Maneater: Trashiges Unterwasser-Abenteuer mit Biss

Maneater: Trashiges Unterwasser-Abenteuer mit Biss

Spoilerfreier Test

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Zu Unrecht werden Haie immer als die Killer-Kreaturen der Meere abgestempelt. Menschen töten statistisch gesehen mehr Haie und nicht andersherum. Leider haben diese majestätischen Unterwassertiere ihren schlechten Ruf vor allem durch Filme wie Der weiße Hai. Und Maneater? Dieses Spiel kippt nur noch mehr Benzin ins Feuer.

Das war aber den Entwicklern von Tripwire Interactive – um es in Michael Wendlers Wort(en) auszudrücken – egal. Denn in Maneater übernehmen wir die Rolle eines heranwachsenden Bullenhais und dürfen Amok im Wasser spielen. Maneater ist makaberer Leckerbissen und das Bizarrste, was mir bisher unter die Augen gekommen ist.

SLEAZE + Maneater
In einen Pool passen verhältnismäßig viele Haie rein.

Alles andere als ein Fisch-Simulator

Was passiert, wenn man popkulturelle Videospiel-Ideen und eine Unterwasser-Killermaschine kombiniert? Genau, es entsteht ein Open-World-Rollenspiel mit einem Haifisch in der Hauptrolle. Oder wie die Köpfe hinter diesem höllisch unchristlichen Konzept es nennen: ein SharkPG.

Aber hier einmal direkt der Hinweis, dass es sich bei Maneater nicht um ein „Grand Theft Auto meets Subnautica“ handelt. Das Missionsdesign bleibt recht simpel und trotz Open World und einem Rollenspielansatz steckt hinter Maneater kein innovatives oder groß komplexes Spielkonzept. Das außen vorgelassen, ist aber die Grundidee, einen Killer-Hai beim Zerstückeln seiner Beute zu beobachten, eine kranke, aber gelungene Abwechslung.

Rache wird am besten nass serviert

Als eine Art fiktive TV-Doku folgen wir einem berühmt-berüchtigten Haifischjäger: Scaly Pete, dessen Brutalität nicht zu übersehen ist, fängt und schlachtet uns ab. Doch unser Hai ist schwanger und so entkommt das Jungtier in letzter Sekunde, kaut Scaly den Arm ab und so sind zwei Rivalen geboren. Unsere Aufgabe ist es nun, als Hai-Weibchen größer und stärker zu werden, um am Ende Rache an dem Mörder unserer Mutter zu nehmen. Und da soll einer mal sagen, dass es keine starken Frauenrollen in Videospielen gibt.

SLEAZE + Maneater
Menschenfressender Massenmörder jetzt auch in der Elektroschock-Edition.

Zusammengefasst: Die Geschichte ist HAIsse Luft. So bescheuert wie mein Wortspiel ist die Handlung. Aber ehrlich gesagt, besser hätte man den Ton nicht angeben können. Dass sich Maneater nicht sehr ernst nimmt, ist kein Geheimnis. Die Aufmachung fällt immer wieder auf und sorgt für nette Lacher. TV-Programm-(un-)typische Einblendungen wie Hashtags oder der Sprecher, der die Lebensweise des Hais auf lustige Weise kommentiert, treiben die Banalität an die Spitze.

Schönes, blaues Meer

Das strahlend blaue Wasser fällt, genau wie alles unter Wasser, schön detailliert aus. Aber auch Maneaters sumpfig grüngelben Gewässer des Bayous sind atmosphärisch gut getroffen. Was aber die Welt über dem tiefen Meer angeht, da erkennt man – vor allem Gebäude in der Ferne – mangelnde Texturen. Aber das ist halb so schlimm, da die Action meist unter Wasser geschieht.

Unser Bullenhai ist aber das wahre Hai-Light: In all seinen Phasen ist das gefürchtete Meeresungeheuer eindrucksvoll gestaltet und sieht mit der Zeit immer gefährlicher und gefräßiger aus. Auch die Animationen des Hais sehen derart elegant aus, sodass man gerne auf die Schnellreisefunktion verzichtet und lieber eigenständig von Punkt A nach B schwimmt.

SLEAZE + Maneater
Wir können jederzeit mitverfolgen, wie groß das Biest ist.

Die Jagd ist eröffnet

Als Killerhai jagen wir alles, was nicht bei drei hinter der Alge oder auf dem Baum ist. Wir fressen nämlich nicht nur unter Wasser, sondern auch auf Land. Und das ist auch nötig, denn um aus einem Baby-Bullenhai letztendlich einen ausgewachsenen Prädator zu machen, müssen wir fressen. Unaussprechlich viel fressen. Eigentlich besteht das gesamte Unterwasser-Abenteuer nur aus Fressen.

Als Baby-Hai verspeisen wir zunächst nahrhafte kleine Fische wie den Zackenbarsch oder den Wels. Einige von ihnen – wie der Barracuda (nicht der rockige Ohrwurm aus den 70ern) – sind uns aber nicht sehr positiv gestimmt und legen es auf eine Tracht Prügel an. Wir können entweder unsere Gegner mit unserem kräftigen Kiefer zerschreddern oder ihnen mit guter Geschwindigkeit einen Schwanzflossen-Klapser verpassen. Kleinere Fische können wir sogar zappeln lassen, was ein unvergleichliches Machtgefühl ermöglicht. Größeren Feinden wie Alligatoren sollten wir aber anfangs meiden und wenn es doch zum Kampf mit diesen gefräßigen Biestern kommt, im richtigen Moment ausweichen.

SLEAZE + Maneater
Diese Beißerchen verfehlen leider gerne ihr Ziel.

In der Praxis fallen die Duelle oft etwas umständlicher aus. Ausweichen funktioniert nicht immer korrekt, Kämpfen ist oft reines Button-Mashing und unsere Gegner anvisieren können wir auch nicht, weshalb man oft den Fisch daneben trifft. Warum zum Fischkadaver kann ich meine Beute nicht anvisieren?

Über Wasser sehen die Kämpfe noch ein Stück hakeliger aus. Vor allem die Sprungfunktion wirkt noch etwas steif. Wenn wir gegen Jägerboote kämpfen oder Menschen an überfüllten Strandküsten angreifen, bricht auch teils noch die Framerate zusammen.

Trotzdem macht das banale Schnetzeln zumindest anfangs großen Spaß. Warum? Wie warum? Man spielt einen bescheuerten Hai und frisst alles, was sich einem in den Weg stellt. Darum!

Gerne etwas Meer

Was die Euphorie letztlich doch etwas senkt, ist Maneaters Quest-Design. Wir klappern eine repetitive Mission nach der anderen ab. Töte zehn Menschen hier, töte zehn Papageienfische dort. Über die kurzen sechs bis acht Stunden erleben wir keine große Abwechslung. Haben wir einen Teil der Karte gesäubert, folgt ein unspektakulärer Bossfight und dann fängt alles wieder von vorne an. Etwas mehr Vielfalt hätte Maneater sicherlich nicht geschadet.

Dafür belohnt uns Maneater immer wieder mit neuer Ausrüstung und Fähigkeiten für unser skrupelloses Monster. Wer in Biologie aufgepasst hat, weiß ganz genau, dass Evolution so oder so ähnlich funktioniert. Ich habe jedenfalls nicht aufgepasst. Durch die ganzen Upgrades können wir andere Fische mit kurzen Blitzen betäuben oder Menschen einfacher vom Boot rammen. Und umso mehr Nährstoffe wir zu uns nehmen, desto schneller können wir unsere Fähigkeiten auch verbessern.

SLEAZE + Maneater
In unserer anmutigen Grotte können wir diverse Verbesserungen an uns vornehmen.

Der Nachteil an der ganzen Geschichte ist aber: Das alles hat keinen besonderen Tiefgang und macht unsere Killermaschine nur noch gefährlicher. Leider sind wir spätestens als ausgewachsener Hai so dermaßen stark, dass wir es mit jeder Gefahr aufnehmen können. Klar, es passt zum Spielprinzip, schließlich wollen wir der mächtigste Hai der sieben Weltmeere sein. Andererseits wird das ohnehin schon monotone Gameplay noch monotoner, da wir nichts mehr befürchten müssen.

Eine altbekannte Formel

Irgendwie versprüht Maneater den Charme eines Spiels der alten Konsolen-Generation. Das bedeutet nichts Schlechtes. Es ist seltsamerweise erfrischend, ein Spiel mit einem simplen Spielprinzip und einer kleineren offenen Welt zu erleben. Open World muss nicht immer ein Zehn-Stunden-Marathon von einer Ecke der Karte zur anderen heißen (*hust* Assassin’s Creed *hust*).

SLEAZE + Maneater
Kleine Karte, große Freude!

Bei Maneater wissen wir, mit der Welt etwas anzufangen. Und für den kurzen Spaß ist sie ein geeigneter Spielplatz zum Fressen und Erkunden. Nach etwa elf Stunden Spielzeit hat man auch alle Sammelgegenstände und Nebenbeschäftigungen abgegrast, bevor die ersten Ermüdungserscheinungen auftreten können.

Einen Schritt weitergedacht, erinnert Maneater sogar an die altbekannte Ubisoft-Formel. Wir haben eine Karte vollgepackt mit Spielzeit-streckendem Sammelkram. Wobei auch hier oft der humoristische Ansatz von Maneater glänzt, denn oft stoßt man dabei auf Referenzen und Hommagen zu bekannten Mythen oder Filmen. Und auch der leichte Rollenspiel-Einwurf erinnert an die neuen Assassin’s-Creed-Spiele. Besonders die Animation beim Aufleveln ist zum Verwechseln ähnlich. Und wenn wir zu viele Menschen getötet haben, erscheinen legendäre Kopfgeldjäger, die uns erledigen wollen.

SLEAZE + Maneater
Wer wohnt unter Wasser ganz tief im Meer?

Auch wenn Maneater nicht im Entferntesten die Komplexität von Ubisofts Meuchelmörder-Reihe erreicht (und es auch nicht zwingend versucht), erkennt man doch ganz stark die Ansätze. Ob das eine bewusste Entscheidung war und Tripwire Interactive hier andere Studios an der Nase herumführt oder bloß Zufall ist, das bleibt wohl ein Geheimnis.

Unterwasser-Fazit

Das weltweit erste und hoffentlich nicht letzte SharkPG. Ein Rollenspiel-Abenteuer, das viel von anderen großen Open-World-Vertretern abguckt, aber einen eigenen (trashigen) Charme findet. Nicht zuletzt, weil man als gefürchteter Unterwasser-Killer durch sumpfige Gewässer oder sonnige Küsten streifen kann, um alles und jeden zu verspeisen. Trotz der Möglichkeit, unseren Bullenhai mit neuer Ausrüstung und Fähigkeiten blutrünstiger zu machen, bleibt das Spielprinzip recht monoton. Vielleicht ermöglichen künftige Erweiterungen oder sogar ein Sequel mehr Vielfalt.

Nichtsdestotrotz habe ich mehr als großen Spaß mit dieser absonderlichen Machtfantasie gehabt. Wer also schon immer den Traum hatte, in der Haut eines Bullenhais zu stecken, der wird mit Maneater große Freude haben. Wem aber eine 10-Stunden-Fressorgie nicht zusagt, der sollte lieber die Finger von lassen. Für mich jedoch ist Maneater mein Mai-Hai-Light.

Titel: Maneater
Entwickler/Publisher: Tripwire Interactive/Deep Silver
VÖ: bereits erhältlich

Plattform: PC und Konsole

Ich habe Maneater auf der Standard PS4 getestet.

San L

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