Lommbock: Schweigen der Lämmer oder Lommrockt?

Lommbock: Schweigen der Lämmer oder Lommrockt?

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Eigentlich alle Klassiker dieses Nischen-Genres, welches mittlerweile putzig Stonermovie genannt wird, handelt von zwei sympathischen Verlierertypen. Man könnte fast meinen, dies wäre die wichtigste Zutat, um einen Film über Kiffer zu machen. Denk nur an die ganzen Ikonen, Cheech und Chong, Harold und Kumar, Jamal und Silas aus How High und natürlich Jay und Silent Bob. Deutschlands Beitrag ist da natürlich offensichtlich: Kai und Stefan aus Lammbock.

Lammbock war (und ist immer noch) Kult – und hat nun eine Fortsetzung bekommen. Das übliche Spielchen eben. Lommbock heißt sie und kommt am 23. März in die Kinos. Aber braucht ein Slackerklassiker wie Lammbock überhaupt eine Fortsetzung? Wollen wir wirklich sehen, was die verpeilten Antihelden von früher heute so machen? Schwere Frage. Dasselbe Problem gab es ja letzten Monat schon bei der Trainspotting Fortsetzung T2.

Asiatisch statt Pizza: Lommbock

Aber erst einmal zur Handlung des Films. Diese setzt 15 Jahre nach der von seinem Vorgänger ein. Stefan wohnt jetzt in Dubai und steht kurz davor, seine Freundin, die Tochter eines stinkreichen Ölscheichs, zu heiraten. Das einzige Problem ist, dass man dazu eine Geburtsurkunde braucht, und die kriegt Stefan nur in seiner Heimatstadt Würzburg. Also ab zurück nach Deutschland, wo Kai am Flughafen, ganz in alter Manier, mit einer Pizza-Gourmet in der Hand auf ihn wartet. Bald wird klar, dass es für Kai nicht so gut lief im Leben. Er hat ständig Stress mit der Alten, und mit deren Sohn läuft es auch nicht. Sogar den alten Lieferdienst hat er noch. Heißt jetzt aber „Lommbock“ und verkauft Asia-Essen statt Dope-Pizza. Aus dem geplanten Kurzbesuch von Stefan wird wegen einem kleinem Drogendelikt am Flughafen doch ein längerer, durchaus nervenaufreibender Aufenthalt, der ein Wiedersehen mit der alten Clique und jede Menge bizarre Situationen beinhaltet.

Macht Lomm Bock?

Wie Göthe einst sagte: „Ihr blöden Fotzen!“

Es fällt einem schwer, diesen Film mit seinem Vorgänger zu vergleichen, denn sie sind einfach so verschieden. Obwohl sie ja eigentlich auch viel gemeinsam haben. Doe Charaktere zum Beispiel. Eigentlich alle, die ein bisschen mehr Screen time haben, kommen auch hier wieder vor. Sogar Fußball-Titan Mehmet Scholl, der in Lammbock ja Gesprächsthema Nummer Eins war, darf für ein paar Sekunden über die Leinwand grinsen. Einige direkte Zitate des Originals springen dem Fan direkt ins Auge, das Zero-Zero Hasch aus dem ersten Teil wird hier zum Polen-Fluch, der einen statt Schwarzweiß zu sehen fließend Polnisch sprechen lässt. Oder auch Songs wie damals Egyptian Reggae (der durch den Film eine regelrechte Renaissance erlebte) tauchen wieder auf. Retrofeeling gibt es also genug. Aber gerade das ist eins der Probleme: Der Film setzt zu sehr auf dieses Pferd.

Der Cast, bei dem wie gesagt alle dabei sind, ist zwar nicht mehr in alter Form, aber es macht einfach Spaß, sie wieder alle zusammen zu sehen. Moritz Bleibtreu ist gut wie immer und Lucas Gregorowicz (ist mittlerweile Kommissar beim Polizeiruf) spielt glaubwürdig den schmierigen Möchtegern (ganz im Gegensatz zum Charakter des damaligen Stefans). Wotan Wilke Möhring ist wieder kräftig am Rumfluchen und Alexandra Neldel, also known as Die Wanderhure, sieht einfach fantastisch aus.

„Alles Swag?“

Ein anderes Problem des Films kommt aber in Form der Gags. Diese sind oft einfach mies und werden dann ausgemolken, bis einem schlecht wird. Klar, es gibt Stellen im Film, die sind richtig witzig, aber meistens sitzt man nur da und denkt sich: „Naja, das habe ich jetzt auch schon mal besser gesehen.“ Wenn Kai zum Beispiel mit seinem Stiefsohn in Jugendsprache („Alles swag? Safe“) redet, verdreht man nur beschämt die Augen. Der melancholische Witz in den Diskussionen der beiden Kultkiffer geht in Lommbock leider verloren, stattdessen wird Absurdität in den Vordergrund geschoben. Was damals irgendwie echt und sympathisch war, wirkt jetzt gespielt und übertrieben. Dadurch geht viel vom Charme des Originals verloren, was schade ist, denn es hätte vielleicht ein guter Film werden können.

Aber… das ist es nicht. Aus einer sympathischen Slackerkomödie wird hier leider ein 08/15-Comedyfilm, der gerne genauso cool wäre wie damals. Regisseur Christian Zübert hat sich nun nicht mehr von Kevin Smith oder Quentin Tarantino inspirieren lassen, sonder eher von Todd Philips oder Judd Apatow. Schade eigentlich, aber hey, wir haben auch echt kein Meisterwerk erwartet.

Simon

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