Mutter Teresa – Heilige zwischen Nächstenliebe und Spendensumpf

Mutter Teresa – Heilige zwischen Nächstenliebe und Spendensumpf

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Ihre Anhänger nannten Agnes Gonxha Bojaxhiu, so der bürgerliche Name der späteren „Heiligen“ Mutter Teresa, den Engel der Armen.

Die Gerüchteküche um die christliche Wohltäterin brodelte bereits zu Lebzeiten gehörig. Immer wieder gab es Spekulationen, sie sei vor allem daran interessiert, das Kapital der Katholischen Kirche rasant zu mehren. Dafür spricht die Tatsache, dass nie eine präzise Offenlegung stattfand, wohin die Millionen Spendengelder in Einzelnen geflossen sind.
Die Lebensgeschichte der Frau, die im Alter von 87 Jahren das Zeitliche segnete, liest sich wie eine religiöse Bilderbuchkarriere. Mit zwölf war für die Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers klar, wohin die Reise gehen sollte. Kaum 18 Jahre alt, trat sie dem Loretto-Orden bei und war zunächst als Lehrerin tätig. Von dort an widmete sie ihr Leben der Kirche. Parallelen zur Mafia sind deutlich. Auch dort tritt man erst durch Ableben aus.
Passenderweise werden diese Ähnlichkeiten auch an anderer Stelle gern bemüht. Den Recherchen der wenigen Journalisten zufolge, die um Objektivität bemüht waren, ist noch immer unklar, ob und in welchem Umfang Spendengelder direkt über den Vatikan auf dubiosen Mafia-Konten landeten. Die brisanten Geschichten um Kontakte des Kirchenstaates zum Organisierten Verbrechen halten sich bis heute.
Fast noch umstrittener sind jedoch die Berichte über die Umstände, unter denen Kranke, Waisenkinder und Todkranke in den zahlreichen Einrichtungen der Frau aus Skopje und ihren Helferinnen untergebracht sind.
Nach eigener Aussage hatte Mutter Teresa ihr Leben den „Ärmsten der Armen“ verschrieben. Beobachter waren immer wieder erzürnt, weil sich der Engel Teresa bei der Betreuung Sterbender wenig nächstenliebend die Vorsilbe „Erz“ verdiene. Die Organisation selbst sprach von einem würdevollen Ende für die Leidenden. Die Realität soll anders ausgesehen haben.
Lepra- und Tuberkulose-Kranke sollen in den mittlerweile über 700 Pflegestationen der selig gesprochenen Teresa regelmäßig gleich neben anderen Patienten gelegen haben ohne Schutz vor Ansteckungen. Besonders harte Kritiker sprachen gar von KZ-ähnlichen Zuständen, unter denen die schwerstkranken Bewohner vegetieren mussten.
Außer Liegen seien vielfach keine Möbel vorhanden, Heizungen würden nicht genutzt. Geld genug wäre vorhanden, um regelrechte Luxus-Kliniken zu errichten, denn Mutter Teresa war eine eifrige Spendensammlerin.
Diese Statements waren und sind bis heute Öl im Feuer derer, die Spenden des Ordens auf Mafia-Konten wähnen. Gerne genutzt wird das Geld wohl auch für die (übrigens vom aktuellen Papst wieder als äußert wichtig angesehene!) Missionierung.
Irrwitzigerweise war der Grundgedanke, die Sterbenden müssten wie jeder andere Mensch vor dem Tode für ihre Sünden büßen, ein grund-katholischer. Fegefeuer? Dann wenigstens für alle! So gibt es Augenzeugen, die behaupten, den Patienten sei selbst die Erleichterung mit Medikamenten in den letzten Stunden verwehrt worden.
Selbst wenn dieser Standpunkt für Hardliner religiös vertretbar sein mag – mit Menschlichkeit der Moderne hat dies nicht viel gemein. Zum Glück wurden die Patienten denn wenigstens – ohne ihr Wissen freilich – angeblich rechtzeitig vor dem Ableben von den Schwestern getauft. Dann wird ja alles gut, Glück gehabt.
Katholisch rabiat positionierte sich die gebürtige Albanerin in der Abtreibungsdiskussion. Ohne Wenn und Aber war sie zeitlebens eine Verfechterin eines grundsätzlichen Verbotes gegen Abtreibungen und prangerte diese konsequent öffentlich als Mord an. Ganz gleich, wie elend die jeweiligen Umstände auch sein mögen.
Und als sei dies nicht genug, berichten immer wieder ehemalige Schwestern der von Mutter Teresa gegründeten „Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe“ von Zuständen, die es mit bekannten Sekten durchaus aufnehmen können. Redeverbot und Unterdrückung samt schlechter Absicherung stellen eine ausgesprochen lebenswerte Arbeit in Aussicht. Für Buße ist so jedenfalls vor dem eigenen Tod zuhauf gesorgt.
Dennoch hat der Orden auf der ganzen Welt vielen Menschen in ein anderes, durchaus auch besseres Leben verholfen. Wieder einmal liegen Gut und Böse – mit nicht unbeträchtlicher Schnittmenge – nah beisammen. Gott hab sie selig.

Matthias

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