Ein Museum namens Extrem

Ein Museum namens Extrem

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Alessandro_Belluscio.pic @ SLEAZEmag.de

AlessandroBelluscio3Extrem und Museum sind zwei Begriffe, die schnell durch das deutliche Wörtchen „langweilig“ ergänzt werden. Aber würde man sich freiwillig dann so nennen? Wir schauten nach. In Mailand. Ein guter Sherlock sammelt schließlich Informationen. Da unser Nachname HolmeSleaze lautet, hatten wir dementsprechend ein gewisses Vorwissen. Der Name des Hauptverdächtigten in diesem Fall: Alessandro Belluscio, Beruf Extremsportfotograf. Aha, extrem also. Ein Indiz. Zudem gibt es Gerüchte, der Verdächtige habe Aufnahmen gemacht, welche eine tragende Rolle am Tatort spielen sollten.

Der Tatort des Extremen stellt sich als ein schick illuminierter Hinterhof im Zentrum von Mailand heraus. In einem Tumult aus Menschen, Kerzen, Heizpilzen, Technik und einer geballten Ladung geheimnisvoller Stimmung erblicken wir unseren ersten Zeugen. Sein Name ist Andrea De Lauso und wenn er sich nicht gerade in mailändischen Hinterhöfen rumtreibt, ist er öfter in Kontakt mit dem ebenfalls verdächtigten Auftragskiller L. Das Motiv besteht irgendwie aus einer Mischung aus Fotografie und deren Entstehung, gepaart mit talentierten Sportlern und einer doppelten Prise innovativer Technik. Ungewöhnlich? Ein Serienkiller, der Kunst mag? Wird so die Tat kaschiert? Oder gar umgekehrt? War die Tat nur dazu da, Kunst zu schaffen?

Letzerer Ansatz erweist sich als richtig. Der Auftragskiller ist die Sportmarke Killer Loop, das Museum of Extreme eine Ausstellung von Alessandro Belluscios Fotos, welche an eine Wand projiziert werden. Und was ist daran jetzt extrem? Interaktion, Kinder, Interaktion! Das Museum of Extreme ist interaktiv. Das bedeutet, dass man sich vor die Wand stellen kann, an die Alessandros Fotos projiziert werden, und die Projektion sich entsprechend der Bewegungen der Person verändert. Nicht nur Informationen über die Entstehung des Fotos erscheinen bei bestimmten Bewegungen, sondern je nach (e)Motion bewegt sich das Bild, was dazu führt, dass man Teil des Bildes wird.

Museum of Extreme – Day 12 from Museum of Extreme on Vimeo.

Und wir wären ja nur halbe Sherlocks, wenn wir uns nicht den Hauptverdächtigen zur Seite genommen und ein wenig ausgefragt hätten. Auf die Frage, ob er heimlich nicht doch am liebsten kleine Babykätzchen fotografiert, entgegnet Alessandro ausweichend mit einem Schmunzeln: „Das Fotografieren ist pure Entspannung für mich. Am liebsten knipse ich draußen. Fotos angucken ist wie ein Buch lesen. Mit der Zeit bekommt man ein Auge für die Komposition. Die Komposition macht ein gutes Foto aus. Sie muss stimmen. Bei Sportfotografie ist der Sportler unheimlich wichtig. Man muss im richtigen Moment den Auslöser drücken, was ein gewisses Training benötigt.“

Alessandro bedauert es noch, keinen sechsten Sinn entwickelt zu haben, um das Wetter vorherzusehen, aber er arbeitet dran. Respekt und ein wenig Angst seien unheimlich wichtig für seine Arbeit, da er selber auch auf Skiern steht und bis auf die Tricks dieselben Risiken wie die Sportler eingeht. „Die beängstigendste Situation bisher für mich beim Fotografieren war, als ich fast einen Gletscher in der Mongolei heruntergefallen bin und keine Bremsen unter meinen Füßen hatte. In Usbekistan bin ich durch meinen Beruf auch in eine beängstigende Situation geraten. Am letzten Tag in den Alpen, als wir zurück nach Italien wollten, haben wir erfahren, dass unsere Visa abgelaufen waren. Das war dumm. Die Polizei hat uns daraufhin um 3 Uhr nachts festgenommen und in einem Büro festgehalten. Wir hatten echt Angst, weil die Polizisten weder Englisch noch Italienisch gesprochen haben und wir kein Usbekisch. Eine Stunde später sollte unser Flug nach Italien gehen. Ein kleiner Polizist hat dann irgendwann erkannt, dass wir Italiener sind und meinte: ‚Ach, ihr seid Italiener? Dann geht!‘ (Ha, wir wussten doch, dass Alessandro ein schlimmer Finger ist!) Mein liebster Aspekt des Museum of Extreme ist die Tatsache, dass das Projekt unsere Arbeit an die Massen heranträgt.“

Fall gelöst.

Larissa

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