Letzter Vorhang für die wunderbare Welt von Ghibli?

Letzter Vorhang für die wunderbare Welt von Ghibli?

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Die ganze Räuberbande auf einem Haufen

Japan, deine Großkünstler! Ganz spontan fallen da ein: Haruki Murakami und Hayao Miyazaki. Während der Schriftsteller Haruki wunderbarste menschliche Geschichten mit ganz viel Magie und Mystik hervorbringt, schafft Hayao dasselbe, allerdings im Zeichentrickfilm. Das von ihm 1985 mit gegründete Anime-Studio Ghibli besticht durch: Harmonie und Verträumtheit, unfassbar vielschichtige Charaktere und besonders oft ganz starke weibliche Hauptfiguren. Diese Filme sind nicht nur für Kinder gemacht und nahmen in dieser Hinsicht bereits in den 80er und 90er Jahren die späteren Animationsfilme des Pixar-Studios aus den USA vorweg.

Um das Jahr 2000 herum legte Hayao eine Reihe von Werken vor, die wirklich ihresgleichen suchen: Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland und Das Wandelnde Schloss können absolut bedenkenlos empfohlen werden! Ähnlich wie Pixar war es Ghiblis und Hayaos Geheimnis, einfach verdammt gute Filme zu machen. Da spielte es gar keine Rolle, ob es Zeichentrick- oder Real Life-Filme sind. Charaktere, Story und das Visuelle stimmten. Auch in den Themen war Ghibli immer ganz weit vorne, so ging es oft um die menschliche Zerstörung der Natur, Kapitalismuskritik und die Ablehnung des Krieges und seiner Zerstörung. Und wenn das mal nicht so im Vordergrund stand, dann gab‘s Magie und mindblowing Shit. Achso, und das alles sowieso „verpackt“ in einem einzigen Film wie Prinzessin Mononoke oder dem Wandelnden Schloss.

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Ronja erkundet die Gänge des Schlosses

Auch seit dem absoluten Höhepunkt kam noch Tolles von Ghibli, so etwa Ponyo, dessen Unterwasserwelten eher einem wunderschönen Acid-Trip gleichen. Oder Arrietty – Die wundersame Welt der Borger, in dem winzig kleine Menschen auf deinen Dachböden oder in deinen Zwischenwänden wohnen und sich ab und zu mal in deiner Küche ein Stück Zucker „borgen“. Fantasievoller geht‘s wohl nicht mehr.

Leider ist auch jemand wie Hayao Miyazaki dem lästigen Älterwerden unterworfen und daher vor einigen Jahren in Rente gegangen. Auch liefen die letzten Ghibli-Filme nicht mehr ganz so gut an den japanischen Kinokassen.
Dieser Tage erscheint nun in Deutschland die vom Studio Ghibli mit produzierte Fernsehserie Ronja Räubertochter, basierend auf dem Kinderbuchklassiker gleichen Namens von Astrid Lindgren. Das traurige: Ronja könnte das Letzte sein, was die Welt je vom Studio Ghibli zu sehen bekommt. Doch das ist noch nicht ganz raus, also hoffen wir das Beste und schauen uns so lange Ronja an.

An Ronja Räubertochter fällt zunächst mal auf, dass die Serie computeranimiert ist. Das ist heutzutage gar nicht mehr erwähnenswert, doch für das Studio Ghibli etwas Neues. Die setzten nämlich noch lange Jahre auf handgezeichnete Bilder und griffen nur für einige Actionsequenzen zum PC. Denn für schnelle Bewegungen muss man besonders viele Bilder zeichnen, da hilft der Computer einem Animator angenehm aus. Doch in Ronja, wie gesagt, ist jetzt alles per Computer gemacht. Ein merklicher Unterschied? Bedingt. Das Figurendesign ist immer noch hervorragend. Vielleicht gibt es durch die Computertechnik ein wenig mehr glatte, weniger differenzierte Flächen, beispielsweise auf der Haut oder der Kleidung der Charaktere. Schon immer ganz stark war Ghibli in der Architektur der Gebäude und den Hintergründen wie Landschaften. Und so auch Ronja: Die Räuberbande, in die die kleine Ronja hineingeboren wird, lebt nämlich in einem Schloss hoch oben auf einem Berg. Am Fuße des Schlosses liegt der Wald, in dem Mattis, Ronjas Vater, und seine Bande ihre Überfälle begehen. Und Wald, Schloss und Bergmassive sind vollendet gezeichnet animiert.

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Ronja und Birk, Bruder und Schwester

Achso ja, jetzt habe ich ja schon durch die Hintertür die Geschichte eingeführt, aber die kennt man ja eigentlich, oder? Mattis ist der Räuberhauptmann, die resolute Lovis seine Frau. Dann gibt‘s noch die rivalisierende Bande der Borkas, mit dessen Spross Birk sich Ronja anfreundet. Das ist fast wie bei Romeo und Julia, dabei jedoch nicht so pathetisch und ohne Sterben, also nicht wie bei Shakespeare. Um die Überfälle der Bande geht‘s auch ganz selten.
In Volumen 1, das bereits vor einiger Zeit erschien, kamen vor allem Ronjas Geburt und ganz frühe Jahre vor. In Volumen 2, das ich hier strenggenommen bespreche, geht es um Ronjas tiefe Freundschaft zu Birk, dem Sohn des anderen Räuberhauptmannes. Die beiden beschließen trotz der Feindschaft ihrer Eltern, Bruder und Schwester zu werden. Auch gibt es einige super atmosphärische Episoden, in denen es bei ganz wenig Dialog trotzdem nie langweilig wird. Für Eltern also bedenkenlos zu empfehlen, die auch mal mitschauen wollen, wenn ihre Kinderchen glotzen, und sich gleichzeitig dabei nicht zu Tode langweilen wollen. Wobei man auch erwähnen sollte, dass Ronja, verglichen mit früheren Ghibli-Klassikern, schon eher hauptsächlich Material für Kinder ist.

sleaze-ronja-raeubertochter4Und trotzdem: Hast auch du Lust darauf, dich mal im Zeichentrick zu verlieren, dann schaue dir Ronja Räubertochter an. Regie führte übrigens Hayaos (das war der vom Anfang) Sohn Goro Miyazaki. So schließt sich der Kreis und endet hoffentlich: nie!

Robert

Titel: Ronja Räubertochter Vol. 2 (Folge 7-13)
Regie: Goro Miyazaki
Episodenlänge: 25 Min.
VÖ: bereits erschienen (DVD, Blu-ray, VoD), Vol. 3: 9.12.2016
Verleih: Universum Film

 

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