Internationale Filmverschwörung in Berlin: Berlinale

Internationale Filmverschwörung in Berlin: Berlinale

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Berliner aufgepasst: In dieser Woche, am 9. Februar, beginnt die Berlinale. Anderthalb Wochen lang können sich Filmliebhaber ein buntes und höchst unterschiedliches Programm anschauen. Es gibt die großen Filme mit den bekannten Namen im Wettbewerb um den Goldenen Bären, und, oft viel interessanter, die Sektionen Forum und Panorama. Die stehen zwar „hierarchisch“ unter dem Wettbewerb, doch hier schlägt das Herz des Publikumsfestivals Berlinale. Forums- und Panorama-Beiträge wären auf vielen anderen Festivals selbst die Headliner.

Da geht‘s lang in die Zukunft: Tangerine Dream

Das Berlinale-Programm lässt sich online hier einsehen.
Doch für alle, die sich mal einen schnellen Eindruck verschaffen wollen, was auf diesem Festival so geht, stellen wir hier drei diesjährige Beiträge aus Forum and Panorama vor, die wir auf alle Fälle empfehlen und dir ans Herz legen möchten. Unsere ganz subjektive SLEAZE-Berlinale-Vorschau, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Revolution of Sound. Tangerine Dream.

Während andere noch klampften, bastelten sie an ganz neuen Soundwelten: In den 70er Jahren gehörten Tangerine Dream zu den frühen Elektronikpionieren. Das hieß damals nicht nur, die Musik zu produzieren, sondern auch erstmal die Instrumente zu basteln, auf denen der neue elektronische Sound gespielt werden konnte. Die gab es nämlich noch nicht. Echte Erfinder!
Mittlerweile ist elektronische Musik überall, doch Musikgeschichte-Interessierte blicken zurück auf Gruppen wie Tangerine Dream. Spannende Musikdoku und Zeitdokument.

Denk ich an Deutschland in der Nacht

In dieser Musik-Doku geht es um aktuelle DJ-Stars wie Ricardo Villalobos oder Move D. Der deutsche Regisseur Romuald Karmakar hatte nach eigener Aussage einst bei einem Ibiza-Set von Ricarcdo sein Erweckungserlebnis: „2004 habe ich Ricardo Villalobos zum ersten Mal live als DJ erlebt. Er spielte unfassbar lange Stücke, die nicht nur tausende Menschen im Club, sondern auch ihn in eine andere Zeitzone katapultierten.“ Hört sich nach einer gelungenen Nacht an. 🙂
Seitdem war Romuald angefixt und begleitet in Denk ich an Deutschland in der Nacht fünf DJ-Größen auf ihrem Touralltag und führt Interviews mit ihnen. Die Leckerbissen des Films sind lange Ausschnitte aus Sets, aufgenommen in den besten Clubs der Welt.

Golden Exits (Kurzkritik)

Naomi (Emily Browning) in Golden Exits

Im Forum läuft Golden Exits des amerikanischen Indie-Regisseurs Alex Ross Perry. Alex‘ Filme sind wie europäisches Arthouse-Kino aus den 70er Jahren, im Fall von Golden Exits mit Chloë Sevigny (The Brown Bunny), Mary-Louise Parker (Weeds) und Jason Schwartzman (7 Chinese Brothers) in Hauptrollen. Die Story ist verschlungen: Naomi ist neu in der Stadt und arbeitet für Nick. Nick ist verheiratet mit Alyssa und diese wiederum eifersüchtig auf die junge, hübsche Naomi. Dann gibt es aber auch noch ein zweites Paar, bestehend aus Jason und Analeigh Tipton, sowie in Mary-Louise eine Figur, die absichtlich auf einen Partner verzichtet. Und noch mehr Charaktere. Das Ganze spielt in der New Yorker Kreativen-Szene, genauer in Brooklyn. Die Charaktere sind durchweg so glaubhaft wie oft widerwärtig, nie aber eindimensional.

In Alex‘ Filmen dominiert intelligenter und ziemlich verrückter Dialog. Oft brechen Figuren in lange Monologe aus, in denen sie die Abgründe ihres Seelenlebens offenlegen. Wie eine lange Psychotherapie-Sitzung. Alex‘ Kamera fängt diese Seelen-Stripteases immer ganz intim und nah am Menschen ein: Besonders den Gesichtern seiner Schauspielerinnen widmet er seine Aufmerksamkeit, lässt diese minutenlang ungeschnitten in Close-Ups reden. Die Blicke der Zuschauer schweifen derweil über die Landschaft der Gesichter von etwa Chloë, Mary-Louise oder Hauptdarstellerin Emily Browning.

Es wird viel geredet. Manchmal, ganz selten, wird auch ein Anmachversuch unternommen oder sogar geküsst. Oft wird um den heißen Brei herumgeredet oder die innere Diskrepanz zum Gesagten verrät sich in kleinsten Gesten oder Reaktionen. Und ganz plötzlich geht‘s dann doch um etwas Wichtiges, alles steht auf Messers Schneide und eine Entscheidung fällt. Wie im Leben. Golden Exits ist ein klarer Tipp.

Robert

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