Mittendrin

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Von der Welt unter der Wasseroberfläche der Ozeane wissen wir so gut wie gar nichts. Eigentlich unvorstellbar für Menschen. Wo wir doch schließlich alles wissen wollen (egal wie clever das immer ist). Sogar der Mond konnte schon intensiver erforscht werden. Das Meer und besonders der Meeresgrund sind für uns also eine geheimnisvolle, unbekannte Welt. Genau dieses Mystische hat sich Regisseur Luc Besson mit seinem Film Atlantis zu Nutze gemacht.SLEAZE.Atlantis 4Die kurze Einleitung übernimmt ein Erzähler, der von der Entstehung des Lebens und der Menschen erzählt, als wäre sie ein Märchen. Der Film ist in elf Kapitel aufgeteilt, dessen Namen die Stimmung oder das Verhalten der Tiere einfangen. Auch wenn es keine fiktive Handlung gibt, ist Dokumentation nicht der richtige Begriff für Atlantis. Dafür spielen Emotionen und vor allem das Spirituelle eine zu große Rolle. Mit Bezeichnungen wie „Licht“ am „ersten Tag“ gibt es sogar religiöse Bezüge.
Was Atlantis von vielen anderen Filmen mit Unterwasseraufnahmen unterscheidet, ist die Kameraführung. Es wurde nicht statisch gefilmt, sondern der Kameramann hat sich hier immer der Bewegung und dem Tempo der Tiere angepasst. Mit gleichen Bewegungen folgt er einer Seeschlange und inmitten der Fischschwärme kann es auch hektisch werden. Die Bilder stammen von Luc Besson und Christian Petron. Die beiden scheinen direkt dorthin zu gehören. Sie folgen den Delfinen nicht nur, sondern es sieht viel mehr so aus, als würde man alles aus den Augen eines Delfins betrachten. Dadurch fühlt sich der Zuschauer nicht als reiner Beobachter, kann aber trotzdem alles sehen und miterleben.

Dazu die Musik! Die ist in Atlantis genauso wichtig wie die Bilder. Zu Beginn, wenn die Kamera mit den Wasserbewegungen mitschwingt, ist klassische Musik zu hören. Durch sie wird der Anschein erweckt, dass die Delfine sich zur Musik bewegen. Auch im Kapitel „Die Anmut“ kann man einen Riesenrochen vier Minuten lang zusehen, wie er scheinbar Ballett zu Operngesang tanzt. Beim vorbeiziehenden Fischschwarm wird sogar Applaus eingeblendet und die Bewegungen der Seeschlange werden mit orientalischer Percussion und später einem Pop-Beat unterlegt. Wenn Robben mit Echsen im Wasser toben ist rockigere Musik mit einer Stimme, die nur das Wort „dance“ singt, zu hören.
Meist folgen Luc oder Christian einer Gruppe oder auch nur einem Tier für ein ganzes Kapitel. Im Teil „Die Liebe“ gibt es allerdings mehr Schnitte und mehr Arten zu sehen. Darauf folgt „Der Hass“, in dem Haie gezeigt werden, die jagen, töten und gegen die Kameras stoßen. Auch wenn diese Aufnahmen die am meisten beeindruckenden sind, werden die berühmten Raubfische hier wie so oft ins falsche Licht gerückt. Die Darstellung als skrupellose Killer gibt es schon oft genug und tut den Tieren nur Unrecht. Das Ende von Atlantis ist die einzige Aufnahme über Wasser und passt nicht zu den wunderschönen Unterwasseraufnahmen. Unter der Meeresoberfläche wirke alles verzaubert durch die Musik und das Glitzern der Sonne, doch aus dieser Welt wird der Zuschauer sehr abrupt herausgerissen. Gleichzeitig zeigt dieser Abschnitt aber auch, dass man – Achtung, es wird philosophisch – von oben nur erahnen kann, wie viel sich unter der Oberfläche tatsächlich abspielt.SLEAZE.Atlantis 2Lucs Eltern waren Tauchlehrer und weckten so auch bei ihm großes Interesse für den Ozean. Als Regisseur von Meisterwerken wie „Das fünfte Element“ und „Léon – Der Profi“ handelt es sich bei Atlantis nicht nur um eine weitere Zusammenarbeit mit Komponist Éric Serra, sondern auch um eine gelungene Kombination seiner größten Leidenschaften.
Bei der Flora und Fauna ist es leicht, so faszinierende Bilder zu finden. Doch mit Atlantis ist es Luc und Christian auch gelungen, diese wahrhaftig einzufangen. Drei Jahre waren sie auf Reisen an Orten wie Tahiti, den Galapagos-Inseln und Australien. Als Tauchspezialist wollte Luc Besson unbedingt ein poetisches Unterwasserportrait erschaffen. Visuell und akustisch ist ihm das wirklich außergewöhnlich gut gelungen. Wenn man die Chance dazu hat, sollte man dieses Spektakel auf einem großen Bildschirm genießen. Erst die Einteilung in Kapitel und deren Namen lassen den dokumentarischen Charakter in den Hintergrund und das Spirituelle nach vorne rücken. Lediglich davon ist es ein bisschen zu viel. Dafür lässt es sich aber leicht ausblenden durch diesen Teil des Lebens im Meer, welcher mit Atlantis auf atemberaubend schöne Weise in Filmformat gepackt wurde.

Maurin

Titel: Atlantis – Symphonie des Ozeans
Regie: Luc Besson
Dauer: 76 Minuten
VÖ: 17.03.2016 auf DVD und Blu-Ray
Verleih: EuroVideo

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