MaLi macht einen Abstecher in die Interview-Welt

MaLi macht einen Abstecher in die Interview-Welt

Ein Abend gedämpftes Akustik-Konzert, den nächsten Tag volle Lotte. Die Jungs von Emil Bulls haben Berlin an zwei Tagen mit zwei komplett unterschiedlichen Bühnenshows beglückt. SLEAZE setzt noch einen oben drauf und hat die Jungs zu einem besonderen Interview getroffen. Das allererste Interview von MaLi. Was da so alles schief gegangen ist? Oder war es gar ein voller Erfolg?

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MaLi, dein Festivalteam des Jahres und aller Herzen, hat sich angesichts der Temperaturen draußen ein neues Aufgabengebiet gesucht. Noch vor ein paar Wochen habe ich lautstark gesagt: „Ich werde niemals ein Interview führen! Ne, das kann ich nicht!“ Da man bekanntlich niemals nie sagen sollte, sind Mareike und ich ins kalte Wasser gesprungen und habe den Jungs von Emil Bulls auf den Zahn gefühlt. Genauer gesagt Moik (Gitarre) und Jamie (Bass). Ob ich es kann oder nicht, sei mal dahingestellt. Eröffnet habe ich das Interview mit meiner ganz persönlichen, tollpatschigen, aber sowas von liebenswürdigen Art, sprich: Mir ist erst während der zweiten Frage aufgefallen, dass ich bei meinem Handy gar nicht auf Aufnahme gedrückt haben. Deswegen biete ich auch einen unsanften Einstieg in mein erstes Interview. Aber keine Angst, nach dem üblichen Geplänkel zu Beginn habe auch ich es geschafft, auf Play zu drücken.

SLEAZE.emil bulls.interview.3Wo lag für euch die größte Herausforderung für die Akustik-Shows? Wusstet ihr genau, welche Lieder auf eure Setlist gehören?
Moik:
Wir haben unsere Platte bereits aufgenommen und gesagt, wir wollen alle Lieder spielen. Das haben wir auch, bis auf einen Song. Dann haben wir noch von unserer älteren Akustik-Platte 5 – 6 Songs einstudiert. Die größte Herausforderung waren tatsächlich die Proben zur Tour. Ich glaube, seit es uns gibt, habe ich lang nicht mehr so viel geprobt wie im Hinblick auf diese Tour. Gerade wir Instrumentalisten müssen viel mehr singen und auch schöner singen, als wir es bei einer normalen Show machen.
Jamie:
Wenn man so ruhig spielt, das verzeiht nichts. Deswegen mussten wir ordentlich proben. Außerdem hatten wir diesmal zwei Gastmusiker dabei, mit denen wir auch Proben mussten. Sonst sind wir etwas probefaul, aber diesmal mussten wir proben (lacht)

Also war eure größte Herausforderung das Proben? (lautes Lachen)
Jamie:
(lachend) Ja, kann man so sagen. Aber hauptsächlich das Konzept auf die Bühne zu bringen und uns Gedanken darüber zu machen, wie man es präsentieren will, damit alles mit der Platte zusammenpasst.
Moik:
Es war auf jeden Fall mal etwas komplett anderes.
Jamie:
Wir hatten lange nicht mehr die Situation, in der wir mit etwas völlig Neuem auf die Bühne gegangen sind, was die Leute noch nicht kennen. Das war natürlich auch eine große Herausforderung. Z.B. auch die Setlist. Bei einer lauten Setlist wissen wir ungefähr, wie wir es am besten machen können, damit es den Leuten taugt, aber wenn die Leute es noch nicht kennen, müssen wir ihre Aufmerksamkeit behalten.

Habt ihr im Laufe der Tour bemerkt, dass verschiedene Dinge doch nicht so klappen, wie ihr es geplant hattet, und musstet was ändern?
Moik:
Nicht wirklich. Klar stellt man am Anfang die Setliste nochmal um, sagt, der Song kommt überhaupt nicht an oder den Song kennt einfach keiner mehr, der ist zu alt, aber dadurch, dass wir sehr viel geprobt haben, ging es diesmal relativ reibungslos. Da hatten wir schon mal größere Probleme.

Ihr seid schon eine Weile unterwegs und kennt euch auch alle bereits sehr lange. Aber Hand aufs Herz: Gibt es noch Dinge, die euch an den anderen schocken?
Jamie:
Schocken? Ne, nicht wirklich.
Moik:
Nein nicht wirklich. Man kennt sich und weiß, wie die anderen in manchen Situationen reagieren und drauf sind. Auch wenn einer mal schlecht drauf ist, wird das schnell verziehen, weil man die Situation kennt und auch die Gründe weiß. Da rappelt es auch mal, aber dann ist wieder alles in Ordnung.
Wir vergleichen es immer mit einer Beziehung. Welche Beziehung hält schon 20 Jahre? Da können wir uns schon auf die Schulter klopfen und in den nächsten fünf Jahren unsere Silberhochzeit feiern. (lacht)

Was darf bei euch auf Tour gar nicht fehlen?
Jamie:
Unser Tonman! Der darf auf keinen Fall fehlen.
Moik:
Ich glaube, ich bin da ziemlich genügsam. Früher habe ich immer einen Riesenkoffer mit auf Tour genommen. Wenn ich wieder nach Hause gekommen bin, habe ich die Hälfte wieder in den Schrank einsortiert. Jetzt habe ich den kleinsten Koffer und gehe dann lieber mal in einen Waschsalon, wenn es eng wird. Aber ich glaube, unser Sänger (Christoph), der braucht schon so seine Mittelchen, um sich fit zu halten und seine Stimme auf einem konstanten Level zu halten. Er hat da so seine Hausapotheke, die glaube ich mittlerweile…
Jamie (unterbricht lachend) : sein Hausstand.
Moik:
Der andere Gitarrist hat immer was auf Tour dabei, was er nicht missen möchte, aber darauf möchte ich nicht weiter drauf eingehen (mit einem frechen Blick zur Seite, da sitzt nämlich der „andere Gitarrist“)

sleaze.interview.emil bullsLäuft bei euch viel Musik im Backstage? Gerade ist es ja absolut ruhig.
Moik:
Im Backstage eigentlich nicht. Ich persönlich mag das nicht so. Christoph ist vor der Show immer im Bus. Er hört viel Musik, um sich in Bühnenmodus zu bringen. Wir hören viel im Bus nach der Show. Da haben wir ein Spiel, das heißt „iPod-Runde“. Da darf jeder nacheinander ein Track aussuchen. Das ist sehr lustig, was dabei so alles rauskommt. Von Blumfeld bis …
Jamie:
Gestern haben wir noch gesagt, dass wollen wir nicht an die Öffentlichkeit bringen, aber ist auch egal.
Moik:
Na gut, dann sagen wir von Pantera bis…
Jamie:
Ach was. Es läuft wirklich alles. Und manchmal sitzen wir selber da und denken uns: Wenn die Leute wüssten, dass wir das gerade hören. (lacht)

Kommen wir auf die ewige Feindschaft München und Berlin zu sprechen. Wir sind demnächst in München. Wo sollen wir denn eurer Meinung nach mal ein Bierchen trinken gehen?
Moik:
Auf Nummer Eins ist da ganz klar das Backstage zu empfehlen. Da geht nichts dran vorbei, da spielt sich auch eigentlich alles drin ab, was in der Rock- und Metal-Szene unterwegs ist. Dann gibt es natürlich auch ganz viele Kneipen in der Innenstadt, wo man hingehen kann. Ich würde das „Le Florida“ empfehlen.

Was macht für dich den Charme vom „Le Florida“ aus?
Moik:
Da sind hübsche Frauen und es gibt gutes Bier. (Ich sehe ein sehr großes Grinsen in seinem Gesicht.) Es gibt auch superleckere Salate, Pasta und für die Fleischfraktion ein schönes Steak.
Jamie:
Mhh. Bei mir ist es eher das Mutter Kind Kaffee. (lacht) Aber ich gehe auch gerne ins Backstage.

Konntet ihr euch ganz am Anfang vorstellen, 20 Jahre als Emil Bulls Musik zu machen?
Moik:
Wenn man 15 ist, denkt man ja, man wird nicht 30. Das kann man sich ja kaum vorstellen, deswegen denkt man da gar nicht so weit. Ich mach dass eher wie beim Fußball. Ich denke von Spiel zu Spiel, von Platte zu Platte. Und das kann gerne noch 20 Jahre so weiter gehen.

SLEAZE.interview.emil bulls.2Was waren für euch zurückblickend die einschlägigsten Erfahrungen in den 20 Jahren, aus denen ihr am meisten gelernt habt?
James:
Da gibt es natürlich sehr viel.
Moik:
Ich würde sagen, musikalisch ist alles wie es passiert ist und was wir gemacht haben, in Ordnung. Da würde ich nichts anders machen. Aber man lernt in dem Business auch Menschen kennen, die einem nicht wirklich gut tun und bis man das herausgefunden hat, vergehen auch meistens ein paar Momente. Aus Fehlern lernt man und man kann es korrigieren. Das Gute daran ist, dass wir mehr Verantwortung für das Business um die Band herum übernommen haben und übernehmen mussten. Das ist in die letzten Jahren passiert und ich glaub, dass wir da einen ganz guten Step gemacht haben für uns. Dieses ganze Band-Business erträglicher zu machen, was da so alles auf einen einprasselt…auf ein paar Personen hätte ich verzichten können.

Was sind eure Tipps für neue Bands, die gerade frisch im Business sind?
Jamie:
Sie sollen sich auf jeden Fall jede Person zwei Mal anschauen.
Moik:
Ich würde jeder jungen Band empfehlen, mich anzurufen. (lacht)
Ich glaube dadurch, dass es einfacher wird, Musik zu produzieren und durch die ganzen Möglichkeiten, die es heute gibt, sind die Bands cleverer und wissen, wie sie sich vermarkten sollen. Dieses Business ist auch nicht mehr so, wie es früher war. Es ist viel transparenter geworden.
Und wie gesagt, sie können mich immer anrufen und gegen eine Beratungspauschale … (der komplette Raum beginnt laut stark zu lachen)

Seid ihr nach euren ganzen Shows immer noch nervös?
Moik:
Ich glaube, das ist bei jedem anders und Nervosität zeigt sich auch bei jedem von uns anders. Ich bin immer ultramüde vor der Show. Das ist so meine Nervosität.
Jamie:
Bei mir ist es genauso. Ich werde auch immer müde. Das hat sich in der Zeit gewandelt. Früher war ich immer ein bissel hippelig, das hat man dann irgendwie mit Alkohol übertüncht. Inzwischen ist es eher sehr starke Ruhe. Wobei, gestern war ich mal wieder aufgeregt.

War gestern denn irgendwas anders im Vorfeld?
Jamie:
Ne. Eigentlich überhaupt nicht. Aber irgendwie…ich kann es echt nicht wirklich sagen. Vielleicht war es auch einfach nur Freude auf Berlin. Gestern, kurz bevor wir die Bühne hochgegangen sind, dachte ich mir schon „Huuu, ich bin heute aufgeregt!“ Manchmal bin ich auch eiskalt direkt vor der Show. Dann gehe ich auf die Bühne und plötzlich ist es dann so: Wooooaaahhhhhh.

Kommen wir nun noch auf aktuellere Themen in eurer Bandgeschichte zu sprechen. Ihr wart dieses Jahr bei der „Metal Cruise“ dabei. Wie war‘s?
Moik:
Total abgefahren. Um zehn vor 4 in der Früh war das Taxi bei mir und wir sind zum Flughafen gefahren, mit dem Flieger über Berlin nach Göteborg und aufs Schiff. Wir haben dann unseren Soundcheck gemacht, aber es war total irre. Ich weiß immer noch nicht, wie das ganze Schiff ausschaut, die Zeit ist einfach zu kurz und das Schiff zu groß. Es war einfach eine unfassbar lustige Erfahrung. Ich würde es sofort wieder machen. Musst du auch unbedingt mal machen.
Jamie:
Das Abgefahrene war auch, dass die Leute, die auf dem Schiff waren, nicht unserer „Zielgruppe“ entsprachen, sondern eher ein richtig eingesessenes Metal-Publikum. Und das Geile ist auch, dass es jetzt auf der Tour bereits drei Momente gab, bei denen Leute auf mich zugekommen sind und meinten, dass sie uns auf der Metal Cruise gesehen haben. Es hat tatsächlich was gebracht. Wir haben tatsächlich ein paar Leute überzeugen können.
Es war schön, überhaupt auf einem Kreuzfahrtschiff zu sein, war bei jedem das erste Mal und dann auch noch zu spielen.
Moik:
Das Einzige, was ich schade fand war, das es wenige Bands waren. Ich glaube, der Logistik ist auch verschuldet, dass es leider viel Leerlauf zwischen den einzelnen Bands gab.

SLEAZE.interview.emil bulls.1Was hatte es eigentlich mit eurem Meet and Greet mit den Jungs von Itchy Poopzkid auf sich?
Alles bricht erst mal lauthals in Lachen aus!
Moik:
Das war zu Beginn der Tour in Kassel.
Jamie:
Schön wenn sich jemand auch die Texte durchliest.
Moik:
Wir kennen die Itchys natürlich seit Jahren. Auch der ganze Schwaben-Auflauf, der für uns immer in der Halle arbeitet, ist mehr oder weniger eine Familie. Und da foppt man sich auch mal gegenseitig. Da hatten wir eben die Idee, Itchy Poopzkid den Gewinn ihres Meet and Greet in Kassel zu gewähren.
Jamie:
Alles offiziell mit Daysheet von unserem Tourmanager. Aber es war nur ein Spaß. Sie waren ja auch schon mal Support bei einer Tour von uns. Das ist aber auch schon richtig lange her.

Am 29. Januar kommt eure neue Platte raus. Worauf dürfen wir uns nächstes Jahr noch alles freuen?
Moik:
Wir arbeiten nächstes Jahr unter Volldampf an neuem Material für ein „normales“ Emil Bulls-Album. Dann wird es natürlich noch neue Videos geben und wir werden noch akustische Konzerte spielen. Vielleicht haben wir auch Glück und wir dürfen eine große Band supporten. Festivals werden wir sechs Stück spielen. Fünf sind bereits bestätigt, die kann ich auch sagen. Wir werden auf dem Highfield sein, beim Reload Festival, auf dem Hurricane, dem Southside und beim Chiemsee Festival.

Damit sind wir auch am Ende von unserem Interview angekommen. Vielen lieben Dank für eure Zeit. Wir sehen uns nachher in der Halle.

Lisa

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