Jane Austen, der Oberzombie

Jane Austen, der Oberzombie

TEILEN

Ihre sterblichen Gebeine liegen zwar schon seit beinahe 200 Jahren unter der Erde und doch ist sie quicklebendig: Jane Austen. Die Autorin von weltbekannter Literatur wie Mansfield Park, Verstand und Gefühl sowie Stolz und Vorurteil hat auch im Jahre 2016 scheinbar nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Seit 2003 verging kein Jahr, in dem nicht mindestens eine Verfilmung eines ihrer Werke erschien. Die bekannteste Filmadaption aus dieser Zeit kam vom britischen Regisseur Joe Wright (Abbitte), der Stolz und Vorurteil mit Keira Knightley (Everest) und Matthew Macfadyen (Anna Karenina) in den Hauptrollen ins Kino brachte. Ein Trend der vergangenen Jahre ist es auch, historische Stoffe und Themen mit zeitgenössischen Trends zu vermischen. So entstanden Mash-Ups wie Abraham Lincoln Vampirjäger und zuletzt eben Stolz und Vorurteil & Zombies, zu denen Schriftsteller Seth Grahame-Smith die Vorlagen schrieb. Dass sich aus der Vermengung von bekannter Materie und einer, nun ja, Horde Untoten nicht zwingend eine fruchtbare Beziehung ergibt, zeigt sich nun mit der Verfilmung des Stoffes, der allzu sehr auf teuren Blockbuster macht. Seine eigens eingeführten Ideen und selbstgesteckten Merkmale vernachlässigt er dabei zusehends.

Heute im Menü: Hals vom reifen Manne (© SquareOne/Universum)
Heutiger Hauptgang: Hals vom reifen Manne (© SquareOne/Universum)

Der im England des frühen 19. Jh. angesiedelte Plot erzählt von einer Zombieseuche, die auch vor den höhergestellten Klassen keinen Halt macht. Um der Epidemie Herr zu werden, gibt Mr. Bennett (Charles Dance) Unterricht im Umgang mit Waffen und Kampfsport, bei der sich vor allem Elisabeth (Lily James) eindrucksvoll hervortut. Mrs. Bennett (Sally Phillips) dagegen ist vor allem vom Wunsch umtrieben, ihre Töchter zu verheiraten. Mit dem Einzug Mr. Bingleys (Douglas Booth) in die Nachbarschaft sieht sie auf einem bald stattfindenden Ball die große Chance. Dort gerät Elizabeth auch mit Bingleys eigensinnigem Freund Mr. Darcy (Sam Riley) in Kontakt, der ihr aber zunächst in eitler Hochmütigkeit begegnet und als Monsterjäger eher damit beschäftigt ist, Untote zu jagen. Doch bei aller Konzentration auf die Jagd weckt die schlagfertige Elizabeth auch bald bei ihm Interesse.

Hoch zu Ross, auf Kopfabtrennhöhe: Sam Rileys Mr. Darcy (© SquareOne/Universum)
Hoch zu Ross, auf Kopfabtrennhöhe: Sam Rileys Mr. Darcy (© SquareOne/Universum)

Sam Rileys Interpretation des Mr. Darcy ist es, die den Film über weite Strecken trägt. Schon sein erster Auftritt zu Anfang, bei dem Schmeißfliegen als zombiesuchende Drohnen eine Rolle spielen und sein durchgreifender Charakter offenbar wird, legt den Grundton seiner Gothic-Version des bekannten Gentlemans. Nur wird auch er irgendwann in das miefige, wenig originelle Kampfspektakel gezogen, sodass kein Raum mehr bleibt für allzu interessante Facetten. Die Liebesgeschichte trocknet indes weiter aus und findet ihr konsequentes, softes Ende. Da wirkt es fast schon ärgerlich, dass der Film auf dermaßen seichtem Ufer strandet. Als nicht weniger flach präsentieren sich auch die Kampfszenen, die zwar in verschiedenen Formen wie z.B. Ninja begründet sein sollen, über allzu bekannte Blockbusterchoreographien aber nicht hinaus kommen und so in einem ähnlich gearteten Film Verwendung hätten finden können. Bei all der immer wieder durch humoristische Einlagen aufgelockerten Zombieschlachtung finden sich allenfalls Ansätze von Ideen wieder, aber nie werden diese leidenschaftlich bis zum Ende verfolgt. Selbst Überlegungen von Klassenkampf und zusammenführender Integration sind nichts weiter als zerfledderte Randnotizen, die höchstens noch den Wert haben, Figuren aneinander zu binden oder gegeneinander auszuspielen. So jedenfalls wirkt Jane Austen ziemlich (un-)tot.

Alex Warren

Titel: Stolz und Vorurteil & Zombies
Regie: Burr Steers
Laufzeit: 108 Min.
VÖ: 09.06.2016 (dt. Kinostart)
Verleih: Universum Film

KEINE KOMMENTARE

Kommentar verfassen