Melt 2016: Raven unter’m Schauffelbagger

Melt 2016: Raven unter’m Schauffelbagger

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Vaginas raven auf der Bühne des Amphietheaters. Der Tänzer mit Rauschebart streichelt seinen Kitzler. Peaches ist bekannt für freizügige Auftritte. Diesmal auf dem Melt-Festival. Knallige Kostüme und inszenierte Sexszenen stehen auf ihrem Programm. Das restliche Line-up des Festivals zieren dumpfe Bässe und Ein-Mann-Shows an den Turntables.

sleaze.ravenDiese tragen es in sich: DJ Koze beispielsweise spielt mit einem traumhaften Mix in den Sonnenaufgang. Keine Müdigkeit auf den Gesichtern der Menge. Ein kostümierte Einhornfrau steht wippend im See, buntgeschminkte Menschen massieren sich währenddessen und schwarzgekleidete Raver shuffeln umher. „Steil, steil, steil!“, ruft eine und lacht irre. „Ich hatte ihn vor einem Jahr beim Field Day London gesehen.“, erzählt eine andere. Sie steht neben ihrem Freund, beide im schwarzen Partnerlook und fast ununterbrochen knutschend: „Das übertrifft alles! Echt unglaublich wie die Sonne über den See zieht, während alle so ausgelassen tanzen.“ Danach knutschen die beiden weiter. Es ist eine Stimmung der Liebe, die DJ Koze wie ein Spiegel einfängt und reflektiert.

Besucher des Amphietheaters 2.0. Foto: Lisbeth Schröder
Besucher des Amphietheaters 2.0

Er legt als letzter Act des Freitag Abends auf, den schon Andhim, M83 oder Acid Arab mit elektronischen Klängen bespielten. Das Melt rutscht mehr in eine Sparte ab, denn gefühlt 80% des Programms füllen Djs. „Das ist mir zu viel Electro.“, jammert Maria, die noch auf dem Zeltplatz chillt. Sie ist aus Chemnitz angereist und ist aufgrund einer Promo-Tour auf dem Festival: „Eine Stage mit Rock oder Hip Hop wäre noch cool gewesen.“ Die wenigen Leute, die auf dem Festival arbeiten, sind ebenfalls wenig begeistert: „Deichkind als Headliner?!“, fragt eine Verkäuferin: „Die spielen doch auf jedem Festival!“ „Ich habe gehört, sie hätten dieses Jahr nur 12.000 Tickets verkauft.“, fügt ihr Kollege hinzu.

20.000 passen in die Weiten des alten Tagebaus. So viele seien auch da gewesen, so der Veranstalter. Trotzdem ist es beim Tanzen verdächtig leer und auch die Campingplätze sind bei weitem nicht ausgereitzt. Sponsoren tauchen kaum auf: Nur eine kleine Warsteinerbühne und eine Desperadosstatue. „Vielleicht mangelte es am Geld.“, quittiert ein jahrelanger Meltgänger das Line-up.

Kurze Erfrischung mit Kreutzbergs.
Kurze Erfrischung mit Kreutzbergs.

Viele internationale Gäste strömen trotzdem zum Festival. Auf dem Zeltplatz ertönt englisch, niederländisch, französisch und spanisch aus allen Richtungen. Wenige internationale DJs treten dagegen auf: Oliver Koletzki, Kollektiv Turmstraße, Stephan Bodzin, Pan-Pot und Modeselektor kennen viele. Der Rest der 150 Acts ist wenig populär. Disclosure oder Jamie xx spicken den internationalen Rahmen.

Diejenigen, die sich nicht scheuen trotzdem 130€ zu zahlen, erleben ein Festival der Superlative, das erstaunlich entspannt und zugleich verrückt ist. Viele haben sich kleine Assecoires gebastelt wie etwa eine Qualle aus einem transparenten Regenschirm und Kreppbändern, die von diesem baumeln. An Einhornköpfen auf Holzstäben sieht man sich satt, sie sollen aber als Steckenpferd für verlorene Freunde dienen. Die ganz Verrückten schwingen sich die Seilbahn entlang und genießen die freie Sicht auf die Bühne.

"Huuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiii!!!!!!!"
„Huuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiii!!!!!!!“

Ihr Blick schwebt vorbei an den Rängen des Amphietheaters, der bunten Masse, die sich vor der Bühne erhebt und letztendlich die Künstler, die in bunter Lichtshow performen. Ebenso eine krasse Lichtshow inszeniert den riesigen Schauffelbagger, der nicht nur Druffis zum Staunen bewegt. Durch die Lichter treten immer andere Eisenstränge hervor und zeigen ein wechselndes Bild des Monstrums. Lichter spicken auch den „Forest“, der dieses Jahr neu eingeweiht wurde. Im verwunschenen Zauberwald dröhnen die Bässe von einer kleinen Bühne, Besucher relaxen in Hängematten oder auf einem verfallenen Auto. Durch ein Tor, das einem Lebkuchen gleicht gelangen diese zum Gremmin Beach, wo auch DJ Koze spielte.

Die fehlenden Sponsoren und die Freiheit beim Tanzen störten nun überhaupt nicht. Im Gegenteil: So war das Melt dieses Jahr zumindest ein schönes und nicht mehr so kommerzielles Festival.

Text und Fotos: Lisbeth Schröder

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