Internet, DU HURE!

Internet, DU HURE!

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Ich sitze in einem Restaurant und warte auf meine Freundin. Die kommt nun seit einer halben Stunde nicht. Ein kurzer Anruf bewirkt folgende unfassbare Aussage:
„Duuuu, ich hab dir doch über MySpace geschrieben, dass ich nicht komme! Außerdem über ICQ auch nochmal! Ich treff mich heute mit diesem Typen, der diesen Foto-Blog schreibt und den ich bei StudiVZ kennengelernt hab! Wir haben gestern drei Stunden lang geskypet und der ist echt nett. Sorry, aber dann musst du halt deine Mails checken oder den Instant Messenger mal anmachen. Muss los, schüüü.“ KLICK.

HÄ?

Ich weiß ja nicht, ob die Hälfte unserer Leser schon so verblendet ist, dass nichts an dieser Aussage seltsam erscheint, aber ich halte immer noch mit offenem Mund den Telefonhörer ans Ohr.
Mit so einer Ausrede würde ich gerne mal meiner Mutter kommen. Die würde mir wohl eine scheuern.

Gottseidank hat sich der Gedanke von Cybersex bis jetzt noch nicht durchgesetzt, sonst wäre das bestimmt ein längeres Gespräch geworden. Warum sitze ich hier eigentlich im Real-Life, wenn im Internet das Leben passiert?

Mache ich meinen Computer an, gibt‘s ein „Oh-Oh“ hier, ein „Blupp“ da – und die Mailtröte fiept sich einen ab, mit Benachrichtigungen jeglicher banaler Absurdität. Interessiert mich doch einen absoluten feuchten Furz, ob irgendwer ein neues Foto hochgeladen hat oder irgendetwas in irgendein Forum schreibt. Genauso wenig würd mich das interessieren, ob jemand grad Schnupfen hat oder ’nen Tripper. Aber auch das bleibt einem anscheinend nicht mehr wirklich verborgen. Iiih!!

Man muss sagen, ich bin ja selber schuld. Hab mich dort ja eigens angemeldet und diesen ganzen Müll installiert. Damals dachte ich, es wäre praktisch, „Networking“ an sich find ich gut, jedenfalls im produktiven Sinne. Allerdings habe ich nicht geahnt, dass sich das Ganze mehr oder weniger als Talkshow zum Miterleben entwickelt, bei der jeder Vollpfosten seine eigene Welle schiebt und man sich schlussendlich anstatt in der Glotze virtuell schön anpöbelt.

Auf MySpace zerstören sich Freundschaften, weil die Sortierung der Freundesliste den anderen innerlich tief verletzt, bei StudiVZ wird man auf Fotos verlinkt, in denen man halbnackt und reiernd in irgendeiner Badewanne hängt, Facebook habe ich irgendwie noch nicht verstanden, aber anscheinend kann man sich da gegenseitig mit Werwölfen attackieren.
Gottseidank gehöre ich zu den Menschen, die das alles nicht ganz so ernst nehmen.

Klapse voll, ab ins Internet!

So ist es nun mal. Web 2.0 eröffnet jedem Piefke seine ganz persönliche Psychiatrie. Jeder verkappte Dumpflappen kann irgendwo seinen Senf abgeben und, schlimmer noch, findet Gleichgesinnte, die sich, selig über Leidensgenossen, gleich zu einer Bruderschaft verschwören und ihren ganz eigenen kleinen Krieg in der virtuellen Welt führen. Und dabei kann man noch das Layout selber gestalten! Komisch, was für Menschen dort plötzlich eine Plattform haben. Eigentlich fand ich das immer ganz gut, dass die wirklichen Arschköpfe nichts zu sagen haben.

Aber, ich frage mich…was hat man denn früher so gemacht? Damals war das ganz normal, wenn man mal einen Tag nicht erreichbar ist. Dann kam das Handy und bimmelte mit dem neusten Klingelton bis zum Erbrechen herum. Nun sitzt man stundenlang wie ein Cyborg vor dem vermeintlichen Lebensersatz und produziert virtuelle Verbalwichse in Form von Fotokommentaren und Blogs und wartet.

Ja, auf was eigentlich?
DAS ist ja das Schlimme: auf Antworten.

Wenn es eine Hölle gibt, ist es bestimmt eine Internet-Community. Vielleicht sollt man daran denken, dass diese ganze Scheiße einzig und alleine zu einem kapitalistischen Zweck erfunden wurde, aber so kann man seine „Customized Seele“ natürlich prima verbimmeln. Fröhliches Seelenverhökern noch, ihr könnt mich ja bei MySpace adden!

Eure jUjU

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