Ist das Berlin Festival noch ein Festival?

Ist das Berlin Festival noch ein Festival?

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White Lies von Stephan FladDer Umzug des Berlin Festivals in die Arena Berlin wirft neben der Frage, warum es so kurzfristig passierte, eine weitere auf: Ist es überhaupt noch ein Festival?
Zu der ersten Frage kann man zumindest sagen, dass es wohl recht überstürzt ging. Die Pressemitteilung nach zumindest wissen die Verantwortlichen grad selbst nicht, dass sie demnächst in Treptow ihr Festival haben und nicht in Kreuzberg wie offiziell verlautbart. Natürlich war der schon seit längerer Zeit existierende Club X-Berg (eine der cleveren Verlängerungen des Festivals, welches aus Lärmgründen immer viel zu früh im ehemaligen City-Flughafen Tempelhof enden musste) – bewusst oder unbewusst – falsch gelabelt.
die spannendere Frage ist auch ein anderes Wort. Kann man das Festival noch ernsthaft so nennen, wenn es einfach in einer langjährigen Club- und Konzertlocation stattfindet? Ist es nicht eher ein bisschen wie die Überbeanspruchung des Labels „Open Air“, unter das jetzt sogar Freibäder fallen?
Nach Duden– und Wikipedia-Definition ist es natürlich noch ein Festival.
Aber im Gegensatz zu exklusiven Locations, wo man vor Ort schläft und ein richtiges Festival-Feeling entwickelt, fehlt  bei Festivals wie dem Dockville oder dem Berlin Festival so etwas komplett. Das Berlin Festival hat nicht mal einen eigenen Namen, darum muss man auch immer Festival mit erwähnen.
Ich finde jedenfalls, es ist kein richtiges Musikfestival (mehr). Es werden wohl auch sehr wenig Leute nur wegen des Festivals kommen. Die Kombination Berlin + Berlin Festival wird da schon eher ein Grund sein. Dazu kommt, und da bleibt man sich leider auf dem Arena Gelände treu, dass die Akustik im Tempelhofer Flughafen schon immer sehr mies war.
Aber – das muss es ja auch nicht unbedingt sein. Hauptsache, die Stimmung auf der Veranstaltung ist gut. Da hakte es in der Vergangenheit immer mal etwas, im Club X-Berg dagegen war es oft viel besser. Es besteht also Hoffnung.
Und als Berliner sind wir natürlich gespannt, ob es noch mehr solcher Abgänge beim Tempelhofer Fughafen gibt. Nach dem zukünftigen Fehlen der Bread-&-Butter-Winterausgabe ist das nun der zweite große Fisch, der woanders als im Tempelhofer Flughafenbecken planscht. Und vielleicht tut das dem Berlin Festival auch mal wieder ganz gut. Es hat schließlich mit seinem gefühlten 5. Umzug einige Erfahrung in der Anpassung an eine neue Umgebung. Im September sehen wir dann live, ob das gelungen – und ob es noch ein Festival ist.

danilo

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