Logan Lucky: Ocean’s Eleven in den Südstaaten?

Logan Lucky: Ocean’s Eleven in den Südstaaten?

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SLEAZE + Logan Lucky

Geht er oder bleibt er? Bereits während der Produktion seines schillernden Dramas Behind the Candelabra aus dem Jahre 2013 befeuerte Regisseur Steven Soderbergh zum Teil selbst die Spekulationen um seinen Ausstieg aus dem Filmgeschäft. Vor vier Jahren sagte er kritischen Blickes auf die großen Hollywood-Studios (via GQ): Ich werde versuchen, zu zeigen, wie eine bestimmte Art von Nagetieren womöglich schlauer sein kann als Studios, wenn es um die Auswahl von Projekten geht.“

Nun, vier Jahre später, kehrt Steven mit dem Heist-Movie Logan Lucky in die Kinos zurück, nachdem er zuletzt für die Fernsehserie The Knick (2014-2015) als Regisseur aktiv war. Bezeichnend ist denn auch, dass sein neuster Kinofilm komplett ohne die Unterstützung eines großen Studios erscheint und er stattdessen von seinem eigens gegründeten Produktionsunternehmen Fingerprint Releasing gemeinsam mit Bleecker Street (Die versunkene Stadt Z) vertrieben wird.

„Anti-Glamour-Version eines Ocean’s-Films“

Der Filmemacher selbst bezeichnete Logan Lucky in einem Interview mit Entertainment Weekly als „Anti-Glamour-Version eines Ocean’s-Films. Niemand kleidet sich schick. Niemand hat schönes Zeug. Sie haben kein Geld. Sie haben keine Technologie.“ Recht hat er. Gleichzeitig aber fühlt sich der Film eben auch danach an: Eine in den Südstaaten verankerte, abgewandelte Fantasie einer seiner Ocean’s-Filme, in deren Mittelpunkt die von Channing Tatum und Adam Driver verkörperten Logan-Brüder Jimmy und Clyde stehen, die angesichts sich zuspitzenden Geldmangels ein großes Ding während eines gutbesuchten NASCAR-Rennens in North Carolina drehen wollen.

SLEAZE + Logan Lucky
Hufeisen ist für Pussys! Klodeckel-Weitwurf ist der Shit.

„Es [die Geschichte] erschien mir bekannt, aber unterschiedlich genug, so Steven. Was Logan Lucky vor allem von seinem offenkundig großen Heist-Bruder abhebt, ist die in der Örtlichkeit verankerte, oftmals absurde Südstaaten-Komik und das deutlich gemächlichere Tempo. Doch damit offenbart die Kriminalkomödie auch zwei ihrer eklatantesten Bruchstellen. Zwar weiß der Film ein ums andere Mal zum beherzten Lachen anzuregen.
Gleichzeitig schnellt die Abnutzungsrate rasch in die Höhe und die Mundwinkel damit synchron in die Tiefe, wenn etwa der einarmige, vom Irakkrieg gezeichnete Clyde nicht müde wird, von einem auf der Familie liegenden Fluch zu faseln.
James Bond-Darsteller Daniel Craig fällt in seiner Rolle als Knasti mit Sprengstoff-Expertise am ehesten noch wegen seiner blonden Kurzmähne auf, während Family Guy-Schöpfer und -Sprecher Seth MacFarlane noch die komischsten (Kurz-)Auftritte zuteilwerden. Stell ihn dir vor als überhöht arrogante Werbefigur des Motorsports mit Wolle Petry-Frise und Pornobalken der 70er, garniert mit einem betörend absurden Südstaaten-Sprech. Herrlich.

Glück für Logan, hoffentlich

Die im Drehbuch von Logan Lucky gegründete Skurrilität entblößt sich allerdings größtenteils bald als allzu bemühter Versuch, seinem Handlungsort in komischer Manie(r) „gerecht“ zu werden, der aber nicht über seine redundante Plattitüdenhaltung hinauskommt. Irgendwann reicht‘s dann auch mit der hinterwäldlerischen Schusseligkeit des Südens.
Zusätzlich geht dem Streifen der Schwung der Ocean’s-Filme, in der Abfolge der Ereignisse wie der Inszenierung, vollkommen ab. Er blubbert ohne Dringlichkeit vor sich hin, bis ihn die abfallende Humor-Kurve mehr oder minder absaufen lässt. Der Überfall vor rauschender Motorsport-Kulisse selbst gestaltet sich indes rasant, mit wendungsreichen Spannungsmomenten gespickt, weiß aber auch aus der Potenz deutlich frischerer Vertretern des Genres nicht herauszutreten – zumal er sich im Wesentlichen an klassische Erzählmuster inklusive Vorbereitungsphase, mit Twists versehenem Ablauf sowie knappem Finale orientiert und diesem wenig narrative Eigenvarianz aufdiktiert. In Anbetracht des Settings mag die humoristische Eigenart hierbei konsequent sein, was aber freilich nicht als Ausrede seiner bald einsetzenden Müdigkeit verstanden werden soll.

SLEAZE + Logan Lucky
Panzerknacker James Bond

Ganz gleich, wie man Logan Lucky gegenübersteht: Es ist Stevens Kino-Comeback nur zu wünschen, dass es sich gewissermaßen einen Platz im Herzen der Zuschauer verdient und am Box Office geadelt wird. Sein Produktionsbudget von 29 Millionen US-Dollar hat der Film inzwischen eingespielt. Und sendet damit bereits eine wichtige Botschaft an alle Filmemacher, die womöglich ähnlich gefrustet sind vom superlativen Business der Big Player in Hollywood: Es muss möglich sein, tatsächlich unabhängig Werke ins Kino zu bringen, ohne vor dem Ruin etwa wegen des Fehlens mächtiger Marketing-Monstren zu stehen. Andernfalls verkommt das Kino zu einem Unternehmens-gesteuerten Moloch, geleitet von Wirtschaftsjüngern mit Power Point-Diplom, die im Medium Film nur einen weiteren Arm eines abstrusen Gewinnmaximierungsfetisch sehen. Der kollektive Traum wäre vorbei. Und das will hoffentlich niemand.

Alex

Titel: Logan Lucky
Kinostart: 14.09.2017
Dauer: 119 Minuten
Genre: Heist, Krimi, Thriller, Komödie, Drama
Produktionsland: USA
Filmverleih: Fingerprint Releasing, Bleecker Street, (für Deutschland) StudioCanal

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