Morbius: Marvels grimmiger Vampir

Morbius: Marvels grimmiger Vampir

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Morbius befindet sich gewissermaßen in einer Zwischenwelt. Marvels titelgebender Blutsauger schleppt nicht die ganz große Last des von Disney betreuten Megafranchises Marvel Cinematic Universe (MCU) mit sich.

SLEAZE + Marvel-Morbius
Ying oder Yang? Gut oder Böse? Oder… nix oder alles?

Moribius ist Teil von Sonys Spider-Man-Universum und somit einer der Charaktere aus der Welt des Spinnenmannes. Dieses Universum brachte mit seinen Leinwanderzählungen über Venom zuvor zwei Streifen hervor. Das Bindeglied zu MCU? Klar, Spidey selbst (bisher).

Dennoch ist Spider wie auch Morbius das Gewicht, Teil eines größeren Filmuniversums zu sein, zunehmend anzumerken. Derweil wandelt unser aktueller Hauptcharakter auf einem Grad zwischen Leben und Tod in einem Film, an dem bremsende Kräfte zehren und der zugleich vorsichtig Wege auf dunkleren Pfaden beschreitet.

Dr. Michael Morbius (Jared Leto) schleppt sich lange Zeit an Krücken gestützt durchs Geschehen. In oft dunklen Farben gekleidet, gleicht der ausgezehrte Wissenschaftler mehr einem Geist, einem sich nur knapp am Leben haltenden Phantom, unter dessen Augen finstere Schatten aufzogen.

Ihn umgibt die Aura des Zerfalls, der er sich mit einem Ziel widersetzt. Er will eine Heilung finden für die Blutkrankheit, die ihn und seinen langjährigen Gefährten Milo (Matt Smith) zunehmend an die Schwelle des Todes drängt.

Tatsächlich scheint er in Fledermäusen den Gral der Gesundung entdeckt zu haben (Corona lässt grüßen), doch die immense Leistungssteigerung durch das eingenommene Mittel transformiert ihren Rezipienten in einen blutrünstigen, beinahe unkontrollierten Übermenschen und vampirischen Junkie, der sich stets neues Blut einverleiben muss.

Grimmigkeit für die Masse

Die düstere Ausgangslage hinterlässt deutliche atmosphärische Spuren. Morbius ist ein dunkler Film, was nicht einzig auf seine finstere Bildsprache bezogen ist. Sein grundsätzlicher Tonfall ist ein grimmiger, mit kleinen und kaum störenden Ausnahmen im positiven Sinne humorloser Ableger der Marvel-Verfilmungen ohne strahlenden Superhelden.

Er ist aber auch ein gehemmter Vampirfilm, der sich nicht recht in die Spur des Horror-Genres traut. Seine zaghaften Versuche des Schauderns in Form knapper Szenen sind lediglich kleine, unsubtile Ausflüchte ins Horrormetier, denen ihrerseits das Spiel mit dem Unbequemen und Unbekannten abgeht.

Sie verstören und erschrecken zu keinem Zeitpunkt, da sie geradezu isolierte Niedrigspannungsmomente sind in einem bekannten und auch dadurch harmlosen Takt ohne nahen Bezug zu ihren Charakteren.

SLEAZE + Marvel-Morbius
Einst Doctor (Who): Matt Smith.

Seine kurzen Gewaltspitzen bleiben indes ungeschärft und wagen erst gar nicht, Blut und Brutalität nachdrücklich zu inszenieren. Angesichts der immensen Schnelligkeit des verwandelten Morbius sind sie rasche, mit kurzen Zeitlupenaufnahmen stilisierte und insgesamt geschönte Ausbrüche blutleerer Art, in denen nebelartige Partikeleffekte Bewegungen elegant nachzeichnen und deren aggressive Darstellung seiner Figuren physischen Druck erzeugen.

Es ist zu befürchten, dass das Diktat der Massentauglichkeit auch für ein jüngeres Publikum einer härteren Gangart gehörig im Wege stand. Oder schlichter gesagt: In Deutschland ist der Film ab zwölf freigegeben.

Entfernungen der Seele

Ohnehin sind die Actioneinlagen nur punktuell eingesetzte Elemente in einem erzählerisch formellen Film, der über generische Abläufe stolpert und dadurch zunehmend Selbstbewusstsein verliert. Aus seinem Vampirthema folgt für den Protagonisten letztlich keine größere, seelische Konsequenz.

Wir werden mit fortschreitender Laufzeit nicht Zeuge eines nachdrücklichen Leidenswegs. Er weiß nicht viel mit seiner Prämisse anzufangen und verläuft sich stattdessen in einer simplen Konfrontationslogik, die in einer erwartbaren, rasch abgehandelten Auseinandersetzung gipfelt.

Seiner fundamentalen Ernsthaftigkeit und das viel zu selten hervor lukende Potenzial dieser nach Blut süchtigen Figur steht somit einer narrativen Belanglosigkeit gegenüber, die sich letztlich im gesamten Ensemble niederschlägt. Den Figuren liegen ihre Seelenzustände viel zu deutlich auf ihren Zungen, die zu Fleischlappen oberflächlicher Exposition verkümmern.

Dies kratzt denn auch scharf an der mysteriösen Aura seines Hauptcharakters, den Jared Leto (Blade Runner 2049) bis dahin bedacht, ruhig und abseits von Heldenpathos verkörpert. Doch letztlich und mit Erlangung seiner immensen Kräfte transformiert sich die einst gekrümmte Geistergestalt in einen stattlich trainierten Vampir, der schon für den nächsten Film des Franchises auf Position manövriert zu werden scheint.

SLEAZE + Marvel-Morbius
Marvel’scher Vampir: Jared Leto spielt Dr. Michael Morbius.

Dieser Umstand bewegt ihn in letzter Konsequenz eben doch wieder in die Kausalität einer zusammenhängenden Marvel-Filmreihe, in der heutzutage selbst grundlegend grimmige Stoffe wie Morbius einer Weichspülung unterzogen werden. Schade!

Alex

Titel: Morbius
Kinostart: 31.03.2022
Dauer: 104 Minuten
Genre: Action, Abenteuer, Horror, Sciene Fiction, Thriller
Produktionsland: USA
Filmverleih: Sony Pictures

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