Nachts kommt das Gruseln – der anderen Art

Nachts kommt das Gruseln – der anderen Art

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SLEAZE + It Comes at Night

SLEAZE + It Comes at Night
Ratlos wie SLEAZE bei manchen Praktikantenbewerbungen

„Es“ kommt bei Nacht und nein, es ist nicht die Rede vom Horrorclown Pennywise aus dem Roman Es von Stephen King, dessen jüngste Verfilmung erst im vergangenen Jahr den Horror-Hit des Sommers darstellte. It Comes at Night von Trey Edward Shults markiert gleichsam eine Art filmische Anti-These zur hochglänzenden Schauderverfilmung, die sich auch auf Grund der Demystifizierung ihrer schauderhaften Clownsfigur beinahe selbst um den Verstand brachte. Treys apokalyptische Grauensvision begeht nicht den allzu oft stümperhaften Versuch einer Weltenerklärung, sondern lässt uns in rund anderthalb Stunden am alltäglichen Überlebenskampf einer Familie teilhaben. Es ist, als öffne er kurzzeitig die Tür zu ihrem Leben, nur um uns dann doch mit allzu Erwartbarem wie Bekanntem vor den Kopf zu stoßen.

Wenn Spannung zur Langeweile wird

Das ist bedauerlich, denn anfangs inszeniert der noch relativ unbekannte Filmemacher seine Filmfamilie um das Ehepaar Paul (Joel Edgerton) und Sarah (Carmen Ejogo) mit ihrem Sohn Travis (Kelvin Harrison Jr.) sowie Hund Stanley nach einer anfänglich schwermütigen „Beerdigung“ unaufgeregt und beobachtend. Wir sehen der Familie bei ihren täglichen Ritualen auf ihrem abgelegenen Waldanwesen zu, das sie vor dem Hintergrund einer nicht näher definierten Bedrohung und offenkundigen Epidemie nur tagsüber verlassen. Doch bald trifft der eingeschweißte Verbund auf ein weiteres Ehepaar mit Baby-Anhang: Will (Christopher Abbott) und Kim (Riley Keough), die It Comes at Night in erzählerisch gewöhnlichen Routen versacken lassen.

SLEAZE + It Comes at Night
Weiterhin: ratlos

Denn wo die Familie den fremden Überlebenden besonders in Form des väterlichen Oberhauptes Paul anfangs noch nachvollziehbare Skepsis gegenüberbringt, Trey von den zwischen Hoffnung und Vorsicht keimenden Zweifeln und Widersprüchen erzählt, so weicht die Perspektive der interessierten Beobachtung bald einem aufdringlich-plumpen und daher bitter schmeckenden Spannungsaufbau, der rückblickend schon in der grundlegenden Familienkonstruktion seiner personifizierten Antagonisten verankert liegt.
Es geht besonders um die sich entfaltende Gruppendynamik zwischen Routine und der sie störende Faktor der Fremdheit, doch bis auf das Auslegen von erzählerisch faulen Störmomenten fällt dem Regisseur mit It Comes at Night nicht viel ein. Er streut bewusst und aggressiv Misstrauen unter seinen Figuren, wobei die inneren Grabenkämpfe irgendwann dem formelhaften Thrill weichen müssen. Aus dem organischen Familienorganismus ist dann längst das Spielzeug eines müden Dramaturgen geworden.

Maßstab: Stanley Kubrick

Tritt der Film in diese Phase ein, liegt auch die anfangs so mysteriöse Welt nur noch als schwacher Schatten in dem von Kerzenlicht beleuchteten Haus. Sie spielt in der Klaustrophobie ihres Handlungsortes im Wesentlichen keine größere Rolle mehr. In einem Interview mit Slash Film nannte der Regisseur u.a. das labyrinthische Overlook Hotel aus Stanley Kubricks The Shining als Inspiration für It Comes at Night, doch wo Stanley den sich Bahn brechenden Wahnsinn Jack Nicholsons geschickt mit dem Entwurf und der Architektur seines Settings zunehmend emporbrechen lässt, verpasst es Trey, sein Haus mit dem angespannten Innenleben der ihn ihm wohnenden Charaktere zu verknüpfen.SLEAZE + It Comes at Night

So gelingt ihm letzten Endes zwar gerade zu Beginn noch ein interessierter, unerklärter und damit anfänglich faszinierender Blick in eine irgendwie geartete Post-Apokalypse. Beginnt er allerdings mit der Positionierung seiner Handlungsfiguren auf dem Erzählbrett, gelingen ihm nicht mehr als vorhersehbare Spielzüge, die seine Vision entzaubern und als bekannte Gruppenübung entlarven.

Alex

Titel: It Comes at Night
Heimkinostart: 18.01.2018
Dauer: 91 Minuten
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: USA
Filmverleih: Universum Film

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