Jugendliche Obdachlose: zwischen Freiheit und Abhängigkeit

Jugendliche Obdachlose: zwischen Freiheit und Abhängigkeit

Jeden Tag sind tausende Obdachlose in Europa auf der Suche nach Verpflegung, Drogen und einem geeigneten kostenlosen Domizil (Platte bauen), um die Nacht zu überstehen. Eine aktuelle Fotoausstellung widmet sich den Obdachlosen und ihrer Probleme in Berlin und Bukarest.

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Die Fotoausstellung dokumentiert den harten Alltag jugendlicher Obdachloser in den beiden Städten. Die Kids fliehen vor elterlichen Problemen und ständigem Schuldruck oder wollen einfach nur in ein unabhängiges Leben.
Ganz unabhängig geht es dann leider doch nicht, wie die Bilder eindringlich zeigen – auch wenn sie die Hilfe des Staates oft ablehnen. Suchtdruck und Hungergefühl öffnet anderen Türen – zu Kriminalität und unsolidarischen Freundeskreisen.

erste Wohnung

Die zwei talentierten Fotografen Fara Phoebe Zetzsche und Massimo Branca begleiteten jene obdachlosen Menschen auf den Straßen Berlins und Bukarest, um sie zu porträtieren und ihre Lebensgeschichte visuell einzufangen.

Berlin: Der Berliner Teil beinhaltet eine Art Dokumentation über fünf Jugendliche, die Einblicke ihres harten Alltags im Untergrund gewähren. Sie vertrauen den Fotografen ihre engsten Erfahrungen an und nehmen uns mit in ihre Welt. Es sind viele aussagekräftige Bilder an ungewöhnlichen Orten Berlins entstanden und zeigen positive wie auch negative Motive.

ziemlich hart

Passend zum tristen und grauem Straßenleben haben die Fotografen mit Schwarzweiß-Aufnahmen gearbeitet. Noch mehr als die Bilder selbst fesseln die Geschichten hinter den Bildern.

Bukarest: Die zweite Reportage befasst sich mit einem äußerst charismatischen und abgespaceten Typen aus Bukarest, Spitzname Bruce Lee. Der großgewachsene, schwarzhaarige Rumäne trägt selbstgemachten Schmuck und schlüpft gerne in mystische Trachten. In voller Montur wirkt er fast wie ein zwischenmenschliches Abbild einer Statue. Eine silberfarbene, dickflüssige, ölige Substanz benutzt er als Haarfärbung, um seinen außergewöhnlichen Stil zu krönen. Diese Substanz ist gleichzeitig eine verbreitete Droge.

Das Wohnzimmer im Tunnel

Der Eingang wird bewacht

Bruce Lee ist der Schöpfer einer beliebten Unterkunft im Untergrund und sorgt für Nahrung, Baumaterialen und Isolierungen, denn der Winter kann auch in Rumänien auf Tiefstwerte sinken. Im Sommer hingegen kann sich das Tunnelsystem auf über 40 Grad erhitzen.
Er ist eine Art Mentor für die Obdachlosen, die auf engstem Raum in diesen Katakomben unter den Straßen Bukarests leben, die abgeschnitten von der Außenwelt leben – dominiert vom täglichen Drogenkonsum. Sie scheinen dennoch auf ein schräge Art glücklich zu sein, denn sie sind eine Art Familie.

Die Ausstellung selbst ist etwas lieblos präsentiert, aber die Bilder und vor allem die Geschichten haben es in sich. Wenn du dir mal etwas Kultur außerhalb der Komfortzone geben möchtest, ist diese Fotoausstellung nähe Hallesches Tor genau das Richtige.

Was: Fotoausstellung „Verloren in Berlin und Bukarest“
Ort:
Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin
Wann: 16.03. – 21.05.17 von 12.00-18.00 Uhr
Eintritt: frei, Ausweis muss vorgelegt werden.

John

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