Kabel ab Lab

Kabel ab Lab

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Seit Jahren habe ich nun schon das Sonos-System. Ich liebe es, aber mich stören auch seit Jahren immer dieselben Sachen. Zeit für eine genauere Betrachtung.

Satter Sound beim Duschen- so muss das sein.
Satter Sound beim Duschen- so muss das sein.

Vielleicht war es für Sonos ein Auslöser wie damals in meinem Kinderzimmer: Ich baute damals häufig mein Zimmer um. Bett, Regale, Schränke. (Letzere mit meiner selbst entwickelten Nicht-ausräum-Technik, bei der ich Zeitschriften (was sonst? J) unter die vollen Schränke packte und sie so verschieben konnte. Klappte nur nicht immer wie berechnet und die vollen Dinger flogen öfter mal um.) Auch die Musikanlage musste sich diesen (Kreativ)Schüben fügen, mitsamt ihrer vielen blöden Kabel! Schon da habe ich mir eine Welt ohne Kabel gewünscht.

Und Sonos ist die erste Firma gewesen, die das Kabelproblem optimiert hat. Bei dem System braucht man nämlich keine Boxenkabel mehr. Leider brauchen elektronische Geräte immer noch Kabel für den Strom, wenn man nicht dauernd Batterien wechseln will, aber…meist hat man mehr Steckdosen als Boxenanschlüsse im Haus. Heißt, man ist viel flexibler bei der Platzierung geworden. Ich warte immer noch auf emissionsarme Strom-Tapeten oder Induktionsteppiche, aber mit den ersten ÖPNV-Bussen und verschiedenen Lösungen für Autos, Handys und den unnützen Elektrozahnbürsten tut sich in der Richtung auch einiges.

Zurück zu Sonos. An der Hardware kann man nichts aussetzen, wenn man von einem Durchschnittsbudget ausgeht. Der Sound ist satt, das Streaming klappt – zumindest in meinen bisherigen Wohnungen – fast immer gut, der Preis für die Gegenleistung ist fair und die Verarbeitung super, wie ich bei einem unfreiwilligen Boxensturz aus zwei Metern Höhe feststellen durfte. (Ein Regal wollte nicht halten. Ja gut, ich bin kein Handwerker, ich weiß!!!!!)

Sturz aus über zwei Meter Höhe. Respekt, Sonos. Stabiles Baby.
Sturz aus über zwei Meter Höhe. Respekt, Sonos. Stabiles Baby.

Die Optik ist mir gelegentlich zu Apple-ähnlich, zu clean, aber insgesamt ist das Streaming-System einfach so, wie man es von Technik erwarten sollte – es läuft reibungslos und intuitiv, solang man ein funktionierendes Heim-Netzwerk mit Ethernet hat. Alle Geräte erkennen sich ohne große Konfiguration, und seit Sonos vor einigen Monaten die Bridge (eine Art Verteiler, welches man zwischen Router und Boxen schaltet) überflüssig machte, ist es noch einfacher zu konfigurieren. Es gibt verschiedene Größen für verschiedene Geldbeutel, aber schon der Sonos Play:1 ist in kleinen Räumen wie meinem Badezimmer so gut, dass er teilweise besser klingt als der nächstgrößere Play:3 im Wohnzimmer. Besonders toll, auch wenn ich kein Haus habe, ist die Möglichkeit, parallel verschiedene Stücke laufen zu lassen. Endlich können Eltern ihre „Der kleine Vampir“-Serie unter der Dusche hören, ohne dass die Tochter auf ihr Röckchen von Marilyn Manson verzichten muss.
An der Hardware gibt es eigentlich nur ein Manko: dass man sie nicht ausschalten kann. Sie laufen immer mindestens auf Standby. Soll wenig Strom fressen, aber dieses Dauer-Anlassen stört mich trotzdem.

Sonos – die Software wird dir nicht gerecht!

So clever und intuitiv die Hardware, so krampfig und undurchdacht ist die Software. Es wirkt fast, als ob die Firma das als ausgleichendes Moment mit Absicht macht. Die Software namens Controller ist ähnlich aufgebaut wie man es von Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer oder Simfy kennt, aber…

nehmen wir mal den Fall an, du willst Musik hören. Hast du eine Festplatte an dein Netzwerk angeschlossen, kann der Controller darauf zugreifen und es ertönt deine Musik in feinsten Tönen. Hast du verrückterweise noch CDs, bist du schon am Arsch. Auf der Webseite steht zwar, „es vereint deine digitale Musiksammlung in einer App“, aber nur, wenn du sie erstmal rippst. Da das Geschäftsmodell sehr auf Streamingdienste ausgerichtet ist, scheint das Kalkül zu sein. Nun interessiert es deshalb die meisten vielleicht wirklich nicht mehr so, als Musikjournalist bekommst du aber noch viele CDs. Die findet man meist auch nicht in einem dieser Streamingdienste, weil zu neu. Das sind jetzt berufliche Probleme, ok. Aber auch einen Film mit über Sonos kannst du auf einfache Weise vergessen. Ich habe meine alte Anlage dafür, aber wer es minimalistisch mag…

Und selbst ihr Hauptfokus ist nicht richtig durchdacht: die Streaming-Einbindungen. Ich habe als Streaming-Dienst Simfy Premium Plus. Finde ich da ein Lied gut und möchte es einer Playliste zufügen, dann muss ich das für die Sonos-Playliste auch noch mal speichern. Ich kann auch die Sonos-Favoriten nicht einfach abspielen. Man muss sie in eine Liste importieren; obwohl die Favoriten ja eigentlich schon eine Liste sind. Davon gibt es noch mehr. Alles kleine Sachen, die einfach unsinnig sind.
Als ich vor Monaten meine recht große Musiksammlung zu Sonos integrieren wollte, brach die Software irgendwann ab. Ob sie das inzwischen optimiert haben, kann ich daher nicht sagen. Was aber wohl verbessert wurde, ist die Schnelligkeit in der Festplattensuche. Es gibt also noch Hoffnung. J

Fazit: Insgesamt ist Sonos toll. Aber die Software sorgt unnötigerweise für einen blöden Beigeschmack. Trotzdem empfehle ich vor allem die Play:1 auch dieses Weihnachten wieder als Geschenkoption.

danilo

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