LONG ROAD TO RUHM – LAING BRINGT DEBÜT AN DEN START

LONG ROAD TO RUHM – LAING BRINGT DEBÜT AN DEN START

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Am 1. März erschien endlich das Debütalbum von Lainng, Paradies Naiv, doch kennen tun wir sie alle schon länger. Spätestens seit ihrem zweiten Platz beim Bundesvision Songcontest im letzten Jahr für ihr „Wahl-Bundesland“ Sachsen und dem „Morgens immer müde“-Airplay auf allen guten Rundfunkstationen. Als Vorgruppe für K.I.Z., Geheimtipp auf dem Berlin Festival oder als schönste Gesangs-Tanz-Kombo der Republik könntet ihr sie im Kopf haben: LAING.

Wir trafen Nicola, Marisa, Johanna und Atina in den Katakomben ihrer Lieblingsbowlingbahn – auf ein Pläuschchen über die neue Platte.

LAING - credits: BEN WOLF

Credits: Ben Wolf

Mädels, wieso treffen wir uns in einer Bowlingbahn? Das hängt mit dem Albumtrailer zusammen, den ihr veröffentlicht habt, aber ist das auch ein bisschen die Flucht in die Männerwelt?

LAING:(allgemeines Lachen) Männer gleich Bowling. Aber es war tatsächlich so, dass wir einen Ort brauchten um diese Männernummer aufzunehmen, an dem wir uns mit irgendwas beschäftigen können und wo wir ultimative Coolness zur Schau stellen können. Und da dachten wir an Bowling, den ja auch Big Lebowski zelebriert – das machen wir jetzt auch. Außerdem war hier schon Celine Dion, es liegt noch ein leichter Hauch von „Eau de Celine“ in der Luft. Und der von Sportgruppen.

Nervt es euch, wenn man eure Musik als Pop beschreibt? Pop klingt ja immer so ein bisschen schwülstig und überladen.

Michael Jackson war auch Pop. Pop ist ja nicht per se uncool. Pop heißt erst mal ‚alles‘ und ’nichts‘ und dass die Musik eben vielen Leuten zugänglich ist. Außerdem gibt es da nicht so diese eine Szene, Pop ist irgendwie die Mitte von allem.

Gibt es trotzdem noch etwas, worauf ihr Wert legt, wenn man eure Musik beschreibt?

Ja klar, weil man kann sich unter Pop ja erst mal nicht viel vorstellen – es ist eben ‚alles‘ und ’nichts‘. Aber trotzdem ist es schwierig, alle Leute tun sich schwer damit, ihre Musik in Kategorien zu fassen, weil alle denken, sie haben das Rad neu erfunden. Ich würde sagen, wir machen minimalen Pop, der irgendwie groovt, der elektronisch ist mit mehrstimmigem Gesang. Da hat man dann so ein paar Eckpfeiler. Obwohl das keine sonderlich griffige Beschreibung ist.

 


Laing — Nacht für Nacht – MyVideo

Ihr schlagt auf eurem neuen Album Paradies Naiv auch den einen oder anderen Ton an, den man sonst nicht gerade gewohnt ist von deutschen Bands. Neben Liebe und Alltag geht’s auch mal ums Ficken und Pleite sein. Ist das die Berliner „arm aber sexy“-Mentalität, die da durchkommt? Ich weiß, ganz abgedroschene Phrase.

Ich finde schon, dass man sich das so hin drehen könnte, dass es passt. Weil man hier irgendwie aus wenigen Mitteln viel macht. Berlin ist natürlich auch ein Ort, der es möglich macht, sich die Zeit zu nehmen, um an einem Projekt wie LAING arbeiten zu können und das langsam aufzubauen, weil du eben nicht 24/7 hustlen musst um deine Wohnung zu bezahlen. Man kann nebenbei jobben und kann trotzdem noch sein Ding machen, zumindest war das die letzten Jahre so – das verändert sich ja bei uns gerade sehr. Gottseidank sind wir jetzt etabliert. (lachen) Thank God.

Zum einen ist da der Hintergrund vielleicht „arm aber sexy“, andererseits kann man das auch auf unsere Musik übertragen. Das ist ja so ein Credo von uns möglichst alles wegzulassen, was man nicht braucht um die Idee klar zu machen. Also relativ puristisch und minimal, aber trotzdem so…eindeutig.

Ist es also mal wieder Zeit für eine junge, selbstbewusste, attraktive deutsche Frauenband? Die ganzen Nina Hagens und Konsorten sind ja nun schon lange her.

Ja, schon irgendwie. Obwohl wir uns jetzt nicht in den Kopf gesetzt haben: Oh, da fehlt was. Das machen wir jetzt, sondern das hat sich so ergeben. Und wenn man sich beispielsweise den Hip Hop anguckt in Deutschland, da sind Frauen auch nicht so stark vertreten. Daher fehlt da schon irgendwie ein bisschen was. Auch auf unseren Shows oder wenn wir mal Autogramme geben und auf Fans treffen, werden wir ganz oft gefragt, wo wir all die Jahre waren. Daran merkt man schon, dass sich viele nach so etwas sehnen.

Ihr habt uns gefehlt, die letzten Jahre!

(lachen) Ja, so in der Art. Wir kriegen immer wieder zu hören „Endlich!“ und das ist natürlich Wahnsinn. Obwohl ich auch die anderen Künstlerinnen in Schutz nehmen muss, wir haben schon einige sehr gute deutschsprachige Künstlerinnen. Aber die sind dann vielleicht nicht so krawallmäßig wie Nina Hagen oder so stark wie Annette Humpe – die sind dann eher leise und auch nicht in so einer Konstellation wie wir. Ich glaube aber, dass wir an so einer Schnittstelle sind von verschiedenen Szenen, wo bislang nicht so viel ist. Wir fühlen uns ganz vielen verschiedenen Szenen nah, ohne uns jetzt bei einer besonders anzubiedern oder uns auf was festzulegen. Wir lassen das gern im Unklaren, wer wir jetzt genau sind. Wir ziehen jetzt halt keine Sneaker an und alle wissen: Ah, klar Hip Hop. Wir bleiben da gern blanko.

Zumal euch das Gesamtkonzept LAING von Gesang und Choreographie bis hin zu selbstgemachten Bühnenoutfits und und und schon ausreichend Alleinstellungsmerkmal bietet. Wie wichtig ist das für euch?

Total wichtig. Das ist eben genau unser Ding. Keiner von uns hatte jetzt zu Beginn den Traum Popstar zu werden. Aber es gab eben diese Ideen und diese Sache um LAING und für die war es dann irgendwann wert, in die Öffentlichkeit zu gehen und sie zu zeigen. Das hat sich eben so entwickelt. Wir haben uns das nicht ausgedacht um berühmt zu werden, wir hatten irgendwie diese Ideen und dann kam eins zum anderen. Das ist unser Ding – und da kommt auch jetzt keine rein und sagt uns, was wir wie zumachen haben, nach dem Motto: „Super Ansatz – aber jetzt arbeiten wir an eurer Personality.“ Da sind wir schon Selbstbewusst genug. (lachen)

 

Julian

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