Lollapalooza 2019: Hat sich das Hauptstadt-Festival dieses Jahr gelohnt?

Lollapalooza 2019: Hat sich das Hauptstadt-Festival dieses Jahr gelohnt?

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SLEAZE + Lollapalooza 2019

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Der Lollymp!

Es ist Samstag, der 07. September. Diesen Tag haben zehntausende Menschen schon sehnlichst erwartet, denn heute ist der Startschuss für das fünfte Lollapalooza-Festival in Berlin. Wie schon im vergangenen Jahr geht es auch diesmal wieder zwei Tage lang ins Olympiastadion inklusive Olympiapark.

Das ist für mich, wie für viele andere Berlin-Menschen, natürlich sehr praktisch. Einfach in die S-Bahn steigen und – zack – ist man am Ort des Festival-Geschehens.

Für Samstagmorgen ist schon ziemlich viel los in der Berliner S-Bahn. Wo die ganzen Menschen wohl hinwollen, verraten Blicke auf Glitzermakeup in Gesichtern, Hugo-Flaschen oder Bierdosen in den Händen und hoch- oder heruntergeschobene Sonnenbrillen, die dem grau-trüben Himmel trotzen.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Es geht auch ohne E-Scooter.

Schon bald komme ich mit den ersten aufgeregten Festival-Freundesgrüppchen ins Gespräch, die sich besonders auf Billie Eilish, Martin Garrix und Marteria & Casper freuen. Sogar ein paar waschechte Querbeat-Fans kommen direkt aus Köln zum Lolla.

Groß, größer, Lollapalooza!

Nachdem ich mit einer noch nicht ganz so großen Horde von Menschen aus der Bahn geströmt war und den Presse-Ticketschalter gefunden hatte, war ich also angekommen auf dem Lolla.

Mein erster Gedanke: Boah, ist das groß hier. Um das mächtige Olympiastadion, das sich in eine Party-Arena für die angesagtesten EDM-Stars wie Alan Walker, Scooter und Martin Garrix verwandelt hatte, erstreckte sich der riesige Olympiapark.

Dort befanden sich die beiden Main Stages, die Alternative Stage (die mit relativ vielen Pop- und Hip-Hop-Acts wie Ilira, Eno und Bausa übrigens nicht wirklich „alternativ“ war) und die Weingarten Stage, in der man, fernab von den großen Headliner-Bühnen, vor allem neuen jungen Pop-Stimmen lauschen konnte.

Das Festivalgelände bot natürlich auch massig viel Platz für gaaaanz viele Essensstände. Zwei große Food Villages waren aber noch nicht alles: Rings um das Stadion gab es noch mehr Festival-Futter und reihenweise Getränke-Ausgaben.

Dort schüttete man aber nicht seinen Geldbeutel aus, sondern bezahlte mit den inzwischen fast obligatorischen an Festival-Bändchen befestigten Chips, die man online oder an speziellen Automaten mit Geld aufladen konnte. Lange anstehen musste man trotz Cashless-System aber trotzdem noch.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Einladend lolla-lecker.

Die zahlreichen Sponsoren, deren Stände, Attraktionen und Werbegebilde sich über das Gelände ausbreiteten, waren auf dem Lolla übrigens absolut nicht zu übersehen: Absolut Vodka, Seat, Desparados, Rockstar Energy, Oatly… manch einem wird das bestimmt zu kommerziell rüberkommen.

Je später der Tag, umso mehr Menschen wimmelten auf dem Lollapalooza herum. Mit insgesamt 85.000 Besuchern pro Tag kamen dieses Jahr nochmal deutlich mehr Menschen aufs Lolla als 2018.

Skurrilitäten, Fantasien und Körperkräfte

Das hört sich ja bisher alles sehr festivaltypisch an. Auf dem Lollapalooza 2019 gab es aber noch ein paar einzigartige Attraktionen, z. B. die Lolla Fun Fair. Dort konnte man auf kleinen Bühnen oder hoch oben in der Luft Artist/innen und Künstler/innen verschiedenster Art erleben.

Spannend waren für mich vor allem die athletischen Flugmanöver der Trampolin-Gruppe und die elegante Performance der Tuchartistinnen. Den Hype um zwei merkwürdige Clowns, die freiwilligen Zuschauern alberne Frisuren ‘zauberten’, hab ich aber ehrlich gesagt nicht verstanden.

Übrigens, auf dem Festivalgelände traf ich nicht nur auf Menschen mit Glitzer im Gesicht und Drink in der Hand, sondern es liefen auch kuriose und magische Gestalten herum, von riesigen Zebras und Giraffen bis hinzu fantastischen Vogelwesen. Burning Man lässt grüßen.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Es gab auch jede Menge anderer Kunst zu sehen.

Im Grünen Kiez, einem weiteren Lollapalooza-Feature, gab es Workshops und Diskussionen zu Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung.

Es wurden Kondome von Jugend Gegen Aids verteilt, die Jugend-Klimaschutz-Bewegung Fridays For Future stellte sich vor und rief zur Teilnahme am globalen Klimastreik am 20. September auf. Allerdings schien der Grüne Kiez eher wenige Besucher anzulocken.

Lollapoplooza

Für mich persönlich war das Lolla-Line-Up größtenteils nicht so das richtige, relativ mainstream eben. Trotzdem war es interessant zu beobachten, wie die Festivalmeute, die gerade noch zu Dean Lewis‘ leichtfüßigem Gitarren-Pop die Arme nach links und rechts schwang, von der North Stage zur South Stage strömte, um Rita Oras Pop-Hymnen zu feiern. Oh ja, und wie sie feierten. Vor der Bühne breitete sich eine nicht enden wollende Lawine aus Händen aus.

Dass die gerade mal 17-jährige Billie Eilish eine der umjubeltsten Stars des Lollapalooza 2019 war, habe ich nicht nur in Gesprächen mit Festivalgästen mitgekriegt. In der Live-Show rührte das junge Pop-Phänomen mit viel Bass und Gefühl sogar ihre Fans zu Tränen.

Sonntagabend legte Martin Garrix mit Feuerwerk und Blitzlichtgewitter im rammelvollen Olympiastadion auf. Den niederländischen Star-DJ wollten sich so viele Festival-Menschen nicht entgehen lassen, dass sogar mehrere Ränge des Stadions für das Publikum geöffnet wurden. Allerdings war dort der Sound eher mau. Unten war Bombenstimmung und oben kam nur Bass an.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Sound mau, aber große Schau.

Große Moshpits und kleine Entdeckungen

Unter den „gefeierten Popstars“, wie das Lolla sie nennt, waren für mich aber auch ein paar Bands dabei, auf die ich mich wirklich gefreut habe. Besonders nice fand ich, Twenty One Pilots mal wieder live zu erleben. Zwischen Interludes und Off-Stimmen jagte Josh seine Sticks fantastisch leidenschaftlich über die Drums, während Tyler von gefühlvollem Gesang zu energetisch-emotionalen Schreien wechselte.

Vor allem die älteren Songs brachte das Duo mit viel Energie und Emotion auf die Bühne. Ein bisschen enttäuscht haben mich die neueren Songs, bei denen nicht selten Playback dabei war. Aber irgendwie glaube ich doch gemerkt zu haben, dass TØP sich treu geblieben sind: Da sind immer noch die Outfits und das (mittlerweile etwas zerkratzte) Klavier von früher und dieselben Schlussworte: „We are Twenty One Pilots and so are you.“

Auch Kraftklub legte mit Song-Glücksrad auf der Bühne und Moshpits im Publikum eine energetische und mitreißende Live-Show hin. Dass die Lolla-Menschen so abgehen, hatte die Band anscheinend gar nicht erwartet: „Wir sind freudig überrascht über so viele Moshpits.“

Apropos Moshpits: Die gab es auch beim Party-Randale-Auftritt der 13-köpfigen Brass-Band Querbeat, die schon zum Festivalstart um die Mittagszeit richtig abrissen. Querbeat waren irgendwie was Besonderes zwischen all den Popstars, Hip-Hoppern und DJs.

Außergewöhnlich fand ich auch Alli Neumann, die mit ihrer mal heiser-rauchigen, mal gefühlvollen Stimme eine ganz eigene durchgeknallte Art von Popmusik mit crunchy Gitarren und Blue-Funk-Note auf die Bühne brachte.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Die lassen hier auch jeden Vogel rein.

Mit Pip Blom, der Newcomer-Band aus Amsterdam, hatte ich auf dem Lolla sogar alternativen Sound gefunden. Die vier waren so energetisch, hatten richtig Spaß und wirkten einfach authentisch.

Die Band Pip Blom, Alli Neumann und ein paar Jungs von Querbeat habe ich übrigens Backstage getroffen und wir haben ein bisschen gequatscht. Die Interviews kannst du demnächst auch hier lesen.

Es geht nicht nur um die Musik

Was ich aber auch gemerkt habe ist, dass den Menschen es auf dem Lolla anscheinend nicht nur darum geht, Musik zu feiern und mit Freunden Spaß zu haben. Beinahe wichtiger schien es, das alles und sich selbst dabei zu dokumentieren.

Anstatt einfach die Musik zu genießen, zückten viele Besucher ihre Handys, um ja allen zeigen zu können, auf welch einem trendigen Event sie gerade abgehen oder abgegangen sind. Ganz wichtig sind dabei natürlich auch Fotos von sich selbst: Ein Selfie hier, eine Insta-Story dort.

Auf dem Lolla gab es im Fashionpalooza sogar extra Spiegel- und Tuch-Installationen, vor denen ein Fotografier-Getümmel stattfand. Klar will man gern Erinnerungsfotos von so einem coolen Event haben, wer will das nicht? Aber Generation Instagram geht es dabei oft viel zu sehr um Selbstinszenierung. Schade.

Fazit: Das Lollapalooza hat mit dem Olympiastadion plus Olympiapark endlich eine Festival-Location gefunden, die mehr als genug Platz nicht nur für Bühnen und Mainstream-Musik, sondern auch für viele andere Attraktionen bietet, die ich noch auf keinem anderen Festival erlebt habe.

SLEAZE + Lollapalooza 2019
Spektakelolla

Ich persönlich gehe aber weiterhin lieber auf nicht so große Festivals mit Campingplätzen. Das Zusammensein mit Freunden über mehrere Tage, einen Rückzugsort zwischen Zelten zu haben, gemeinsam zu grillen und mitgebrachten Biervorrat zu plündern, das macht für mich neben guter Musik ein richtig nettes Festival aus.

Nele

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