Jeans tragen, bis sie von allein stehen

Jeans tragen, bis sie von allein stehen

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Schauen wir mal, was Nudie so kann.

Jeans, die man nie wäscht? Ich hatte schon oft davon gehört, aber so richtig konnte ich mir das nicht vorstellen. Dann kam ich letztes Jahr ins Gespräch mit einem netten Menschen von Nudie Jeans, der mir empfahl, das unbedingt mal auszuprobieren. Gesagt, getan.

Ich nahm eine Nudie (ich liebe den Namen. Vielleicht weil die Kinder aus dem Kindergarten meiner Mutter nie meinen Namen aussprechen konnten und mich immer Nuli nannten.) mit und SLEAZE+Jeans1probierte es aus.

Zunächst einmal hatte ich die gleichen Probleme, die ich auch häufig mit Schuhen habe. Ungemütlich, um nicht zu sagen…hart, und ich fühlte mich leicht in meiner Freiheit – nicht nur im Schritt – eingeschränkt. Aber so ist das nun manchmal am Anfang. Ich fing an, meine Leibesübungen in den Jeans zu machen – und erfand damit nebenbei die Sportart Denim-Stretching. Das half und die Hose wurde nach einigen Tagen erst gemütlicher und dann freiwillig tragbar.

Ich trug sie also die ersten Tage, bis mir auffiel, dass meine hellen Sneakers alle einen Blaustich bekamen. Die Jeans ist sehr sozial und gibt gern etwas ab von ihrer Farbe. Ich färbte damit teilweise meine Pullis, Shirts, Sneakers und auch das Sofa meiner Mutter ein. Bei den nächsten Besuchen musste ich dann immer auf eine der Katzendecken sitzen. Ich hoffe, ich habe damit nicht indirekt auch den Kater verfärbt.

Mit den vielfältigen Blautönen kamen die ersten Zweifel, ob ich das Projekt durchhalte. Aber ich war brav und trug die Nudie weiter. Teilweise aber doch mit hochgekrempelten Beinen. Sie wurde halt auch immer gemütlicher. Als ich mal wieder feiern war und dank dieser rücksichtsvollen Raucher die Hose stank wie die Einrichtung einer Altberliner Kneipe, meldeten sich die Zweifel zurück. Das auf den Balkon hängen hatte auch nachSLEAZE+Jeans7 Tagen nicht viel gebracht. Also drastischere Mittel: die berühmt-berüchtigte Kältetötung. Ich legte Nudie ins Eisfach – für zwei Wochen. Danach hatte ich nicht wie erwartet blaues Eis, aber immer noch eine – wenn auch weniger – stinkende Jeans. Ich verfluchte Raucher wieder einmal mehr, wollte mein Projekt aber nicht so einfach aufgeben. Andererseits ekelte mich etwas vor ihr. Keine gute Basis für eine langjährige Freundschaft. Ich überlegte kurz, die Jeans dann halt nur noch als Partyhose zu nutzen – zumindest während meiner Testphase. Nach der zweiten Partynacht verwarf ich die Idee. Hashtag IGITT!

Also härtere Bandagen: die C-Bombe. Ich bombadierte Nudie mit Parfüm. Da ich Geruchswässerchen eh kaum noch benutze, kann ich es auch für so etwas opfern. Danach roch sie nach Rauch und Kenzo, aber Kenzo dominierte. Es konnte also weitergehen.

Und dann passierte etwas für mich Typisches: Joghurt-Gate. Ich löffelte, er fiel, und da war er: ein verdächtig aussehender, deutlich sichtbarer Fleck im Schritt. Ich rubbelte mir einen ab (jaja, ich weiß…), aber der Fleck war so hartnäckig wie Dummheit bei Nazis. Und auch wenn ich glaube, über ein gewisses Selbstbewusstsein zu verfügen, wollte ich nicht mit einem vermeintlichen Sperma-Fleck rumlaufen, nur des Tests willen. Was die Fremden denken würden, wäre mir in diesem Fall doch wichtig.

Und daher, ich muss es zugeben, ist das Projekt gescheitert. Der Joghurt-Treffer hat mich dazu gebracht, die gute Nudie in die Waschmaschine zu stecken. Heraus kam eine wunderschöne Hose, die nicht mehr färbte, nicht mehr stank – und jungfräulich rein war. Wäre ich nicht so tolpatschig oder würde ich nicht so gern feiern gehen, hätte es vielleicht geklappt mit dem Nichtwaschen. So hoffe ich weiterhin auf diese Fasern, wo keine Gerüche dran haften bleiben sollen.

danilo

P.S.: Danke Nudie Jeans, für diese bewusstseinserweiternden Erfahrungen. 🙂

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