Man kann Clowns auch lieb haben

Man kann Clowns auch lieb haben

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Wer kennt sie nicht, die nostalgischen Point-and-Click-Adventures aus den 90ern? Vor allem Pixel-Urvater Ron Gilbert spielte eine große Rolle in der Entstehungsgeschichte des Genres. Sei es die beliebte Monkey Island-Reihe oder auch Zak McKracken.

In den vergangenen Jahren boomten in der Spieleindustrie die Indie-Games, die den Charme der alten Pixelspiele wiederaufnahmen. Mit Dropsy startet das Entwicklerstudio A Jolly Corpse seinen ganz eigenen Ansatz, an das etwas eingestaubte Genre heranzugehen, und konfrontiert die Spieler mit der größten Phobie vieler Menschen: Clowns.

sleaze-clown-dropsyClown Zwangstherapie

Dass man vor Dropsy, dem unheimlich (lieben) Clown keine Angst haben muss, erfährt man bereits nach dem ersten Anspielen. In einem kurzen Intro erfahren wir, dass Dropsy zusammen mit seinen Eltern in einem Zirkus arbeitet. Durch einen tragischen Unfall (?) fackelt Dropsy jedoch den kompletten Zirkus ab. Seine Mutter stirbt in dem Feuer, sein Vater überlebt. Dieser ist mittlerweile schwerkrank und liegt im Sterben. Harter Tobak, der durch niedliches Leveldesign, schöne Musik und einer Menge herzhafter Umarmungen jedoch erträglich ist.

Ein „Hugventure“ – so nennen die Entwickler selbst ihr Spiel mit dem liebevollen Clown. Während Dropsy seine schwere Vergangenheit mit Albträumen bewältigt, hilft er seinen Mitmenschen. Er versucht diese durch das Lösen von Rätseln und Umarmungen fröhlich zu stimmen. Während die Menschen oft zuerst ängstlich sind, klappt es umso besser bei den Tieren. Neben anderen „freischaltbaren“ Tieren ist sein treuer kleiner Hund stets dabei und hilft fleißig an Stellen, wo der schwerfällige Clown nicht herankommt.

dropsy-clown-sleazeNeuer Ansatz für altes Genre

Während sich Triple-A-Titel wie Assassins Creed oder Call of Duty immer weiter festfahren, sorgen die Indie-Entwickler für die nötige Abwechslung. Genres werden vermischt. Tiefgründige Themen werden angesprochen und auch die Protagonisten gestalten sich abwechslungsreicher, als die 08/15 Dreitagebart-Helden.

Mit seinem kindlichen Gemüt und seiner etwas tumben Art rätselst du zusammen mit Dropsy in piktografischer Form. Statt wie für ein Point-and-Click-Adventure typisch den Spieler mit DIN-A4-Seiten Text vollzupumpen, muss sich der Spieler hier mit einzelnen Bildern zufriedengeben. Man hat das Gefühl, dass die eigentliche Aufgabe des Spiels das Entziffern der Bilder ist. Hast du erst einmal entziffert, was der Bewohner mit der roten Blume ausdrücken will, so ist es relativ einfach, die passende Lösung zu finden.

Einen ähnlich frischen Ansatz geht A Jolly Corpse mit dem Open-World-Setting an. Während man in fast allen RPG- und Action-Spielen momentan geradezu bombardiert wird mit offenen Welten, vollgepackt mit sinnlosen Aufgaben, ist Dropsy das erste Point-and-Click, das diesen Schritt macht. Statt dem Spieler mit nervigen Sammelobjekten und sinnlosen Nebenquests den Spielspaß zu rauben, lässt Dropsy dich entscheiden, was du als Nächstes tun willst. Die Hauptgeschichte des Spiels ist dennoch recht simpel und linear gestrickt. Statt wie in anderen Point-and-Clicks zwei Stunden an derselben Aufgabe zu sitzen, hat man hier die Möglichkeit, inzwischen etwas anderes zu tun. Dadurch schrauben die Entwickler den Frustgrad (der bei den kniffligen Rätseln recht schnell erreicht wird) herunter, ohne dabei den nostalgischen Charme zu verlieren.


devolver-digital-sleazeFazit

Dropsy eignet sich sowohl für Die-Hard Point-and-Click-Fans als auch Neulinge in dem Genre. Während die alteingesessenen Spieler sich an der erfrischenden Spielweise erfreuen können, bietet es gleichzeitig einen gelungenen „Casual“-Einstieg für diejenigen, die sich nicht durch eine LKW-Ladung voller Textabschnitte klicken möchten.

Das Spiel profitiert von seinem Charme, dem verstörenden, jedoch liebenswerten Hauptcharakter und einem schönen Soundtrack. Dropsy erfindet das Genre nicht neu, macht jedoch alles richtig, um ein wenig frischen Wind in das Genre zu bringen. Tipp für alle Clown-Traumatisierten: Benutz das Spiel als hauseigene Therapie, damit du nicht auch dieses Jahr wieder einen großen Bogen um die Clownskostüme machen musst.

Anne

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