K.Flay sollte man sich merken

K.Flay sollte man sich merken

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kflay_band_lgHip Hop ist eine eindeutig männerdominierte Sparte der Musik. Baggy-Jeans, Caps und Goldketten, dazu ein bisschen Starattitüde und eine große Fresse erfüllen das Klischee. Selten verirrt sich mal eine Frau in diesem Genre und wenn doch, dann werden ihre Punchlines irgendwie nicht richtig ernst genommen. Frauenfeindliche Texte der Kollegen sind Standard und mit feministischen Texten gehen Rapperinnen im Umkehrschluss trotzdem nur allen auf die Nerven. Woran das liegt, ist die eine Sache – dass voreilig durch das Geschlecht begründete Urteile völlig unberechtigt sind, eine andere.
Dennoch irgendwie kein Wunder, dass sich nicht allzu oft mal ein rappendes Mädel auf die Bildfläche traut.
Jetzt haben wir aber mal ein Positivbeispiel für dich.
Die Rede ist von Kristine Flaherty a.k.a. K.Flay aus San Francisco. Eigentlich fand sie nur aus Versehen zum MCing, während sie noch zur Uni ging. Ihr Talent wurde entdeckt und als Zögling eines Majorlabels veröffentlichte sie erste Mixtapes und EPs, bis ihr dann doch ganz schnell wieder der Wind aus den Segeln genommen wurde. Ihre Musik wäre noch nicht reif für die Welt.
Gefrustet von der verkaufsgeilen Majorwelt haut sie ab und lässt los. K.Flay macht ihr eigenes Ding und nennt es „Life As a Dog“, ihr Debüt, ins Leben gerufen durch eine Crowdfunding-Aktion, die innerhalb von nur sechs Tagen bewies, wie bereit ihre Musik eben doch für die Welt ist.
Eine weiße Frau, die so eine Musik macht? Für viele erstmal gewöhnungsbedürftig, aber gerade deswegen cool. Und zwar nicht auf so eine Hipster-Art und -Weise. Eher im Sinne: Wer hier nicht lauscht, der verpasst was.
Wenn man in die eingängigen Hooks und Refrains der 28jährigen hineinlauscht, ertappt man sich schnell dabei mitzusummen und wundert sich über die gewagte Mischung aus Gitarre und Drums auf elektronischen Beats, die insgesamt eher Indie-Elektro als Hip Hop ergibt. Dabei brauchen einige Tracks etwas länger ins Ohr als andere und man fühlt sich manchmal etwas überfordert im Entschlüsseln von Feinheiten, sodass man sich hin und wieder eingestehen muss, dass einige Songs irgendwie doch sehr ähnlich klingen. Überraschend sind jedoch immer wieder aufs Neue die Übergänge, wenn sich Refrains plötzlich an gerappte Passagen anschließen. Mit der Tiefe der Bässe sprengt K.Flay nicht nur Genregrenzen, sondern buchstäblich ihre eigene Fassade, wenn sie mit Prosa und Poesie über die Angst etwas zu verpassen, das Leben als Frau in ihrer Situation und über falsche und richtige Freundschaften ihr Spiegelbild hörbar macht. Sie hat was zu erzählen, ohne einem dabei auf die Nerven oder den männlichen Kollegen auf die Eier zu gehen.
Dass sie dabei absolut keine Street Credibility hat, sondern gleich einen doppelten Uniabschluss in Soziologie und Psychologie, kann man ihr dabei verdenken.
Das nahmen ihr auch Icona Pop, 3OH!3 und Theophilus London schon nicht übel, die sie auf Tourneen mitnahmen. Und auch Snoop Dogg nicht, für den sie bereits einige Shows eröffnen durfte. Wir sind gespannt auf ihre eigenen hier zu Lande!
Am 26. Oktober beginnt K.Flay ihre Deutschlandtour in Frankfurt. Tickets on sale!

Hier kannst du in einen Track von K.Flays früherem Mixtape „West Ghost“ reinhören (über Songs des aktuellen Albums hält leider die Gema mal wieder ihre Händchen):

Laurie Stührenberg

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