Miles Bonny is over the ocean – S3 live in Wien!

Miles Bonny is over the ocean – S3 live in Wien!

TEILEN

Zugegeben, ein fanatisches Rockgirl auf ein Hip-Hop-Konzert zu schicken ist fast so bescheuert wie einen Anwalt in einen OP-Saal zu stellen und ihn an einer offenen Wunde herumdoktern zu lassen. (Jaja schon klar, der Vergleich ist etwas dramatisch.) Als peinlicher Fact am Rande kommt noch hinzu, dass ich bis vor ein paar Wochen die Namen Miles Bonny und Brenk Sinatra nie zuvor gehört hatte. Dass ich nun zu ihrem Konzert in Wien gehen, einen Review darüber schreiben und ein Interview mit Brenk Sinatra machen sollte, stellte mich vor eine neue Herausforderung.

Ich musste also (und zunächst gezwungenermaßen) über den musikalischen Tellerrand schielen, mich weiterbilden und vorbereiten: Wie mein Lieblingsschwamm Spongebob las, hörte und sog ich alles in mir auf, was ich über das S3-Duo und über dieses Musikgenre generell finden konnte.

Tage des Musikgeschichte Büffelns später betrat ich am 3.11 den Kamera Club in Wien. Trotz der streberhaften Vorbereitung hatte ich immer noch tierischen Bammel davor, mich in diese mir völlig fremde Arsch-bis-zum-Knie-Hosen-Kultur zu begeben. Als ich den Raum mit dem Dancefloor betrat, fühlte ich mich wie in eine andere Welt katapultiert. Die Jungs in ihren Trainingsanzügen battelten sich auf dem Dancefloor, um sie herum die zum Beat wippenden Mädels. So muss sich also Sara aus Save the last Dance gefühlt haben, als sie als unschuldige Ballettmaus zum ersten Mal einen Hip-Hop-Club betrat. Völlig perplex von zu viel männlicher Körperbeherrschung versuchte ich mir die Zeit bis zu Brenks Auftritt irgendwie zu vertreiben: Ich stellte mir die Frage, wie viele Gehirnzellen bei diesem Am-Kopf-Gedrehe eigentlich so drauf gehen (qualifizierte Antworten bitte an info@sleazemag.de)?

Dann war es endlich so weit: Die Künstler betraten die Bühne und begaben sich ans Mikro bzw. die Turntables. Es dauerte nicht mal einen Song, bis der gechillt-soulige Sound den gesamten Club in seinen Bann zog. Wer bisher noch nicht relaxt war, war es spätestens jetzt. Denn der selbsternannte Soldier of Music (Miles Bonny) und der gestandene Hip-Hop- und Soul-Produzent ergänzen sich perfekt und das spürt und hört man auch (sogar ich als Hip-Hop-Jungfrau!).

Mit einer Gelassenheit, die aber gleichzeitig auch eine wahnsinnige Spannung in sich trägt, präsentierten die beiden ihr gerade erst erschienenes Debutalbum Supa Soul Sh*t. Die Jungs beweisen damit, dass es sich manchmal echt auszahlt, wenn man sich mit einer Platte ein wenig Zeit lässt (die Produktion des Albums dauerte ganze 3½ Jahre). Volltrunken von den urbanen Soulklängen, die für mich vor allem durch Bonnys Flügelhorn (sieht aus wie eine Trompete) entstehen und mit einem fetten Grinser im Gesicht verließ ich den Club.

Fazit: Ein Rockgirl werde ich wohl immer bleiben…ein großer Fan von Brenk Sinatra und Miles Bonny seit gestern in jedem Fall aber auch! Also hingehen, live sehen! Zwei musikalisch-tiefenentspannte Daumen hoch von mir.

 

Mariella

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT