Monsters And Men. Die haben auch alle Material auf dem Label veröffentlicht, bei dem jetzt mein Album herauskommt. Und sie machen ähnliche Musik wie ich.

Wann hast du mit dem Musikmachen begonnen?
Da war ich zwölf. Meine Freunde in Island und ich gründeten eine Punkrockband. Wir wollten groß rauskommen. Und irgendjemand musste uns Songs schreiben. Da habe ich angefangen, weil es ja jemand tun musste. Aber die Lieder waren schrecklich. Ein paar von ihnen sind im Internet. Das macht mir Angst. Ich hab Angst, dass die Leute sie vielleicht eines Tages finden.

Was passierte mit eurer Band?
Wir haben ein Menge Coversongs gespielt und Songs, die wir mochten. Dann haben wir an einem isländischen Musikwettbewerb mitgemacht und wir mussten drei unserer Originale einschicken. Also habe ich drei Songs geschrieben, so hat es angefangen. Aber ein Jahr danach bin ich zurück nach Spanien gegangen.Mani Orrason_06_web

Ist es für dich schwer, zwischen beiden Orten hin und her zu reisen und Kontakt zu allen zu halten?
Ich denke schon, irgendwie, aber ich kenn es ja nur so.

Was inspiriert dich beim Schreiben von Songs?
Ich hab früher meine Lieblingslieder angehört und mich dann gefragt: Was ist gut an diesen Songs? Und dann hab ich versucht, etwas Ähnliches zu machen. So hat es angefangen. Als ich älter wurde, hab ich angefangen, Bob Dylan und Bruce Springsteen und Neil Young zu hören und hatte großes Interesse am Schreiben. Ich hörte, wie sie über Dinge sangen, über die ich noch nie jemanden hab singen hören. Ab dann fing ich an, über Dinge zu schreiben, die ich selbst durchmachte.

Wer ermutigt dich, Musik zu machen?
Meine ganze Familie ist musikalisch, alle singen oder spielen ein Instrument. Mein Vater spielt auch Gitarre. Ich hab oft gesagt: Mir gefällt das hier, wen soll ich mir als nächstes anhören? Mein Dad und ich haben einen sehr ähnlichen Zugang zur Musik.

Hat sonst jemand von ihnen eine professionelle Karriere im Musikbiz angestrebt?
Mein Vater war in Bands als er jünger war, aber weil er so viele Kinder bekommen hat, konnte er das nicht wirklich weiterverfolgen. Aber ansonsten unterstützen mich alle sehr. Ich hab letztens meiner Oma erzählt, dass ich nicht zur Uni gehen werde und sie war nicht begeistert davon. Meine Eltern wollen, dass ich mein A-Levels beende, damit ich vielleicht später noch mal studieren gehen kann. Es ist gut, eine Bildungsgrundlage zu haben.

Wie sieht deine Zukunft aus?
Genau das hier. Musik ist eigentlich das Einzige, was ich mir vorstellen kann zu machen. Was ich machen kann und dabei glücklich sein kann. Mich interessiert alles am Musikmachen, das Recorden, Produzieren, Spielen, … So oder so, Musik ist das Einzige für mich.

Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Das ist eine große Frage. Ich liebe Künstler wie Bob Dylan, aber ich glaube, ich würde ihn nicht gerne treffen wollen. Ich wäre zu ängstlich, dass mein Bild von ihnen dadurch ruiniert wird. Für mich sind sie wie Götter, das sind nicht mehr dieselben Leute, die die Lieder gemacht haben, sondern größtenteils alte Männer.

Sind sie dennoch Idole für dich?
Ja. Ich höre auch eine Menge neue Musik, aber die Säulen meiner eigenen Musik und wahrscheinlich auch die jeder Popmusik, sind auf jeden Fall die alten Klassiker.

Laurie

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