Moonlight: …einer dieser Filme

Moonlight: …einer dieser Filme

Moonlight gehört zu unserer neuen Kategorie „Fundbüraw“. In der stellen wir in unregelmäßigen „Altes“ vor, über das wir erst jetzt gestolpert sind. Oder haben etwas aus unserer „Noch zu sichten“-Kiste rausgekramt – was also untergegangen ist. Es kann auch sein, dass wir es vor Jahren genutzt haben und nun einen völlig neuen Blick haben.

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Kennst du das? Alle Welt schwärmt von einem neuen Getränk (oder Modemarke oder Musiker oder Buch oder oder oder). Seit Wochen hörst du von nichts anderem. Die unterschiedlichsten Leute erzählen dir davon. Ausnahmslos alle sind begeistert. Und dann kommst du selbst in den ersten Genuss…SLEAZE + Moonlight

Moonlight ist so ein Film. Es gibt nur Superlative. Er hat den „Besten Film“ bei den Oscars gewonnen. Der in House of Cards sehr smarte Mahershala Ali erhielt ebenfalls einen Oscar. Die Geschichte klingt traurig, aber spannend. Kurzum: Ein krasser Film. Und dann siehst du ihn…

…und denkst: Ähm, wieso sind die jetzt wieder alle so begeistert? Der Film ist ok, die Idee der Geschichte clever, aber – wieso der Hype? Was macht hier alle so verrückt? Und warum bekommt Mahershala in aller Welt einen Oscar für seine gefühlt zehn Minuten Spielzeit, in der er nicht mal richtig herausragt?

Zuerst dacht ich, es wäre der Leo-DiCaprio-Effekt, nur umgekehrt: Sehr schwache andere Einreichungen, weswegen Mahershala Glück hatte bei der Vergabe der Academy Awards. Aber dann las ich, dass der Film 2017 für ganze achte Awards nominiert war!!!

Zurückgespult!

Die Geschichte dreht sich um einen schmächtigen, kleinen Jungen namens Chiron, den die größeren Jungs als perfektes Opfer auserkoren haben. Heute nennt man das Mobbing, aber auch Charles Darwin hatte dazu schon eigene Worte. Wie auch immer.

Dazu kommt, dass seine Mutter Crack-süchtig ist. Sie verdient ihr Geld wahrscheinlich mit Prostitution, aber das wird zumindest in der aktuellen Netflix-Version nur angeschnitten (der ganze Film kommt allerdings nur angeschnitten vor). Als der kleine Junge – mit dem Spitznamen Little – wieder einmal vor seinen Peinigern flieht, entdeckt ihr ein Typ namens Juan aka Mahershala – und kümmert sich um ihn.

SLEAZE + Moonlight
Erste positive Erfahrungen.

Der intelligente Spin dabei: Juan ist der Drogendealer, der sich auch um die Mutter kümmert – in Form von Crack. Und dieser Spin ist klasse! Genauso wie die drei Jungs, die Chiron in den verschiedenen Altersstufen vertreten: als Kind, als Jugendlicher und letztlich als Erwachsener. Eins wird noch draufgesetzt mit dem Punkt, dass Chiron schwul ist – und dann selbst tougher (und wie aus dem Nichts muskelbepackter) Drogendealer wird.

Soweit ist die Geschichte also gefühlvoll und gut und man kann eine Menge draus machen. Und der Film ist insgesamt nicht schlecht, Regisseur Barry Jenkins hat das alles gut umgesetzt. Aber der Hype ist absolut unverständlich. Mahershala-Juan ist auf einmal tot. Er soll den Jungen zwar den ganzen Film über geprägt haben, aber wenn, dann hat das der Film nicht groß gezeigt.

Da bringt Juan dem kleinen Chiron schwimmen bei. Größtenteils aber kümmert sich Juans Freundin Teresa um den Jungen, gibt ihm Geld, Essen und ideelle Werte. Und das auch noch nach dem Tod Juans.

Dann gibt es jede Menge Heiße-Luft-Dialoge. Ein wenig kann der Synchronisation geschuldet sein, aber die Dialoge waren nicht groß komplex. Da müsste die Syncho schon ganz schön freestyle gemacht haben, um das so zu verhunzen.

Vielleicht liegt der Hype daran, dass einfach der Großteil der Kritiker nie Außenseiter war? Dass es für sie deshalb eine so besondere Rolle ist, weil sie nie klassische Probleme wie Mobbing, Rassismus und andere hübsche Vorurteile usw. kennen? (Der sehr gern ausgeschlachtete Rassismus-Konflikt wurde zum Glück in Mooning ausgeklammert!)

Wenn jemand aus einem Ghetto erzählt, erzählt er von seinem Alltag. Erzählt er es jedoch geschickt einem Publikum, für die diese Welt komplett fremd ist, dann bekommt er Aufmerksamkeit. Hip Hop lässt grüßen. Und so ist es vielleicht auch mit diesem Film. Nicht schlecht, aber ganz schön überzogen für gut befunden.

danilo

Titel: Moonlight
Genre: Drama
Regie: Barry Jenkins
Verleih: A24, Plan B
FSK: ab 12
Dauer: 111 Minuten
Produktionsland: USA

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