MW60: Was kann der Highend-Kopfhörer auf der tiefen Seite?

MW60: Was kann der Highend-Kopfhörer auf der tiefen Seite?

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Als erstes fällt auf: Der MW60 von Master & Dynamic ist schwer. Schwer im Sinne von gehaltvoll, nicht von uff. 345 Gramm, sagt das Handbuch. Als Zweites fällt auf, dass ein witziges Geräusch ertönt, wenn das Bluetooth-Signal eine Quelle sucht. Als ob ein Laserschwert durch die Luft rauscht. Allerdings mit dem klassischen Problem: Zu oft und zu häufig und das Geräusch lässt sich nicht leiser stellen. Man kann also nur den Kopfhörer absetzen. Laut genug ist das Geräusch immerhin dafür.

SLEAZE + MW60
Nicht zu viel, nicht zu wenig

Dann hat der Rechner den Kopfhörer gefunden, aber das Symbol im Rechner verschwindet sofort wieder. Immer wieder faszinierend, wie die Blauzahn-Technologie auch nach Jahrzehnten nicht ausgereift ist.

Aber dafür kann man nicht M&W die Schuld geben, das ist bei Bluetooth ja regelmäßig so nervig. Beim zweiten Anlauf klappt‘s, die beiden Geräte mögen sich inzwischen. Und ab dem Zeitpunkt ist die Verbindung unglaublich fix. Na, geht doch!

Kommen wir zum Wesentlichen: Lauschen. Und da bin ich beim ersten Lied bereits angenehm überrascht. Zum einen sind die Kopfhörer unglaublich weich! Und das entspannte Outrun von Ralph Myerz entfaltet sich sauber, ja fast rein in meinen Gehörgängen. Vor allem die Midtöne gefallen mir sehr gut. Zu den Höhen kann man hier noch nicht so viel sagen, und der Bass könnte etwas zu lasch sein für meinen Geschmack.

Aber dafür müssen wir zu härteren Bandagen greifen. Also rufen wir die Warring Dhol von Asian Dub Foundation mit ihrem geilen Hintergrund-Getrommel. Auch hier bleibt es Bass-mäßig etwas schwach auf der Brust, während die restlichen Töne wieder äußerst klar rüberkommen. Hm, hm.

Ist der Kopfhörer etwa einer dieser Klassik-Kopfhörer, die mit moderneren, Bass-lastigen Tönen nicht viel anfangen können? Ich hoffe doch nicht. Und das unattraktive Militärgrün spricht eigentlich auch nicht für den spießigen Klassik-Hörer. Aber vielleicht ist die Zielgruppe ja auch ein progressiver Klassik-Mensch.

SLEAZE + MW60
Einen Knick in der (schönen) Optik

Es wird also Zeit für den ultimativen Test. Jungle, D&B, Trap und Trip / Hip Hop müssen her. Fangen wir mit dem außerirdischen Carousel von (Ben) Samples an. Ergebnis: Oben / Mitte gut, unten ok.

Der eine Rap-Hit This is Why I’m Hot von MIMS klingt wiederum rund. Mit dem Lied kommt der MW60 sehr gut klar. Die Höhen und Mitten sind auch hier wieder geil und sogar der weiche Bass funktioniert prächtig. Wie er sich über die gesamte Fläche ausbreitet – so muss das sein.

Bei Massive Attacks Splitting Atom kommt der weiche Bass ausgesprochen gut rüber. Dagegen wirkt er beim legendären 1999er Live D&B-Set von DJ Jerome (mit Roni Size, DJ Dara, Dieselboy und wer da noch alles bei war) wieder ganz schön flach.

Am deutlichsten aber wird es bei Daft Punks Opening Track von Tron: Legacy. Die Höhen hauen wortwörtlich umwerfend rein, während der Bass sich verschämt in die hinteren Ecken verkriecht.

Drumherum

Der faltbare Bluetooth-Kopfhörer hat noch ein sehr smartes Feature: Seine Ohrmuscheln sind magnetisch befestigt und lassen sich somit sehr leicht abmachen, z.B. zum Reinigen oder Austauschen. Telefonieren kann man mit ihm auch mit der mittleren, sogenannten Multifunktionstaste. Allerdings hat diese Taste dafür ganz schön wenig Aufgaben. Wenn du mit dem Kopfhörer nicht telefonierst, gar keine, soweit ich das bei diesem Test herausfinden konnte.

Sehr gut finde ich den Einsatz von Metall. Das Design ist zeitlos und sehr gut gelungen. Überhaupt wirkt der Kopfhörer so, als sei er für eine langfristige, aufrichtige Beziehung entworfen und nicht für einen kurzfristigen (Plastik)Quickie.

Die Kopfhörer wirken fast filigran, was eine Seltenheit ist bei Overears heutzutage. Eigentlich stört diese Ästhetik nur das bereits erwähnte Un-Grün. Was noch einige stören könnte, ist der angesetzte UVP von 499,-. Der Straßenpreis ist meist deutlich geringer, aber dieletzte, entscheidende Frage bleibt: Sind die MW60 ihr Geld wert?

SLEAZE + MW60
Alles durchgestylet!

Für reine Liebhaber der höheren Töne definitiv. Sie bekommen hier ein Stück Ingenieurskunst, welches sie viele Jahre glücklich machen wird. Davon bin ich absolut überzeugt. Für welche, die mehr Rums mögen, ist der Kopfhörer aber nicht die erste Wahl. Dafür gibt es Konkurrenten, die auf dem Gebiet, oder generell in der Soundbreite, mehr bieten – und das für weniger Geld.

danilo

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