klein ganz GROSS: Banished

klein ganz GROSS: Banished

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banished_3Jedes Jahr ist es das Gleiche. Die großen Entwickler nutzen Unsummen an Kohle, um ihre neusten Games an den Mann zu bringen. Ein cineastisches Effektgewitter im neuen Trailer, schöne neue Screenshots, die jedes Mal auch garantiert der letztendlichen Ingame-Grafik entsprechen – von den Plakatwänden des öffentlichen Nahverkehrs ganz zu schweigen. Die wahren Perlen verstecken sich allerdings hinter einem groß angekündigten Titanfall oder den ganzen anderen milliardenschweren Produktionen, die sich 2014 auf uns stürzen. Denn so manche Indie-Entwicklung kann ganz schnell mal zum Dauerbrenner werden. Vielleicht ist Banished so ein Spiel.

Aufbausimulatoren wie Anno oder Die Siedler sucht man heutzutage vergeblich, mit SimCity erschien eher ein weiterer Sargnagel für das Genre als ein Revival des entspannten Städtebaus. Mit Banished kommt nun eine zwar kleine, dafür aber garantiert würdige Alternative, entwickelt von einer einzigen Person! Denn hinter dem Entwicklerstudio Shining Rock Software sitzt Luke Hodorowicz, der jahrelang als Programmierer bei Vicious Cycle Software arbeitete. Irgendwann beschloss er, mehr als nur Grafik zu machen und begann, an seinem eigenen Spiel zu arbeiten. Drei Jahre sind vergangen und Banished ist nun seit 18. Feburar erhältlich.

In einer hügeligen Landschaft mit Wäldern und Flüssen beginnt das Spiel. Auf einer kleinen Fläche liegen Baumaterialien, daneben stehen eine Art Kornspeicher und ein Dutzend Männer und Frauen. Meine Aufgabe liegt darin ein Dorf zu bauen, dass genug Obdach und Nahrung für die eisigen Winter liefert. Dabei kann ich lediglich Bauplätze für die verschiedenen Gebäude ausweisen, bauen muss meine mittelalterliche Meute selbst. Dafür kann ich eine bestimmte Anzahl aus eben jener Meute als Bauarbeiter engagieren. Sobald das erste Feld angelegt ist bekommen auch ein paar andere einen Job als Farmer. Damit meine Bewohner in den ersten Wintern nicht wie die Lemminge wegsterben, errichte ich anstelle einzelner Häuser lieber ein banished_4Obdachlosenheim. Zwar hemmt das die Geburtenrate und das Risiko von Krankheiten steigt, doch nur so reicht die im Sommer gesammelte Nahrung aus, um alle durch den Winter zu bekommen. Erst wenn die Nahrungsbeschaffung nicht mehr von der saisonalen Feldarbeit abhängig ist (Jäger, Fischer), kann ich anfangen, Häuser für einzelne Familien zu errichten. Sobald die ersten ihre eigenen vier Wände haben und das Nahrungsrepertoire vielfältig genug ist, können weitere Bedürfnisse gestillt werden. So errichte ich einen Schneiderei für warme Kluften, einen Schmiede für genügend Werkzeuge und ein Schulhaus, damit mein Dorf von Dummheit verschont bleibt. Im Idealfall baue ich mein Dorf weiter aus, bis ich nichts Neues mehr bauen kann. Geschafft habe ich das bisher nicht, denn wenn eine Produktionskette mal ins Stocken kommt, ist es schwierig zügig entgegen zu wirken. Fehlende Waren einfach einzukaufen ist nicht möglich, denn in Banished gibt es schlicht und ergreifend keine Währung. Alle Waren werden entweder selbst verbraucht oder im Handelsdepot gegen andere Waren eingetauscht.

Die wichtigste Ressource ist Arbeitskraft und das ist neu. Gerade am Anfang freut man sich über jeden Nachwuchs, der in den Häusern entsteht, denn je mehr Menschen es gibt, desto mehr Arbeit kann verrichtet werden. Durch das einfache Jobsystem kann ich die Jobs jedes Einzelnen individuell verändern, so betreibt mein Dorf jedes Jahr Saisonarbeit. Die Bauern, die im Winter keine Felder bestellen können, ziehe ich ab und schicke sie in die Mine, damit ich genug Eisen und Kohle für Werkzeug und Wärme habe.

banished_1Mittelalterliche Metropolen, die man mit viel Geschick errichtet, sehen sogar wirklich schön aus. Vor allem wenn der Winter anbricht und aus all den kleinen, schneebedeckten Häusern Rauchschwaden strömen. Selten sah ein Aufbausimulator so authentisch aus. Natürlich gibt es auch manche Texturen, die leider echt hässlich sind, doch das Schöne ist, dass die Entwicklung von Banished längst nicht abgeschlossen ist. Wie Minecraft und DayZ zuvor nutzt man ein Early-Access System. Die aktuelle Version ist nämlich noch in der Alpha-Phase und wird stetig durch (kostenlose) Updates aufgemotzt. Die aktuell nötigen 20€ für Banished sind dennoch vollkommen gerechtfertigt, denn wie eine Alpha fühlt sich das Ganze beim besten Willen nicht an.

Jeder der von SimCity enttäuscht wurde, sollte hier mal vorbeischauen, denn hier handelt es sich um eine richtige Simulation. Natürlich ist das alles noch nicht so ausgeklügelt, doch alle Daten, die wir einsehen können, scheinen nachvollziehbar zu sein. Jeder Arbeiter hat seinen eigenen Namen, Ehepartner und später eigene Kinder. In SimCity wurden alle Daten eines Einwohners für jeden Tag neu simuliert, so dass sie jeden Tag einen neuen Wohnort und Arbeitsplatz haben. In Banished geht es nicht um Wachstum oder dergleichen, es ist eher ein Survival-Game im Aufbaustil, denn oberstes Gebot ist und bleibt, die Menschen durch jeden Winter zu bringen.

Du kannst Banished für knapp 20 € im Early-Access von Steam erwerben. Wenn du also mal wieder richtig Bock hast, ohne Hektik ein nettes, verträumtes Dörfchen zu errichten, solltest du hier zuschlagen. Schon jetzt gibt es genug Gebäudetypen und Funktionen und das Spiel wird stetig kostenlos erweitert. Die Idee, dass Arbeitskraft das höchste Gut ist, ist mal etwas, das frischen Wind in das Genre bringt und die Idylle die aufkommt, wenn so langsam der Schnee über dein Dorf fegt, ist wunderschön.

Paul @ SLEAZE

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