Mando Diao veröffentlichen ihre „Good Times“

Mando Diao veröffentlichen ihre „Good Times“

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Am 12. Mai 2017 veröffentlichten die Schweden um Björn Dixgárd ihr neuestes Werk namens „Good Times“. Zwölf Lieder und exakt 40770 Bytes umfasst der neuste Streich der Saunagänger irgendwo aus Skandinavien.
Der größte Unterschied zum Vorgänger – Gustaf Norén glänzt mit Abwesenheit. Der „zweite“ Frontmann der Schweden stieg im Juni 2015, nach über 19 Jahren Mando Diao-Geschichte, aus der Band aus. Er wollte sich ab sofort intensiver mit seiner langjährigen Leidenschaft befassen – dem Züchten von Hybridschafen. Das ist zumindest meine Theorie. Oder er hat in Stockholm einen Elchbaby-Streichelzoo eröffnet. Was weiß denn ich? Das waren jetzt alle Klischees, die mir spontan zu Schweden eingefallen sind. Und da ich hier nicht für Recherche bezahlt (haha) werde, sondern um meinen Senf zu Musik abzugeben, werde ich das jetzt tun. Und zwar Lied für Lied.

SLEAZE + Mando Diao
So sehen also die guten Zeiten bei Mando Diao aus.

1. Break us
„Wow“ war dabei mein erster Gedanke. „Gelungen“ mein zweiter. Ein sehr ruhiger, gefühlvoller Start der Schweden. Dabei werden einfach nur ein paar Tasten auf dem teuren Yamaha-Flügel gedrückt und Björn lässt dazu theatralisch die Stimmbänder wackeln. Seine Stimme beweist aber ab dem ersten Song, dass die Kapelle aus dem Astrid-Lindgren-Land auch ohne Gustafs Röhre ganz gut klarkommen wird. Eine überschaubare Streicherfraktion rundet den Gänsehaut-Opener gelungen ab. Atmosphärenlevel: max! Von mir aus hätte es so auch direkt noch ein bisschen weiter gehen können.
Textlich macht mir „Break Us“ den Eindruck, als ob Björn sich und seiner Lebensbewältigungspartnerin Diao Mando eine Liebeserklärung schreiben wollte. „When the lights go out I will hold you tight“ und „A storm is rising but we‘ll fight it to the end – You and I in the night.“ Da wird einem ja gleich ganz warm ums Herz. Und im Genitalbereich. Achtung, hier wird gespoilert: Unterm Strich eines meiner Highlights auf dem Album.

2. All the things
Und da denkt man sich nichts Böses und ZACK! – wird dir bei Lied Nummero Zwei direkt die Elektro-Indierock-Keule ins Gesicht gedrückt. Nicht der stärkste Song des Albums, aber davon auch nicht sonderlich weit entfernt. Wenn der Arsch im Bürostuhl beginnt zu wackeln, ist das doch schon mal ein gutes Zeichen. Zumindest wenn man gerade nicht mit Diarrhö zu kämpfen hat. Und die Stimme ist halt auch echt stark, was soll man da sagen? „You got me fucked up stripped down to my bones but I‘m breathing – Living for the night and you know here I come.“ Ab mit dir auf die Tanzfläche!

3. Good Times
Dann kommen wir mal zum Titeltrack der alten Gute-Laune-Garanten: Good Times. Energischer Mando Diao-Sound und Synthie-Klänge, bei denen der „Stranger Things“-Soundtrack grüßen lässt, verschmelzen zu einer schwedischen Dancebeat-Hymne. Was genau Björn im Refrain mit seiner Stimme anstellt, kann ich zwar auch nicht exakt definieren, aber die Beine fangen an zu zappeln. Auf jeden Fall tanzbar! Und was natürlich noch gesagt werden muss: „Trust me I‘m around – you can trust I‘m not around“ Na gut, dass wir das auch geklärt haben.

4. Shake
Die erste Single-Auskopplung des Albums, bei dessen Beschreibung zwei Worte nicht fehlen dürfen: Diskolichter und stylische Afrofrisuren. Ja komm, das Zählen kannst du dir sparen. Falls du nicht wusstest, wie du deinen Körper zum Titeltrack bewegen sollst, gehörst du aber spätestens jetzt wieder auf die Tanzfläche. Eine modern-gehaltene Strophe wird hier so hart mit einem 70er-Jahre-Dauerwellen-Dancemukken-Refrain gekreuzt, dass einem vor lauter Bewegungsdrang fast die Tamagotchis aus den Schlaghosen hoppeln. Mal schauen, was die nächste Runde so bringt.

5. Money
Jaja, der schnöde Mammon. „Money“ ist soweit ok, sticht allerdings bis auf die Helium-Alien-Stimme nicht wirklich aus dem sonstigen musikalischen Reigen des Good Times-Longplayers heraus. Erinnert etwas an die erste Single, an das eben behandelte „Shake“, nur mit weniger Biss und Diskofeeling. Schade, aber was macht der Text so? Bei dem stellt man sich die Fragen: Wer ist Jordan? Wer soll Johnny sein? Und warum entscheidet Björn die ganze Zeit darüber, ob Jordan sein Geld braucht? Kann er das nicht selbst? Naja, halten wir uns nicht allzu lang damit auf. Befassen wir uns lieber mit Song Nummer Sechs…

SLEAZE + Mando Diao
Wir sind noch nicht ganz im Streaming angekommen – zum Glück!

6. Watch me now
Und da ist das zweite „Wow“ auf dem Album. Und der zweite Spoiler folgt zugleich: Für mich ohne Zweifel der beste Song des Albums. Und dabei hab ich mich noch kein einziges Mal mit den Lyrics beschäftigt. Hehe. Aber verdammt noch eins, was für eine grandiose Sommerhymne, unheimlich stimmig. Schnapp dir die Autoschlüssel deines Chefs, gebrauche die elektrischen Fensterheber und finde heraus, wo das Lautstärkemaximum der Boxen liegt. Simpel gestrickte drei Minuten und 49 Sekunden, die mir bei jeder Wiederholung ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubern. Gedanklich geht es jedes Mal ab in den Urlaub, ins Wochenende – oder zumindest in den Görli ein paar Drogen verkaufen..ähh…konsumieren…ähh ich meine entspannen. Meiner Meinung nach der bessere Titeltrack – die Good Feelings sind vorprogrammiert.

7. Hit me with a bottle
Der Name lässt ja schon einmal einiges erwarten. Und so geht’s auch im Refrain weiter: „Kick me in the face hard – let me taste the sidewalk – show me something real.“ Damit meint Björn vielleicht auch unsere SMS-Verlosung mit dem Discounter Real, bei der wir dich und eine weitere Person zum SonneMondSterne schicken. Wer weiß das schon? Insgesamt lässt der Text tief blicken. Die Stimme von Mister Dixgárd wird einzig und allein von einer Akustikklampfe begleitet. Ein Hauch intensives Rockstarleben, eine Priese Selbstreflektion und schon ist er fertig, der Lagerfeuersong für alle Melancholiebhaber. (Und jetzt komm mal auf die Wortneuschöpfung klar.) Unterm Strich: Ein schönes Ding, bei dem der Text zum Nachdenken anregt. „My heart‘s on sale now, so rip it out tonight. Let it bleed, cause I wanna feel something real.“

8. Brother
Und wo das Stimmungsbarometer eh gerade im Keller Kartoffeln holen ist, kann es ja auch gleich mal da bleiben. Ein Song, bei dem einer verflossene Liebe nachgetrauert bzw. versucht wird, den verursachten Schmerz musikalisch zu verarbeiten, darf natürlich nicht fehlen. In dem Fall hält ein Freund als Trostspender her, dem hier die Ohren vollgeheult werden. Dazu gesellt sich bei dir dann hoffentlich noch deine Exfreundin und ein Kasten Gerstenmalz. Der gospelartige Frauenchor im Hintergrund ist dabei schon fast etwas zu viel des Ganzen.

9. Dancing all the way to hell
Langsam fällt mir nix mehr ein. Obwohl doch, ein Wort dann doch: Lückenfüller. Gut, das ist jetzt vielleicht auch schon wieder etwas zu viel des weniger Guten. Ein solides, tanzbares Stück schwedische Musikgeschichte. Nicht mehr und nicht weniger. Die Hüfte lässt sich dazu allemal bewegen. „Mama should have told you no – Papa should have told you sooner…“

10. One two three
Der treibende Elektrobeat des melancholischen Synthis peitscht dich durch dieses Stück. Allerdings fast schon ein bisschen einfallslos. Der Song gehört nicht zu meinen Favoriten, dafür fehlt wohl das Alleinstellungsmerkmal. Der Schweden-USP sozusagen. Auch wenn mir Björns Stimme im Refrain gut zusagt. Wenn die Röhre an den Trommelfellen seiner Hörer kratzt, ist das ja meist auch eine schicke Sache. Das macht sie hier zwischenzeitlich ordentlich. Der Rest ist eher etwas langweilig. Am Ende ist es so schnell vorbei, wie es angefangen hat. Mein Kredo hieß meistens: weiterskippen. Und was wartet dann auf uns?

11. Voices on the radio
Eine Mid-Tempo-Nummer, bei der ich eher am einschlafen bin, bevor die „Stimmen aus dem Radio mit meinen Gedanken spielen können“. Ob ich den Song hören würde, wenn ich mich „in einem Auto auf dem Weg nach Mexiko“ befinden würde? Man müsste es auf einen Versuch ankommen lassen.

SLEAZE + Mando Diao
Auch keinen vergessen?

Leider langweiliges Radio-Gedudel. Ein paar mehr Gitarren hätten hier vielleicht nicht geschadet.

12. Without love
Und am Ende wird’s ja dann tatsächlich fast sogar noch einmal ein bisschen schmierig… Mir kommt es dabei nicht so vor, als hätte Björn den Text ohne Liebe eingesungen. Vielleicht weiß ja die weibliche Zweitstimme im Refrain mehr darüber?

Fazit
Schwach angefangen, stark nachgelassen? So kann man es auch nicht sagen.
Mit „Watch me now“ ist ein Song dabei, der diesen Sommer noch sehr oft in meinen Playlists zu finden sein wird. Leider wird er aber wohl der einzige der Platte sein. Für „Break us“, „All the things“ und „Hit me with the bottle“ gibt’s auch noch ein Däumchen. Der Rest ist guter bis mittelmäßiger Poprock / elektronischer Indie… irgendetwas dazwischen.
Unterm Strich ist „Good Times“ eine solide Platte der Schweden, die allerdings nicht an „Give me fire!“ oder „Ode to Ochrasy“ herankommt. Ich hätte mir einige Male mehr Gitarren, mehr „altes“ Mando Diao gewünscht. Aber naja, dann ja vielleicht beim nächsten Mal …long before Rock´n´Roll.

Axel

Interpret: Mando Diao
Titel: Good Times
Label: Bmg Rights Management (Warner)
VÖ: 12.05.2017

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