Kein Nichtsnutz.

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Saalschutz Nichtsnutz

Vergangenen Freitag erschien das vierte Album Saalschutz Nichtsnutz der Zürch’er/ Hamburger Ravepunk-Ikonen von Saalschutz. Seit mehr als zehn Jahren sind die beiden aus der deutschen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. Grund genug, sich mit MT Dancefloor mal über das ein oder andere Thema auszutauschen.

Saalschutz Nichtsnutz

 

Mit Saalschutz Nichtsnutz erscheint euer viertes Album. Kann euch jetzt nichts mehr überraschen?

MT Dancefloor: Doch selbstverständlich. Aber wir wissen nicht was. Dann wär’s ja keine Überraschung. Wenn eine lesbische Frau Papst würde oder so. Das würde uns überraschen.

 

Ihr seid schon seit mehr als 10 Jahren als Saalschutz im Geschäft. Was hat sich maßgeblich an und bei euch beiden verändert?

Wir sind ganz offensichtlich älter geworden. Wir haben mehr Geduld und uns damit abgefunden, dass bei jeder Tür die aufgeht sich fünf andere schließen. Die Hälfte der Band hat sogar eine Ausbildung absolviert. Wir sind offen gesagt schon mit einer gewissen fast fatalistischen Desillusionierung in die Band-Tätigkeit gestartet. Saalschutz war quasi das Produkt einer Desillusionierung. Die Erwartungen waren super tief. Vielleicht sind wir sogar ein bisschen fröhlicher und glücklicher geworden.

 

Ihr kommt eigentlich aus dem beschaulichen Zürich, habt mit eurem Label Audiolith aber seit Jahren eine musikalische Heimat in Hamburg. Was unterscheidet die beiden Städte voneinander? Mal abgesehen von Bergen und Meer.

Am offensichtlichsten: Zürich ist wesentlich teurer. Hamburg hat Studio Braun bzw. daraus hervorgegangen Fraktus, also eine geile Satire- und Humorgruppe. Die Telefonsachen haben wir immer auf Tour gehört. So etwas gibt es in Zürich nicht. Aber meines Wissens auch in Deutschland nur einmal.
In Zürich gefällt mir das Essen besser, aber die Getränkeauswahl schlechter.
Ansonsten gibt es auch einige Ähnlichkeiten, die meisten Orte „wo was los ist“ liegen relativ nahe beieinander. Das Rotlichtmilieu ist ein grosser Faktor. Viele halten die jeweiligen Fussballclubs für relevant, die haben sogar ein ähnliches Image. Es gibt in ähnlichen Abständen Ausschreitungen in beiden Städten und man stellt Bauwerke hin, die einiges teurer werden als gedacht. Die sogenannte Aufwertung ist hier wie dort in vollem Gange. In beiden Städten gibt’s gute Clubs. Zürich steht quantitativ ein bisschen besser da, ich glaube die Stadt hat sogar die größte pro Kopf Clubdichte Europas.
In Zürich neigt man dazu, Hamburg zu romantisieren. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen ich hatte da mehrere beste Abende meines Lebens. Ich leb‘ da ja auch wie ein König mit meiner harten Währung.

 

Raver und Punker unterscheiden sich ja schon in der Wahl ihrer bevorzugten Rauschmittel, ist der typische Saalschutz-Hörer also ein koksender Säufer? Oder wie würdet ihr euer Publikum beschreiben?

Wir empfinden unser Publikum als uns sehr wohl gesonnen. Also, die meinen es gut mit uns. Das ist schön. Aber wir wissen nicht, wie die drauf sind. Das wäre auch anmaßend, dazu irgend ein Urteil abzugeben. Wir redet ja immer nur mit ein paar Leuten. Das ist nur ein Ausschnitt. Wir nennen es aber gerne „Das beste Publikum der Welt“. Wir haben bis jetzt viel mehr zurück bekommen als wir je dachten.

Ihr seit für politische Statements außerhalb euer Musik durchaus bekannt, beteiligt euch an Initiativen etc. Was nehmt ihr mit aus dem Mediengewitter um die Band frei.wild?

Na ja, wir sagen schon mal was oder geben einen Kommentar ab, aber das ist jetzt bei uns nicht so ein großer Teil. Nichtsdestotrotz verfolgen wir, was so läuft und sind bestimmt politische Menschen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Wir nehmen gar nichts mit. frei.wild ist eklig. Im Hallenstadion Zürich sind die meines Wissens verhältnismäßig gefloppt. Ich empfand es als großes Ärgernis, dass die Veranstalter die Halle, die auch der Stadt gehört, bekommen haben dafür. Eine Stadt wie Zürich, die Weltstadt sein will, sollte eigentlich für etwas anderes stehen als halbesoterische „Wir-gegen-den-Rest-Bergweltromantik“, Blut und Boden. Ich finde es andererseits eigentlich besser zu sagen „ich will damit nichts zu tun haben“, wenn sich die Chance bietet, so wie das die Bands beim Echo gemacht haben, als zu versuchen Konzerte zu verhindern und so (wenn es keine juristische Handhabe gibt). Zweiteres fördert ja nur die Aufmerksamkeit in noch stärkerem Masse und führt bei Erfolg zu noch größeren abgefahrenen Märtyrereffekten.
Abgesehen von all dem, habe ich irgendwie auch den Eindruck, dass die Fans nicht die hellsten sind, wenn die nicht mal einen Shitstorm, der ihnen offenbar wichtig ist, an die richtige Stelle tragen können. So schwierig ist das nun wirklich nicht. Aber die sogenannte Schwarmintelligenz kann sich vermutlich auch ins Gegenteil verkehren.

Saalschutz Nichtsnutz

Ich bedanke mich für eure Zeit und wünsche selbstverständlich weiterhin maximalen Erfolg mit der neuen Platte. Ein letztes Statement für unsere Leser?

Danke auch. Beste Wünsche von uns, werdet glücklich!
Julian

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