Kleine Lady, ganz große Klappe

Kleine Lady, ganz große Klappe

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Comedy aus Amiland: Wie ist es darum eigentlich bestellt? 2013 kam der Allstar-Film This is the End raus. Mit dabei: Seth Rogen und James Franco (The Interview), Jonah Hill (The Wolf of Wall Street) und der unterschätzte Danny McBride (Pineapple Express, Eastbound & Down). So weit, so gut. Aber guckt man sich mal an, was die Jungs seitdem gemacht haben, findet man nicht viel. Seth und James waren eben zusammen in dem sehr lustigen The Interview um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Jonah wird bald im vielversprechend aussehenden War Dogs auftreten. Danny hatte eine kleine Rolle in Rock the Kasbah (Hier geht’s zur SLEAZE-Kritik) und ist mit einer neuen HBO-Serie am Start: Vice Principals.

Das heißt, US-Comedy ist tot oder was? Denn in den fünf bis zehn Jahren zuvor kam nun wirklich einiges mehr raus! Mitnichten! In der Comedy setzt sich nur ein Trend durch, der durchaus in die Zeit passt: Die Ladys übernehmen. So zum Beispiel die beiden Filme, die Hochzeiten, das Femininste überhaupt, nun mal wirklich auf die Schippe nehmen: Bridesmaids und Bachelorette. Noch viel mehr: der große (und sowas von verdiente!) Erfolg von allem, was Amy Schumer macht (Trainwreck, Inside Amy Schumer), und der Serie Broad City.

Frauen werden lustig, Frauen machen auch mal Witze über ihren Körper und ihr Versagen, schlechten Sex, gute Drogen usw. Das ist super und tut gut. Bevor sich jetzt irgendjemand beschwert: Natürlich ist Comedy noch viel größer, die eben beschriebenen Protagonistinnen und Protagonisten erschöpfen das Feld nicht. Was ich hier meine, ist im weitesten Sinne Stoner Comedy. Stoner Comedy ist aber nicht immer nur Kiffen, Kiffen, Kiffen (obwohl das sehr lustig sein kann, siehe die von Wikipedia im Link angebotene Filmliste). Stoner Comedy, das sind vor allem Protagonisten, die nie so richtig erwachsen geworden sind und es eigentlich auch nicht wollen. Wozu auch? SLEAZE-Leser wissen da genau Bescheid. 😉 Irgendwie will ihnen aber die ganze (nervige) Welt weismachen, dass es jetzt endlich mal Zeit werden würde, Verantwortung zu übernehmen und sich wie ein Erwachsener zu verhalten. Wie öde!

Und genau an dem Punkt treffen wir Hope: Hope wohnt im Keller von ihrem Vater, obwohl sie hart auf die 30 zugeht. Sie hat keinen Job und lungert nur rum, zieht sich Fastfood rein und chillt und cruiset gerne. Außerdem ist sie noch ziemlich schnippisch und kann manchmal eine richtige Bitch sein. Hope war aber nicht immer faul: Sie hat mal Bronze gewonnen bei den Olympischen Spielen. Mit 17 allerdings. In ihrem kleinen Ort irgendwo in den USA ist sie deshalb ein Star, ihr Name steht unter dem Ortsschild. (Ihre Sportart war übrigens die sexy und atemberaubend anzuschauende Gymnastik.)

Seitdem ruht sie sich auf ihren Lorbeeren aus und denkt, sie wäre besser als alle anderen. Außerdem rennt sie jeden Tag noch in der Trainingsjacke ihres damaligen Olympiasieges rum. Es ist nun echt lustig sich anzuschauen, wie Hope wirklich jeden Einfaltspinsel in ihrem kleinen Ort verbal überfährt oder mit Verachtung straft. Sie hat einfach immer einen Spruch, einen Fluch oder ein Comeback auf Lager. Aber gut: Die große weite Welt ist das auch nicht, deshalb auch nicht die größte Leistung. Richtig cool ist Hope nicht wirklich, eher ein bisschen hängengeblieben und manchmal erinnert sie an diese schlimmste Sorte „Weiße“ in den USA, den Wiggers. Eine Antiheldin also. Eigentlich mögen wir sie nicht, aber irgendwie lieben wir sie doch. Die Story von The Bronze? Fast zu vernachlässigen: Hope, gespielt von Melissa Rauch aus The Big Bang Theory (Bernadette!), fängt – widerwillig! – an, Maggie zu trainieren, eine junge Gymnastin aus ihrem kleinen Ort. Dabei kommt raus, dass Hope eigentlich ein ziemlich guter Coach ist. Und lebensmäßig kann sie dem unbedarften Teenie eh noch viel beibringen.Worum geht‘s wirklich in dem Film? Um einen ganz irren Charakter: Hope weiß, dass der größte Moment in ihrem Leben schon vorbei ist – mit 17! An Olympia kommt doch nichts mehr ran! Außerdem, wie gewinnt man denn mit 17 Bronze bei den Olympischen Spielen? Na klar, man wird von ganz jung an trainiert (zuerst vom eigenen Vater, dann von einer wunderbar schrulligen russischen Alki-Trainerin). Ist es eine freie Entscheidung, mit vier Jahren mit Gymnastik anzufangen? Natürlich nicht. Das Ungesunde und zu Enge der Beziehung zu ihrem Vater wird dann auch immer wieder gezeigt.

Und nachdem Hope eben damals so diszipliniert und vorbildlich war, rebelliert sie seitdem in einem durch – irgendwo auch verständlich. Mit der kleinen und energiegeladenen Melissa ist die Rolle perfekt besetzt. Sie zeigt hier auch mal andere Seiten als die immer brave und schüchterne Big-Bang-Theory-Bernadette. Ein wirklicher Sportfilm ist The Bronze übrigens nicht – wenn mal Turnszenen kommen, sind die allerdings super gemacht. Vielmehr geht‘s – wie in aller Comedy – um die kleinen und großen zwischenmenschlichen Dramen, die Ungerechtigkeit der Welt und die Merkwürdigkeit ihrer Bewohner. Nicht der allergrößte Wurf, aber möchtest du mal ein bisschen abschalten, gut unterhalten werden und eine Komödie ohne riesigen Tiefgang schauen, dann zieh dir The Bronze rein!

Robert

Titel: The Bronze
Regie: Bryan Buckley
Laufzeit: 104 Min.
VÖ: 04.08.2016 (DVD, Blu-ray)
Verleih: Sony Pictures Germany

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