Macho-Chauvi-Sesselpupser

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Mit Der Vollposten kommt der erfolgreichste italienische Film aller Zeiten nach Deutschland! Die Hauptrolle spielt der Comedian Checco Zalone, der hier eine der italienischsten Rollen überhaupt spielt: Checco (so heißt auch die Figur) ist mal völlig durchgeknallt. Oder er ist einfach nur Italiener.

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Die strenge, ja fast schon deutsche Oberbeamtin Dr. Sironi macht unserem Helden das Leben zur Hölle

Arbeit? Verbringt man am besten faulenzend. Zuhause bei Mama und Papa lebt sich’s sehr angenehm, da man ständig bekocht und betüttelt wird. Nur mit 38 noch zuhause wohnen – keine Großleistung. Achso, die faulenzende Arbeit spielt sich in einer Behörde ab, und dort scheint das jeder so zu machen. Checco ist Beamter und das gerne. So wie er zocken offensichtlich Hunderttausende andere Staatsdiener in Italien hauptsächlich ihr Heimatland ab.

Wie ist das denn so als Beamter in Italien? Korruption und Bestechung sind an der Tagesordnung, alle bringen einem Geschenke mit. Von seiner Verlobten wird Checco wie ein König behandelt, jeder Wunsch wird ihm von den Augen abgelesen, schließlich gehen die lebenslangen Privilegien wie Rente und Unkündbarkeit mit der Hochzeit auch auf sie über. Überhaupt, eine Festanstellung auf Lebenszeit – besser geht’s ja wohl nicht, denkt sich Checco.

In dieser Komödie, die in Italien sogar Star Wars und Avatar an Zuschauerzahlen übertraf, ist das lustig gemacht, trifft jedoch wohl auch viel italienische Realität. Aber auch in Bella Italia ändern sich mal die Dinge. Und so kommt der Stein der Handlung ins Rollen, als die ausufernde und überbesetzte Verwaltung verschlankt werden soll. Checco soll eigentlich „abgefunden“ werden, doch ist er so störrisch und hängt so an seinem Job, dass er sich lieber strafversetzen lässt – bis hin zum Nordpol!

Der Vollposten ist eine kulturelle Komödie: Man lernt die Italiener kennen und ihre Lebensart, und später dann noch – zum Vergleich – die Norweger. Norden gegen Süden könnte man das auch nennen. Denn die Italiener sind – klar – heißblütig, temperamentvoll, manchmal richtig melodramatisch. Auch: schlecht organisiert, ineffizient, chaotisch. Nach Norwegen hingegen verschlägt es Checco der Liebe wegen, denn ausgerechnet am kalten Nordpol hat es ihn erwischt in Form der schönen Valeria. Und die Norweger sind eben sachlich, organisiert-effizient und modern. Hier muss der Macho Checco erstmal einiges an sich ändern, um der schönen Valeria zu gefallen und in ihrer Patchwork-Familie anzukommen. Kindererziehung, im Haushalt helfen? Das machen doch die Frauen! An der Ampel mal nicht hupen, wenn der Vordermann nicht SOFORT losfährt?

Die Nudel nehm ich heute! – Mama ist einfach die Beste
Die Nudel nehm ich heute! Mama ist einfach die Beste.

Unvorstellbar im Land der Heißblütigen. Doch geht so was an einem echten Italiener auch nicht spurlos vorbei, und Checco traut sich zunächst nicht mal mehr, seine Angehimmelte zu küssen! Die besten Szenen des Films entwickeln sich dann, als Checcos Eltern mal in Norwegen vorbeischauen und ihren Sohn kaum wiedererkennen, so zahm und unitalienisch ist er geworden.

Der Humor in Der Vollposten variiert dabei extrem. Manchmal muss man wirklich aus vollem Hals lachen, andere Male sind die Witze extrem platt. Politisch korrekt ist die Komödie eh nicht, nicht nur Italienern, Deutschen oder Norwegern gegenüber. Auch Geflüchtete, „Behinderte“, Frauen oder Schwule kriegen ihr Fett weg, allerdings auf milde Art. Und wenn superemotionale Musik einsetzt und Checcho in Zeitlupe pathetisch leidet, ist das sicher nicht jedermanns Sache.

Doch Beamter sein als Sechser im Lotto zu begreifen? Echt lustig! Und auch als Checco dann später im Film seine Wohlfühlzone verlassen muss und aus dem Paradies vertrieben wird, sorgt das für einige Lacher. Können zehn Millionen Italiener irren? Finde es selbst raus.

Robert

Titel: Der Vollposten
Regie: Gennaro Nunziante
Laufzeit: 84 Min.
VÖ: 22.09.2016 (dt. Kinostart)
Verleih: Weltkino Filmverleih

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