Kulturnase sucht Geruchsweide

Kulturnase sucht Geruchsweide

Wir haben die Rubrik ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit herrscht – wieder einmal. Die süßen, ach so knuffigen Tiere werden häufiger erforscht als die Einäugigen, Zweinasigen, Dreibrüstigen. Das muss nichts Schlechtes sein. So landet man auch seltener im Tierlabor. Ungerecht ist es trotzdem. Eher Euthanasie als Darwin. Also fordern wir auch bei der Forschung Gleichberechtigung. Menschen sollten in Versuchslabors zu gleichen Bedingungen wie Affen zugelassen werden, hässliche Tiere genauso erforscht wie süße. Da das allerdings noch in weiter Ferne liegt, sind die weniger geglückten Tiere gefährdet. Wir steuern hiermit entgegen. Mit der ersten Kontaktsuchseite für die VERMEINTLICH HÄSSLICHEN UNTER UNS. Wenn du dich angesprochen fühlst, melde dich gern unter der Email am Ende des Textes.

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Es ist wieder an der Zeit, deine Aufmerksamkeit an die Ver(meintlichen Ver)lierer der Tierwelt zu richten. Denn wohl jeder liebt die Prachtexemplare wie Tiger, Adler und all die anderen famosen Persönlichkeiten der Fauna. Aber auch die einsamen, ungeliebten und – ja, sagen wir es ruhig: hässlichen Exemplare auf unserem blauen Planeten haben es verdient, endlich mal einen Partner zu finden.SLEAZE + Saiga-Antilope

Daher Vorhang auf für unseren heutigen Kandidaten, einen Junggesellen mit viel Herz und noch mehr Nase: Sir Saigalan, die sympathische Saiga-Antilope! Ein sehr feinfühliges Wesen mit einer noch feineren Nase.

Wer sein Herz und seine Nase gewinnt, kann sich mehr als glücklich schätzen, denn es handelt es sich hier um einen adretten, intelligenten jungen Bock mit äußerst sportlicher Figur und fittem Intellekt. Und das Beste: Dank seiner Herkunft aus der mongolischen Steppe kann Saigalan hervorragend mit Langeweile umgehen.

Steckbrief
Nick: Saigalan
Name: Saiga-Antilope
Geschlecht: männlich
Beruf / Beschäftigung: Parfümeur
Wohnort: eurasische Steppen
Größe: 120 cm
Hobbys: Jazz, französische Kunstfilme, Riechen
Motto: Ob Steppenstaub oder hitz’ge Luft, niemals falsch ist guter Duft

Kurz etwas zu mir:
Ich würde mich definitiv als Mann des guten Geschmacks beschreiben. Ich nehme stets nur allerfeinstes Gras zu mir, renne ausschließlich durch kulturell und soziologisch interessante Steppen und labe mich selbstredend nur an den erquickendsten Wasserquellen.

Das fällt mir hier in meine Heimat recht schwer, denn wie du wahrscheinlich weißt, ist die mongolische Steppe für Genießsaigas ein struppgies Stück Fell. Hier ist wirklich nicht viel los, und als ich das ändern wollte, wurde ich sehr schräg angeguckt. Also ich glaube zumindest, dass es daran lag.

Letztens habe ich zum Beispiel eine Verkostung verschiedener Kräuter und Gräser – mit anschließendem progressiven Improvisationstheater – organisiert. Kam nicht gut an. Selbst mein bester Freund Nasty Nas wollte doch lieber wieder sein Horn mit anderen messen – diese Primitivlinge…

Was mich aber viel mehr schmerzt: Selbst die Damen verstehen meine kultivierte Art offenbar nicht. Ich bin von Beruf Parfümeur, da ich dieses althergebrachte Kultur-Handwerk schon liebte, als meine Nase noch ganz klein war.

Jetzt habe ich die letzten Monate an meiner meisterhaftesten Kreation herumgetüftelt, dem Saigail No. 1, welches eine ganz raffinierte Mischung aus Wacholderbeere, Moschus und Moos ist. Ein Hauch Erde hat das Ganze abgerundet. Naja, jedenfalls sprühte ich es einigen meiner weiblichen Artgenossen sanft auf ihren Hals, und wisst ihr das die gesagt haben? Sie würden sich ja lieber in einer Pfütze suhlen! Fürchterlich! Seitdem kann ich diese Kreaturen nicht mehr riechen. Haha, siehst du, lustig bin ich auch. Aber um ehrlich zu sein: Die anderen finden das ja nicht, die tanzen mir aufgrund meiner Art dauernd auf der Nase herum.SLEAZE + Saiga-Antilope

Wen ich suche:
Eine Dame, die mich versteht, sich auf meine – ja nun, manchmal auch verschrobenen Interessen einlässt, und der Kultur wohlgewogen ist. Was gibt es Schöneres, als gemeinsam im Abendrot bei entspannendem Free Jazz zusammensitzen und Tolstoi zu schmökern.

Vier Beine wären auch toll, damit wir auch mal längere Wanderungen in der sibirischen Halbwüste unternehmen können. Aber letzten Endes kommt es weder auf die Anzahl der Geweihenden noch auf die der Beine an! Das Interessanteste an einer Saiga ist eh ihr Köpfchen. Also schreibe mir gern. Ich freue mich auf dich.


Bei ehrlichem Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „Einfach dufte“ mit einer Mail an info@sleazemag.de.

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