Mal so unter uns gesagt…

Mal so unter uns gesagt…

…das Buch „Alles bleibt unter uns“ hätte man auch anders schreiben können. Stefan Bockelmann wandelte 16 Jahre als Malte Winter bei „Unter uns“ über die Bildschirme. Und wie so oft werden dann die (vermeintlichen) Erfahrungen verbucht.

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Wenn ein langjähriger Star einer zweitklassigen Serie ein autobiographisches Buch mit Fokus auf der Serie schreibt, dann klingt das für mich sofort nach Schlammschlacht. Wobei zweitklassig natürlich relativ ist, da erstens auch bei erstklassigen Serien jede Menge Schlamm produziert wird. Und zweitens scheint eine Serie, die so lange läuft wie „Unter uns“ und bei der z.B. Stefan Bockelmann allein 16 Jahre mitwirkte (er stieg im September 2016 aus der Serie aus), den Nerv vieler Zuschauer (oder irgendwas anderes) zu treffen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mich auch mal eine Zeitlang von „Unter uns“ einlullen ließ. Da ein das Abitur ja erstklassig auf ein Leben nach der Schule vorbereitet, wusste ich danach also nicht, was ich nun anfangen soll mit meinem weiteren Leben. Und in so einer Depri-Phase ist eine Daily Soap aka Daily Soup angenehm ablenkend, wenn auch das Gesamtkonzept oft Fremdscham erzeugt.

Nun aber zu dem Buch: Das Buch von Stefan Bockelmann ist das Gegenteil von Schlammschlacht. Man könnte es fast ein Werbebuch für die Serie halten.

SLEAZE + Unter uns
Stefans ästhetischer Start in die Serie…

Nicht, dass mich dieser ganze Gossip-Kram sonderlich interessiert. Das ist eigentlich genauso unspannend wie die Soaps selber. ABER: Das Buch vermittelt den Eindruck, als ob es da nur heile Welt gäbe und alle einfach großartige Arbeit leisten und nur das Beste wollen. Keiner ist groß egoistisch, alle negativen Sachen können rational erklärt werden usw.

Das wirkt etwas, nun ja, sagen wir mal: unrealistisch. Wer schon mal auf so einem Set war: Da herrscht Hektik, da arbeiten viele Menschen, was immer Chaos-Potential hat, Schauspieler sind von Natur aus eitel und haben ein sehr eigenes Ego – da soll alles heile Welt sein? Glaub ich nicht.

Nun kommt Stefan in dem Buch aber auch einfach sehr nett und ein wenig spießig rüber. Mit 25 geheiratet, keine Allüren in dem Buch, die Kollegen werden nur lobend oder neutral erwähnt, er engagiert sich bei Kinder-Charity-Aktionen – und ist im Karnevalsverein in seinem Heimatstädtchen Traben-Trarbach. Klingt nach schnarch? Ja, ist es auch ganz schön. Klingt alles sehr nach heiler Welt.

Nun kommt aber der springende Punkt und das hüpfende Komma: Trotzdem habe ich das Buch durchgelesen. Wie viele bei einer Soap blieb ich bei „Alles bleibt unter uns“ kleben, obwohl es Momente gab, wo das Buch fast so langweilig war wie Stefan rüberkommt. Trotzdem: Hat Stefan Bockelmann es geschafft, die Soap-Geheimformel in das Buch zu übertragen?
In gewisser Weise schon, ja. Denn was das Buch qualitativ zu bieten hat, sind die vielen Hintergrund-Fakten und kleinen Geschichten, die man als Zuschauer beim Endprodukt natürlich nicht mitbekommt: Woher kommt überhaupt das Wort Soap Opera? Sind das wirklich alles nur Laiendarsteller? Wie viel Arbeit steckt dahinter? Warum kommen so wenige Kinder längerfristig in Serien vor? Und natürlich: Wie läuft das wirklich bei Sexszenen?SLEAZE + Unter uns

Darauf gibt es ehrliche, interessante Antworten. Das ist, was das Buch bereichert, was es sogar ausmacht. Der wichtigste Erfolg des Buchs aber ist – und wenn ich es richtig interpretiere, auch ein persönliches Anliegen von Stefan –, dass man die Arbeit von Serien-Schauspielern mehr zu würdigen weiß. Und schlauer ist man hinterher sogar auch etwas. Das ist mehr, als man bei den meisten Soaps selber bekommt.

danilo

Titel: Alles bleibt unter uns
Autor: Stefan Bockelmann
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seiten: 240
ISBN: 978-3-86265-695-0
Preis: 14,99 €

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