Kack mother – was?!

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Kakkmaddafakka.sleaze2Am Montag hatten wir das Vergnügen, uns mit einer Band zu verabreden, deren Name einen ein wenig erröten lässt. Kakkmaddafakka sind, wonach sie klingen: die selbsternannt coolste Band des Planeten. Dass die achtköpfigen Indiepopper nicht viel darauf geben, was die Welt von ihnen hält, beweist schon ihre Namenswahl. Nach einem prallgefüllten Festivalsommer haben die Jungs einen Stopp in Berlin eingelegt, um noch ein paar Gigs zu spielen und das deutsche Wetter zu genießen. Was Frontsänger Axel a.k.a. Manhattan und sein Bruder Pål a.k.a. Pish außer sich selbst sonst noch so cool finden, was Musik und Sex für sie gemeinsam haben und warum du dir auf jeden Fall ihre neue Platte besorgen solltest, erfährst du im Interview.

Ihr habt die letzten Monate auf über fünfzehn verschiedenen Festivals gespielt und seid jetzt bei uns in Berlin zu Gast. Was darf auf gar keinen Fall fehlen, wenn ihr auf Tour seid?
Axel: Macintosh. Das Macbook Air. Auf jeden Fall. Und Nagelknipser brauche ich auch immer. Aber im Wesentlichen solltest du einfach nur dein Leben dabei haben. Wir haben unsere Aufladekabel, Telefone und so weiter. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir so etwas wie eine Touring-Routine entwickelt haben. Ich hab zum Beispiel am Anfang nie geduscht, wenn die Show vorbei war, weil ich’s gewohnt war, morgens zu duschen. Ich bin dann mit den anderen raus und feiern gegangen, doof wie ich bin. Deshalb hab ich auch einige Male meine Stimme verloren! Bis mir jemand gesagt hat, dass das mit dem Duschen hilft. Seitdem hab ich sie nicht mehr verloren.

Wer arbeitet im Vorhinein am meisten von euch, bevor es auf Tour geht?
Pish: Wahrscheinlich der Sound-Typ.

Gibt es bei euch in der Band so etwas wie eine Hierarchie? Wer hat die Hosen an?
Axel: So wie ich das sehe, haben die Leute in der Band die meiste Macht, die am meisten arbeiten. Das ist also ganz fair.

Das heißt?
Sie sitzen vor dir. (lacht)

Ist es schwierig, alle auf einen Nenner zu bringen?
Pish: Das solltest du den Manager fragen! (lacht) Es kann hart sein, aber es kann auch hart sein, den Manager zu managen.
Axel: Wir sind eine Horde unorganisierter Typen. Deshalb sind wir cool. So bewerte ich das, auch wenn wir Fehler machen. Die passieren immer. Du erreichst nichts, ohne dabei auch Fehler zu machen. Wenn du einen Fehler machst, willst du ihn nicht wiederholen, aber ich begrüße Fehler eigentlich. Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es schiefgehen. Natürlich ist es wichtig, Dinge zu planen und professionell zu sein, aber viele Dinge gehen schief, weil es überhaupt erst einen Plan gab. kakkmaddafakka.sleaze.gig5

Liegt das an den gesteigerten Erwartungen?
Ja, kann sein! Du musst sein wie Wasser. Einfach gleiten. Du kannst deutsch sein, wie wir sagen, also so organisiert wie ihr seid – und das ist voll mein Ding. Ich liebe es, wenn alles so deutsch/organisiert ist. Es ist ja kein Zufall, dass Deutschland das coolste Land ist. Schaut, wie ihr das mit den Flüchtlingen macht. Ihr helft am meisten – coolstes Land! Es ist cool, nett zu sein. Es ist wichtig, deutsch zu sein.

Deutsch, in diesem Fall also gleichbedeutend mit organisiert.
Pish: Deutschland ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist hier sehr organisiert, aber auch sehr liberal. Verglichen mit, sagen wir: Norwegen.
Axel: Hier zum Beispiel, verpasst du einen Zug und ein paar Minuten später kommt schon der nächste. Wenn du hier Fehler machst und zu spät kommst, ist das nicht schlimm, weil du in diesem guten System lebst.

Dennoch habt ihr Bergen lieber als Berlin.
Ja, aber nur weil das unsere Heimat ist! Würden wir das nicht beachten, ist Berlin die bessere Stadt. Um Längen! Bergen ist eine der meistverschmutzten Städte der Welt.
Pish: Wegen den Bergen bleibt alles hängen.
Axel: Der ganze Verkehr geht mitten durch die Stadt. Das ist dumm.
Pish: Es ist von sieben Bergen eingegrenzt und wenn wir im Winter Schneeketten an den Autos haben, wird der ganze Matsch in die Luft gewirbelt und der Smog liegt über der Stadt wie eine Decke aus Scheiße. Menschen mit Asthma können da im Winter nicht überleben. Aber es ist trotzdem wunderschön in Bergen. Komm nach Bergen und du wirst nicht viel sehen, aber geh in die Natur, die ist spektakulär in Norwegen.

Wenn ihr Jungs so 24/7 aufeinanderhängt, geht ihr euch dann manchmal auch gegenseitig auf die Nerven? Wer von euch ist der Nervigste?
Axel: Ich wahrscheinlich. Der Statistik nach.
Pish: Manchmal. Aber ich kann auch nervig sein. Kommt wirklich auf die Laune an. Aber dann must du den Leuten ein bisschen Leerlauf gönnen. Viele Menschen heutzutage verbringen ihr Leben vor dem Computer und sehen nie irgendwelche Leute. Ich hab zum Beispiel zwei in meiner WG, die kommen nie aus ihren Zimmern! Menschen sind gewohnt daran, allein zu sein.
Axel: Ich fühl mich manchmal, als würde ich süchtig werden nach der Zeit mit mir alleine. Und dann brauche ich ein paar Tage, bis ich mich nicht mehr unwohl fühle.
Pish: Es ist wichtig, dass die Leute, mit denen du abhängst, wissen, dass sie sie selbst sein können.
Axel: Pish ist mein Bruder. Und Black Mamba ist sein Kindergartenfreund! Wir kennen uns alle schon eine Ewigkeit und sind zusammen aufgewachsen. Ich muss nie irgendwas erklären. Alle verstehen alles. Und sie müssen mir nie irgendwas erklären. Wenn man sich gegenseitig so gut kennt, dann weißt du, wie du den anderen behandelst. Wenn du schlau genug bist.

Gibt es neben Tony Hawk jemanden, den ihr gerne mal treffen würdet?
Axel: Jetzt im Moment ist es The Game. Er fasziniert mich enorm. Und ich ärgere mich ein bisschen über mich selbst, dass ich nicht schon vor letzter Woche Fan gewesen bin. Er ist, was mir in meinem Leben gefehlt hat! Was ist mit Westcoast-Rap passiert? Dabei war er die ganze Zeit da!
Pish: Für mich ist es wahrscheinlich auch ein Musiker. Kanye. Oder Drake.

Ihr scheint ziemlich auf Hip Hop abzufahren. Wie hat sich euer Musikgeschmack über die Zeit entwickelt?
Axel: Wir kommen aus einer Familie, wo viel Klassik gehört wird. Also haben wir natürlich auch mal die Beatles und so weiter gehört. Aber als ich älter wurde, war Hip Hop das Ding. Das war der damalige Pop! Dres 2001 kam im Jahr 1999, da war ich zwölf oder so, wenn du gerade deinen Musikgeschmack entwickelst. Wie froh ich sein kann, eins der besten Alben der Welt kam da raus! Wer kann mit diesem Album mithalten?
Pish: Es ist auch was anderes, wenn du anfängst, die Musik für dich selbst zu entdecken und dir nicht mehr vorgeschrieben wird, was du hören sollst oder solltest. Unsere Eltern haben uns 2pac nicht wirklich aufgezwungen. Ich hab zum Beispiel einfach ein Poster von ihm gesehen, das weiß ich noch. Mann, sah der cool aus! Die Platte wollte ich unbedingt. Das war „All Eyez On Me“.

Gibt’s denn eine Platte, für die ihr euch heute schämt?
Axel: Nein. Über Musik denke ich wie über Sex. Scham macht da eine Menge kaputt. Ich hab keine heimlichen Vergnügen. Ich würde mich nie in einer Situation finden, die mir peinlich wäre. Dann würde es diese Band nicht geben. Denn als wir angefangen haben, waren wir alles andere als cool. Die generelle Meinung über uns war nicht besonders positiv. Die Radiostationen spielten uns nicht und so weiter.

kakkmaddafakka.sleaze.gig4Wie hat sich das seit dem verändert?
Axel: Es ändert sich von Tag zu Tag! Weil wir megacool sind! Es ist cool, so wie wir sind: schamlos und frech. Vor zehn Jahren wär’s undenkbar gewesen, auf der Bühne zu sagen: „Und jetzt alle: Kakkmaddafakka!“ Das zu machen, wäre ziemlich uncool gewesen. Und für viele Bands ist das immer noch so. Nicht jeder kann das, weil nicht jeder so cool ist wie wir.

Hattet ihr zwischenzeitig das Gefühl, euch für die Medien verstellen zu müssen, um Erfolg zu haben?
Axel: Nein. Wir verbiegen uns nicht. Wir wachsen und entfalten uns. Das ist Veränderung. Das ist ein natürlicher Vorgang.

War es zu den Anfängen der Band nicht schwierig, mit der Einstellung im Musikgeschäft Fuß zu fassen?
Axel: Kommt ganz darauf an, was du schwierig nennst. Das kannst du selbst entscheiden.
Pish: Außerdem ist unsere Mentalität auch eine andere. Wir haben das Internet. Und die Musikwelt ist eine sehr freie Welt. Denn du kannst alles finden, was auch immer es ist. Wenn du auf Goth-Death-Metal stehst, dann ist da draußen eine Band, die genau das macht. Und die ist wahrscheinlich erfolgreicher als wir. Ich steh nicht auf so was, aber wenn du so was feierst, dann findest du so was.
Axel: Das ergibt auch die Schlussfolgerung: Man sollte einfach gute Musik machen. Und das wollen wir schon seit Tag Eins. Natürlich ist das ein schmaler Grat. Man muss das Handwerk lernen, wie man einen guten Popsong macht. Wenn du es in diesem Business schaffen willst, kann das sehr hilfreich sein.

Popmusik war aber nie euer Anspruch?
Axel: Natürlich mögen wir gute Popsongs. Viele Leute sagen, sie würden keine Popsongs machen, weil sie keine kommerzielle Musik machen wollen. Die Wahrheit ist: Sie können es einfach nicht. So was kannst du sagen, wenn du gezeigt hast, dass du es kannst. Vor allem, wenn du dich beschwerst. Wenn du dich nicht beschwerst, kannst du machen, was immer du möchtest. Das hier geht an alle Bands, die sich beschweren! Ich sag ihnen: Lernt, wie man einen guten Popsong schreibt, der im Radio gespielt werden kann.
Pish: Aber die Mentalität der Leute nervt auch, Leute die darum kämpfen, um unbedingt im Radio gespielt zu werden. Der Kampf um den Radiosound. Was viele Leute nicht verstehen, ist: Wenn du jetzt versuchst, so was zu machen, was im Radio kommt, dann will das in sechs Monaten keiner mehr hören. Es geht schnell! In einem halben Jahr klingt Radio schon wieder ganz anders. Und das machen wir anders, wir wollen zeitlose Musik machen. Ich denke, wir haben Popsongs, ja, aber die hätten auch schon in den 70ern laufen können.
Axel: Mein Ziel ist jetzt, das Radio zu verändern. Die sollen unseren Songs spielen, damit wir entscheiden können, was gespielt wird. Wir wissen viel besser als die Leute im Radio, was cool ist. Wir haben auch ganz unten angefangen – und jetzt sind wir hier! Wir wurden kaum im Radio gespielt, zumindest nicht in Norwegen. Was ich denen da draußen sagen will, ist: Hey, Leute! Ihr lagt falsch! Wir liegen richtig!

Bald kommt euer neues Album. Könnt ihr uns schon ein paar Details verraten?
Axel: Es wird wieder ein sehr persönliches Album, alle Geschichten sind echt. Wir haben uns weiterentwickelt.
Pish: Aber mit Zeit verhält es sich komisch, denn was du heute meinst, meinst du in zwei Jahren vielleicht nicht mehr ganz so stark.Kakkmaddafakka.sleaze4

Was war eure größte Inspiration diesmal?
Axel: Ich denke, wie Pish gesagt hat: Zeit. Und Zeitlosigkeit. Wir mögen Bruce Springsteen, die Dire Straights und The Smiths, The Cure. Musik wie diese wird es immer geben. Wenn ich sage, unser Album klingt nach Bruce Springsteen oder die Dire Straights, wird mir niemand widersprechen. Das sind große Namen, aber wir haben so was eine Menge gehört. Und gleichzeitig waren sie einfach wirklich gut darin, zeitlose Musik zu machen. Man könnte heute einen The Cure-Song raus bringen und er wäre immer noch so cool wie damals.
Pish: Viele Tracks haben ein Datum. Wenn du an 2007 denkst, dann findest du eine Menge Songs, die nach New Rave klingen. Das war das Coolste zu der Zeit. Aber solche Lieder sind nicht zeitlos. Wenn ich an 2007 denke, sage ich: „Ja, ich erinnere mich, war ’ne geile Zeit.“ Aber die Musik von damals gehört genau dorthin.
Axel: Wie Skrillex. Er ist sozusagen der Sommer 2013.

Warum sollten die Leute da draußen auf jeden Fall losgehen und sich eure neue Platte besorgen?
Axel: Weil sie super ist! Es ist ein wirklich gutes Album. Das verspreche ich dir. Vor allem, wenn du gute Musik magst.

Laurie

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