Marvels Eternals: Alles beim Alten

Marvels Eternals: Alles beim Alten

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Ein wortloses Schulterzucken kurz nach Verlassen des Kinos war meine Antwort auf die Frage, was ich denn vom neusten Marvel-Film halten würde. Nun bin ich aber kein Mensch, der seine stillen wie verbalen Reaktionen als absolute Urteile versteht.

SLEAZE + Marvel Eternals
Romantisch, oder? Nun ja (/nein/vielleicht)…

Wir sind den manchmal rauen Richtungswechseln von Stimmungen ausgesetzt und so ließ ich erst einmal einige Zeit bis zum Niederschreiben dieser Worte verstreichen. Distanz ist ein treuer Freund der Klarheit. Ein kurzer Dank an SLEAZE für diese reflektive Möglichkeit. 🙂

Und was sage ich nun, gut eine Woche nach Sichtung des Films? Ich zucke – weiterhin… – stumm mit den Schultern.

Kurz zusammengefasst: Eternals handelt von der titelgebenden Gruppe aus Unsterblichen, die seit Jahrtausenden auf der Erde wandeln und die Geschichte der menschlichen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt haben. Schaut man auf unsere aktuelle echte Situation, müsste man diese Kloppis mindestens steinigen, aber…wer sind schon wir unobjektive, wanna-be-subjektive ir(r)dische Weltanschauer?

Wie auch immer: Um die Menschheit vor den Gegenstücken dieser Welt (also den Deviants) zu beschützen, vereinen sie sich nach langer Zeit erneut. Das kann also nur gut ausgehen, oder?

Farbloser Traditionalist

Richtig, falsch… Dabei knüpft der Film nicht nur erzählerisch an die Ereignisse aus Avengers: Endgame (2019) an, der eine Art Zäsur im Marvel Cinematic Universe (MCU) darstellt und als 22. Film des Franchises zahlreiche Handlungsbögen um die titelgebenden Superhelden zu Ende brachte.

Er knüpft ebenso an den grundlegenden Tonfall der Reihe an, der der bekannte Regisseur Martin Scorsese einmal die Zugehörigkeit zum Kino absprach.

Ihr fehlte die ästhetische, emotionale und spirituelle Ebene der Offenbarung ebenso wie die Komplexität lebensechter Charaktere sowie Mysterien und wirkliche Gefahr. „Die Filme werden gemacht, um ein bestimmtes Set an Forderungen zu befriedigen und sie sind als Variationen einer endlichen Anzahl an Themen entworfen”, so der Regisseur von Filmen wie Taxi Driver und The Irishman – aka Martin S.

Eternals steht treu in der Tradition der Reihe. Bei einem ähnlich im Verhältnis zu seinen Vorgängern gleichförmigen Nachfolger im Videospielbereich würde man vorwurfsvoll von einem Update sprechen, so wie etwa Sportspiele à la FIFA im Grunde nicht viel mehr sind als sich wenig verändernde und vergleichsweise häufig erscheinende Aktualisierungen.

Das trifft gewissermaßen auch auf den neusten Marvel-Ableger zu, dem immerhin dritten von insgesamt vieren im Jahre 2021. Nur heißen die Superhelden diesmal eben nicht Avengers, sondern Eternals. Und so sind nun eben nicht Robert Downey Jr., Scarlett Johanssen oder Chris Evans in engen Kostümen zu sehen, sondern u.a. Angelina Jolie, Richard Madden und Gemma Chan.

SLEAZE + Marvel Eternals
Die Avengers 2.0: Eternals.

Die recht kurzweiligen gut zweieinhalb Stunden ergießen sich in bekannter Flachheit aus gleichförmigen Actionsequenzen, gestelztem Drama und der hohen Taktrate erzwungenen Humors, die jeden noch so kleinen Anflug von Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit gekonnt abwürgt. Die Eternals sind die Avengers 2.0 und stehen als solche voll in der Pflicht ihres so bemüht zusammenerzählten Filmuniversums, das Comicverfilmungen als laute, massentaugliche Unterhaltungsware versteht und damit den farblosen Gegenpol etwa zu Warners DC-Welt (Joker, Batman…) bildet.

Blasse Erinnerungen

Eternals ist der auf Leinwand projizierte YouTube-Exzess. Leicht ziehen die Stunden fort und mit ihnen die Erinnerung an das, was man sich in der vergessenen Zeit eigentlich angesehen hat. Ich erinnere mich schemenhaft an fetzenhafte Ansätze und sich aufdrängende, aber nie beantwortete Fragen.

Stell dir vor, du bist unsterblich und verbringst einige tausend Jahre bei den Menschen. Du bist zwar selbst kein Mensch der engen Definition nach, aber ebenso empfindsam. Du kannst lieben und hassen, dich freuen und traurig sein. In dir brennt die Widersprüchlichkeit der Menschheit. Du erlebst den Aufstieg von Zivilisationen genau wie ihren Untergang. Was macht das mit dir?

Der Film verharrt mit seinen inhärent interessanten Umständen bei ihren dramatischen Ansätzen, die er letztlich oberflächlich als konsequenzlose Drehbuchmanöver wegerzählt. Das emotionale Gewicht ist ein leichtes, vom Publikum lässig zu tragendes, denn Konflikte existieren im MCU nie auf herausfordernde oder gar schmerzhafte Weise.

An diesem unausgesprochenen Gebot rüttelt auch Regisseurin Chloé Zhao nicht, die seit einigen Jahren mit Filmen wie dem zärtlichen Westerndrama The Rider oder dem Oscar-Gewinner Nomadland zu den größeren Filmnamen zählt.

Sie blickt sichtlich ergriffen auf kurze Momente der Schönheit der Welt und zeigt Interesse an der Begegnung mit Kulturen. Zeit aber hat sie nie genug, der nächste Kampf gegen vergessenswerte CGI-Kreaturen, ein weiterer Witz und das nächste Ereignis warten ungeduldig auf den Fortgang der Geschichte, die wieder sehr überladen wirkt.

Fazit?

Hier ein Twist, da ein Konflikt. Es scheint, als würden moderne Blockbuster immer länger und manche von ihnen zugleich immer leerer werden. Eternals ist ein einziger Erzählfüller, der trotz seiner fast 160 Minuten Laufzeit keine Zeit findet, innezuhalten.

SLEAZE + Marvel Eternals
Treffen der Familie(n)

Erneut jongliert das MCU mit einer Gruppe aus Charakteren, für die es nichts bereithält als versimplifizierte Konflikte, die ihre Charaktere nicht aufregend zeichnen, sondern dampfhammerartig definieren. Sie haben nie die Chance, ein spürbares Eigenleben zu entwickeln und bleiben so glatte Actionfiguren ohne emotionale Sprengkraft in einer durchaus von Spannungen durchzogenen, doch sich stets mild auflösenden Gruppendynamik. Liebe, Zwiespalt, Sehnsucht und Schmerz sind hier dramaturgische Begriffe, die les-, jedoch nicht spürbar werden.

Und so zucke ich weiterhin mit den Schultern angesichts der Vergessenheit, in die der Film umgehend stürzte und aus der er keinen Ausweg findet. Eternals ist nach der jahrelangen Geschichte um die Avengers ein erneuter Auftakt. Das stellt der Film zweifellos klar.

Ein Auftakt aber, der nicht die Aufregung des Neuen, Unbekannten und Unerwarteten versprüht. Er betritt die bekannten und mutlosen Pfade seiner Vorgänger. Eternals ist als oberflächliches Massenprodukt im Dienste seines Franchises ein nur bedingt eigenständiger Film, an dem die risikoarme Pflichterfüllung zerrt, bis jegliche Erinnerung an ihn verloren ist.

Alex

Titel: Eternals
Kinostart: 03.11.2021
Dauer: 157 Minuten
Genre: Action, Abenteuer, Drama, Fantasy, Science-Fiction

Produktionsland: USA, UK

Filmverleih: Disney

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