Lindsey Stirling: 1001 Traum aus Violine und Dubstep

Lindsey Stirling: 1001 Traum aus Violine und Dubstep

TEILEN
SLEAZE + Lindsey Stirling
Immer gekonnt die erste Geige spielen.

Virtuoses Violinenspiel füllte die Columbiahalle bis zum Rand, als Lindsey Stirling am Freitag, den 20. September 2019, mit ihrer Artemis-Tour in Berlin Halt machte.

SLEAZE + Lindsey Stirling
Was braut sich da zusammen?

2011 startete das YouTube-Phänomen noch mit ersten eigenen Songs, die sie auf Spielplätzen oder in Tiefgaragen aufnahm, am Freitag beindruckte sie mit ihrer magischen Performance und packenden Bühnenshow, wie man sie schon bei Dancing with The Stars erleben durfte.

Denn Lindsey bleibt sich und ihrem Stil-Mix aus Klassik, Elektronik und Dubstep treu, während sie mit der Eleganz einer Ballerina und der schelmischen Freude eines irischen Kobolds über die Bühne tanzt, springt und dich in ihren Bann zieht.

Die Songs des neuen Albums spiegeln mehr Lindseys frühere Werke wider, erklingen mitreißend und kraftvoll, sodass die vordersten Reihen schnell mitgingen und -tanzten.

Mit einer Leichtigkeit, dass du die körperliche Höchstleistung dahinter vergisst, verrinnt das Gefühl von Zeit und Raum, während Lindsey mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit – und dabei tanzend – ihren Violinenbogen schwingt, als würde sie nur für dich allein performen.

Von Steampunk- und Piraten-Outfits mitsamt Papagei bis zu einem glitzernd fluffigen Marilyn-Monroe-Kleid – Lindsey führte mit jedem Part ihrer Show in ihre ganz eigene Traumwelt.

Dank geschickt eingesetzter Requisiten und Cross-Media-Sequenzen von Voicelines sowie Background-Videos wandelte Lindsey Stirling mit ihrer Gruppe Tänzerinnen durch französische Spiegelsäle („Masquerade“), durchquerte die stürmische See („Master of Tides“) und legte eine von Bollywood angehauchte Tanzeinlage hin („Mirage“).

Doch Lindsey spielte nicht nur ihre bekanntesten Songs wie „Crystalize“ und „Shatter Me“, sondern hatte auch zwei Coverversionen als Überraschung für die deutschen Fans im Gepäck. Die Mittzwanziger freuten sich über Helene Fischers „Atemlos“, während die Generation 30+ Nenas „99 Luftballons“ feierte.

SLEAZE + Lindsey Stirling
Eine Supernova?!

Der Genremix überzeugte und ließ das Publikum begeistert zurück. Aber Lindsey kann auch leise, wie sie mit ihrer Coverversion von Leonhard Cohans Ballade „Hallelujah“ bewies. Einfach Gänsehaut-Feeling, wenn der gesamte Saal andächtig beim Chorus mit einstimmt.

Wer denkt, dass Lindsey Stirlings Konzerte „nur“ Violinenspiel sind, unterlegt von wummernden Bässen, der täuscht sich. Dass die Künstlerin stets offen mit ihren eigenen Herausforderungen im Leben umgeht, wie ihren Depressionen und Essstörungen, und wie diese sich auf ihre Musik ausgewirkt haben, ist bekannt.

Daher schwang auch bei den Überleitungen der Songs des neuen Albums eine tiefergreifendere Message mit. „Artemis“ ist geprägt vom Thema „Licht und Schatten“ sowie den Phasen des Mondes, geprägt von der positiven und lebensbejahenden Überzeugung, dass auf Schattenseiten auch wieder bessere Zeiten folgen. Und wenn eine vor Energie strahlende Künstlerin dies mit voller Überzeugung mit dir teilt, möchte man ihr einfach glauben.

Überhaupt überzeugte Lindsey mit ihrer Nähe zum Publikum, die in größeren Hallen vermutlich verloren gehen würde. Als es plötzlich „Come to Russia!“ aus der Menge schallte und die visuelle Grenze zwischen Künstlerin und Zuschauern einriss, entwickelte sich aus einer kurzen, ungeplanten Unterbrechung der Bühnenshow ein heiterer Dialog, von Angesicht zu Angesicht, der Lindseys Bodenständigkeit und Charme unterstrich.

SLEAZE + Lindsey Stirling
Immer gekonnt die erste Geige spielen.

Bei ihrem Konzert der Artemis-Tour brannte Lindsey Stirling vor Leidenschaft bei ihrem Violinenspiel, verschmolz und floss in ihren Bewegungen zur Musik, flog wie eine Sylphe über die Bühne und war doch so fest verwurzelt mit ihren unverwechselbaren Stil und ihrer einzigartigen Performance – sodass das Spektakel aus Licht-, Tanz- und Comedy-Einlagen sich zu einem unvergesslichen Abend entwickelte.

Wenn du dich also von der Mondgöttin Artemis verführen lassen möchtest, Lindsey Stirling tritt noch am 24. September in Hamburg und am 27. September in Köln auf.

Cornelia Franke

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen