Lana del Rey: Der Independent-Star im Olymp

Lana del Rey: Der Independent-Star im Olymp

TEILEN
SLEAZE + Lana del Rey

Die Reise eines Musikers vom ersten Plattenvertrag bis zum Hauptact in großen Arenen – dieser Weg ist nicht jedem gewiss. Ebenso die Standhaftigkeit beizubehalten, nicht von Theorien geplagt von der Bühne dieser Welt abzutreten und vielmehr dem eigenen persönlichen Stil treu zu bleiben, sind Manifestierungen eines Phänomens. Eine Koryphäe auf diesem Gebiet ist Lana Del Rey.

SLEAZE + Lana del Rey
Lanas Geist war auch begeistert.

Vom ersten Plattenvertrag bis zu dem gestrigen Konzert am 16. April in der Mercedes-Benz Arena in Berlin sind sieben Jahre vergangen. Die Entwicklung ihrer Karriere ist ein einziger Aufstieg. Zu Beginn noch als Marketing-Strategie verschrien, entpuppte sich Lana Del Rey als eine talentierte, eigenständige Künstlerin mit einem Stil, der in der heutigen Zeit seinesgleichen sucht.

Ihre Liebe zur Nostalgie und an das Leben vergangener Zeit wirken wie ein Memento an den Zuhörer. Man fühlt, was die Sängerin uns erzählt. Das strapazierte Wort „authentisch“ ist hier weiterhin gerechtfertigt.

Ihre Stimme und ihre Texte können fesseln, ohne dabei (zu) mainstreamig zu wirken. Mit jedem Album – inzwischen vier an der Zahl plus einer Zusatz-Edition ihrer ersten LP – zeigt sie sich mit einer anderen Facette, bleibt ihrem Stil dennoch treu.

Ist Lana del Rey also perfekt?

Nein, aber nah dran. 🙂 Mit der Einladung zur musikalischen Audienz in die Mercedes-Benz Arena zeigt sich, in welcher Liga Lana Del Rey inzwischen spielt. In Berlin war sie zuletzt 2013 im Velodrom und 2014 als Open-Air-Gig in Spandau zu bewundern, aber das gestrige Konzert war das bisherige Highlight.

Und das auch wegen ihrer offenen Art. Zwischen ihren Songs erzählt sie auch recht Privates. Vor ihrer Performance zu ‚Yayo‘ z.B. erzählte sie, dass der Song von dem besten Freund eines ihrer Exfreunde handelt, mit dem sie letztendlich anbandelte. Oder sie spielt mutig unbekanntere Lieder, die andere aufgrund bestimmter Marketing-Strategien vermieden oder schlicht aufgehoben hätten. Alles in allem also sehr sympathisch trotz Superstar-Erfolg.

Mit guten zwei Stunden performte Lana Songs wie ‚Video Games‘, ‚Born to Die‘, ‚Ride‘ und ‚Lust for Life‘, aus ihrer Diskografie. Und sie überraschte mit dem unveröffentlichten ‚Serial Killer‘, welches man bisher nur von irgendwelchen inoffiziellen Online-Kanälen kannte.

Die Bühne wie ein (brüchiges) Paradies

Gestern wurde die Bühne von Lana Del Rey zu einem sakralen Ort. Mit strahlenden Farben untermalten Lichteffekte die Kulisse und verwandelten es in eine Art Paradies, während Ausschnitte aus ihren Musikvideos im Hintergrund vorgeführt wurden. Man merkte ihr an, was es ihr bedeutet, zu diesem Zeitpunkt auf dieser Bühne zu stehen.

SLEAZE + Lana del Rey
Lana del Klein und del Groß

Trotzdem wirkte die melancholische Musik live wie eine Rock-Oper. Songs wie ‚Young and Beautiful‘ erhielten eine massivere instrumentale Komposition, zerstörten dadurch jedoch die emotionale Tiefe und Ruhe, die solche musikalischen Beiträge eigentlich besonders wertvoll machen.

Ebenso hörte man, dass sich Elizabeth Grant – wie sie bürgerlich heißt – gesanglich verbessert hat. Das Halten von Tönen oder Hauchen der Lyrics bleiben trotzdem Teil ihrer eigenwilligen Performances und beweisen, dass die Sängerin ohne Playback auskommt.

Das Risiko: Für den gewohnten Zuhörer von melancholischen Liedern wird dies vielleicht als störend oder emotionslos empfunden. Wenn die Komposition von Gesang und Instrumenten sich gegenseitig zu übertrumpfen versucht, helfen auch keine Lichtshow oder Tänzerinnen im weißen Minirock.

Lana Del Rey muss sich weiterhin auf der Bühne beweisen und sollte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn die Musik auf Platte wird bekanntlich ‚verschönert‘. Dennoch ist und bleibt ihre Kunst eine starke Alternative zum musikalischen Mainstream und ist einfach Musik in unseren Ohren.

Kevin

Künstlerin: Lana Del Rey
Label: Interscope / Polydor / Universal
Genre: Alternative-Pop, Indie-Pop, Pop / Rock

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT